Interview
Pfälzer Handball-Schiedsrichter Kuschel: „Bei einer EM noch viel mehr Druck“
Herr Kuschel, sind Sie aus privaten Gründen in Köln?
Nein, das stimmt in dem Fall nicht. Wir haben von Freitag bis Sonntag einen Schiedsrichter-Lehrgang, Elitekader und Bundesliga-Kader. Es ist ein Halbzeitlehrgang in Gummersbach. Als Hauptevent haben wir den Besuch des Hauptrundenspieltags in Köln genommen.
Was hat die Halbzeittagung ergeben?
Wir machen immer erst mal den Rückblick auf die bisherige Runde. Was gut gelaufen ist, was nicht so gut gelaufen ist. Es gibt ein Feedback zu jedem Team. Konditionstests wurden gemacht, Videotests wurden gemacht.
Dann war da noch das deutsche Spiel.
Und beim gemeinsamen Besuch der EM in Köln haben wir die beiden ersten Spiele der internationalen Kollegen beobachtet, um aus solchen Spielen zu lernen. Das Team der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich haben wir im Fanblock so richtig genießen können. Das war wirklich eine tolle Sache, dass wir als kompletter Kader hier sein durften und auch so dokumentieren konnten, dass Schiedsrichter auch Handballer beziehungsweise Handballfans sind.
Was ist gut gelaufen in der Bundesliga-Hinrunde, was ist schlecht gelaufen?
Insgesamt sind die Bundesligisten zufrieden mit den Schiedsrichterleistungen. Es gibt natürlich noch ein paar kleine Dinge, die man optimieren kann. Siebenmeterlinie, Außenaktionen, da gibt es Punkte, wo wir noch nachschärfen müssen. Da gibt es dann kleine Workshops. Teamarbeit, Außendarstellung, da schauen wir auch, was man noch optimieren kann.
Inwieweit war der erstmals eingesetzte Videobeweis eine Hilfe oder sogar eine Belastung für Sie und Ihren Partner?
Am Anfang war es natürlich für alle Beteiligten eine große Herausforderung, bis wir mit dem System vertraut waren. Wir mussten abschätzen: Wo kann man ihn einsetzen, wo ist es sinnvoll, wo nicht? Nach der Hälfte der Saison sind wir gut drin, das heißt, wir nutzen ihn nicht überflüssigerweise, sondern nur in den Situationen, wo es sinnvoll ist. Man kann auch resümieren, dass in allen Situationen, in denen wir ihn genutzt haben, er auch sinnvoll eingesetzt wurde. Und die Entscheidungen, die getroffen wurden, waren auch richtig.
Wie sind Sie mit Ihren internationalen Kollegen bei der Europameisterschaft zufrieden?
Insgesamt fand ich die Leistung bei der EM bisher sehr gut. Man kann sehen, dass die Kollegen hier noch eine ganz andere Drucksituation haben wie wir in der Bundesliga. Es waren nur Kleinigkeiten, es waren insgesamt sehr gute Leistungen des gesamten Schiedsrichterwesens. Bei einer Europameisterschaft lastet ein ganz anderer Druck auf den Schiedsrichtern von den Mannschaften und dem Publikum. Das ist noch einmal eine ganz andere Verantwortung. Dafür sind die Leistungen sehr gut.
Am Ende der Partie Dänemark gegen Schweden gab es Verwirrung, als die Schiedsrichter Zeitspiel anzeigen, ein dänisches Tor nicht zählte.
Im Spiel Dänemark-Schweden handelte es sich um „passives Spiel“, das heißt, der fünfte Pass war gespielt, das haben die Schiedsrichter nach Videobeweis noch mal gecheckt und daher das Tor nicht zählen lassen.