Fußball
Nationalmannschaft ganz schwach: Hier regiert nicht der DFB
Häme ist für Fußballer oft die schmerzlichste Form von Kritik, weshalb die deutschen Nationalspieler Montagabend in Bremen schwere Momente erlebten. Während sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes im Weserstadion mühte, hallten von den Rängen altbekannte Rufe hinunter auf den Rasen. Mit „Hier regiert der Ess-Vau-Weh“ und langgezogenen „Weerder“-Gesängen machten sich die Fans einen Spaß daraus, die Leistung der Nationalmannschaft zu kommentieren. Die Fans ließen den Bundesliga-Klub hochleben, der regelmäßig hier die Massen begeistert. Dazwischen pfiffen sie die Akteure schlicht nieder. Zu diesem Zeitpunkt lag Deutschland gegen die Ukraine 1:3 hinten. Ganz zum Schluss reichte es – immerhin – noch zu einem 3:3 (1:2)-Remis, das aber über die altbekannten Schwächen dieser Mannschaft nicht hinwegzutäuschen vermochte.
Pessimismus steigt
„Wir wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben“, sagte Hansi Flick. Der Bundestrainer musste eine Leistung seiner Mannschaft moderieren, die er so nicht vorhergesehen haben dürfte. Mit viel Optimismus hatte er in den Tagen vor der Partie versucht, Lust auf sein Team zu entfachen. Nach den 90 Minuten in Bremen steigt mit Blick auf die Europameisterschaft im eigenen Land in genau einem Jahr der Pessimismus. „Die Defensivleistung ist einfach nicht gut genug“, urteilte der Bundestrainer.
Letztlich halfen die Ukrainer mit, dass das Jubiläumsspiel des DFB nicht in einem Desaster endete. Trainer Serhiy Rebrov hatte in der Schlussphase seine besten Akteure vom Feld genommen, um sie für eine weitaus wichtigere Aufgabe zu schonen. In der Tose-Proeski-Arena in Skopje werden die Ukrainer am kommenden Freitag weit weniger freundlich empfangen werden. In der EM-Qualifikation geht es gegen Nordmazedonien und in einer Gruppe mit England und Italien wäre eine Niederlage auf dem Balkan früh ein schmerzhafter Rückschlag in dem Bestreben, im kommenden Sommer für mindestens drei Pflichtspiele nach Deutschland zurückzukehren.
Das 1000. Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft wurde der ruhmreichen Geschichte des Verbandes nicht gerecht. „Wenn man eine positive Erkenntnis rausziehen will, dann die, dass wir noch einmal zurückgekommen sind“, sagte Flick. Letztlich gebührte dieses Lob Kai Havertz, der nach seiner Einwechslung mit zwei Aktionen aus einem 1:3 ein 3:3 machte.
Auf dem Feld wirkte es ohne Havertz, als sei schlicht und ergreifend eine Forderung des Präsidenten umgesetzt worden. Bernd Neuendorf, der Chef des Deutschen Fußball-Bundes, hatte Tage vor dem Anpfiff mit inhaltsschweren Worten erklärt, man würde eher mit statt gegen die Ukraine antreten. Mit dieser Ankündigung war es für den obersten Angestellten des DFB, Bundestrainer Hansi Flick, noch ein bisschen schwieriger geworden, den 90 Minuten im Jubiläumsspiel eine sportliche Relevanz zu geben. Zu sehr war das Spiel (sport-)politisch aufgeladen gewesen.
Viel „Wir-Gefühl“
Nach weniger als zwei Minuten hatte zunächst der ukrainische Star Mykhailo Mudryk zu viel „Wir-Gefühl“, denn der offensive Mittelfeldspieler vom FC Chelsea spielte den Ball im eigenen Strafraum unbedrängt Niclas Füllkrug in die Füße, der – überrascht ob des Miteinanders – etwas überhastet am Tor vorbeischoss. Vier Minuten später begann die Partie so, wie Flick und die Mannschaft sich das gewünscht hatten: ein Schuss von Marius Wolf fälschte Füllkrug zur 1:0-Führung ab (6.). „Vielleicht war der Beginn zu einfach“, sagte Flick später.
Immer behäbiger
Die Deutschen wurden nach passabler Anfangsphase immer behäbiger und entfachten damit bei der ukrainischen Mannschaft die Lust, selbst nach vorne zu spielen. Schnell belohnte sich der Außenseiter durch Treffer von Viktor Tsygankov (18.) und ein Eigentor von Antonio Rüdiger (23.), ohne besonders viel Gegenwehr ließen sich die Flick-Schützlinge überrennen. Nach der Pause änderte sich daran zunächst wenig. Nach einem eklatanten Fehler von Matthias Ginter hieß es 1:3, wieder war Tsygankov der Torschütze für die Ukraine (56.).
Erst Havertz sorgte wieder für etwas bessere Stimmung bei den Zuschauern in der Arena. Zunächst traf er nach feiner Einzelleistung zum 2:3 (83.), ehe er in der Nachspielzeit im Strafraum der Ukrainer gefoult wurde, und Joshua Kimmich mit einem verwandelten Elfmeter zum 3:3 immerhin noch ein Unentschieden rettete.