Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Nagelsmanns Bundestrainer-Start: Am Anfang ist immer alles toll

Guter Start, aber kein Grund für voreilige Euphorie: Julian Nagelsmann beim 3:1-Sieg in den USA.
Guter Start, aber kein Grund für voreilige Euphorie: Julian Nagelsmann beim 3:1-Sieg in den USA.

Der Einstand ist geglückt, die gegenseitigen Lobeshymnen sind deutlich. Aber Vorsicht: Das hat noch keine Aussagekraft.

Die Nationalspieler, die professionellen Beobachter und die Fans waren sich einig: Jetzt, unter dem neuen Bundestrainer, ist die Zeit der Rückschläge, ist die Zeit der unerfreulichen Darbietungen der Fußball-Nationalmannschaft beendet. Nach Jahren des Niedergangs kann man sich auf das anstehende Großturnier freuen. Endlich.

Die deutsche Mannschaft und ihr Coach stehen wieder für Optimismus und für Neuanfang. Der Glaube, bald wieder ein Teil der Weltspitze zu sein, ist zurückgekehrt und wird durch Leistungen auf dem Feld unterfüttert.

Mit Hansi Flick wird alles besser.

Obacht vor voreiliger Euphorie

Richtig gelesen, denn genau das war der Tenor der Meinungen vor ziemlich genau zwei Jahren, als der Bundestrainer Flick gerade dabei war, einen Rekord aufzustellen. Nie zuvor hatte ein Coach der Auswahl der besten Kicker des Landes zu Beginn seiner Amtszeit so viele Siege hintereinander gefeiert wie der Mann, der nach der Ära von Joachim „Jogi“ Löw für Aufschwung stand.

Die Geschichte hat gezeigt, dass die Amtszeit von Flick nicht im Jubel endete, sondern in einer Serie von gruseligen Leistungen. Das 1:4 im September gegen Japan sorgte für die Trennung. Jetzt soll Julian Nagelsmann es richten – und der hatte mit dem 3:1 in den USA einen gelungenen Einstand. Die Leistung der deutschen Mannschaft war ordentlich, aber Obacht vor voreiliger Euphorie.

Eine Liebe muss erst wachsen

Eine frische Liebe wirkt zu Beginn immer perfekt; besonders, wenn man gerade aus einer zerrütteten Partnerschaft kommt. Erst im Laufe der Zeit stellt sich heraus, ob die Beziehung das Zeug für eine langfristige Bindung hat. Nur wenn die kleinen Macken des anderen toleriert werden können und wenn die erste Krise gemeinsam durchschritten wurde, festigt sich das Miteinander, entsteht energieerzeugendes Vertrauen.

Beim FC Bayern gelang es Nagelsmann und seiner Mannschaft nicht, ein Tal gemeinsam und gestärkt zu durchschreiten. Abwarten, ob es dem ehrgeizigen Coach und einer Ansammlung hochbegabter Fußballer in der Nationalmannschaft gelingt.

x