Galopp RHEINPFALZ Plus Artikel Marco Klein: Von der Oberliga in die Champions League

 Indian Soldier in München mit Tommaso Scardino und Trainer Marco Klein (verdeckt mit Maske).
Indian Soldier in München mit Tommaso Scardino und Trainer Marco Klein (verdeckt mit Maske).

Von der Oberliga in die Champions League: Der Mannheimer Vollblüter Indian Soldier tritt am Sonntag im mit 155.000 Euro dotierten Großen Preis von Bayern auf der Galopprennbahn in München-Riem an. Die Prüfung über 2400 m gehört zur Europa-Gruppe I, der schwersten Kategorie überhaupt.

MANNHEIM. Trainer Marco Klein hat den vierjährigen Soldier Hollow-Sohn aus Schlenderhaner Zucht nachgenannt. Klein feiert am Sonntag zudem Geburtstag, er wird 41 Jahre alt. Er sagt: „Er hat sehr gut gearbeitet und die Bodenverhältnisse passen. Man muss auch mal mutig sein, ich gehe von einem guten Laufen aus.“

Für Klein ist es eine Premiere in dieser Leistungsklasse, das gleiche gilt für Stalljockey Tommaso Scardino. Indian Soldier hat in diesem Jahr bereits fünf Rennen gewonnen, zuletzt einen Ausgleich II mit 19 Längen Vorsprung. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer fulminanten Entwicklung, die Klein mit bisher 19 Jahressiegen in die Top Ten der deutschen Trainergilde katapultiert hat. Mittlerweile stehen 45 Pferde in seinem Stall auf der Waldrennbahn in Seckenheim. Mit neun Jahren saß er zum ersten Mal auf einem Pferd, mit seinen Eltern ist er immer auf die Rennbahnen der Region gefahren. Aufgewachsen ist er in Viernheim, dort lebt er heute noch. Vor rund zehn Jahren hat er als kleiner Besitzertrainer mit einer Handvoll Galopper angefangen. Der Rat, selbst zu trainieren, kam vom Kollegen Horst Rudolph.

Job bei der Bundeswehr gekündigt

2014 kündigte er seinen Job bei der Bundeswehr als Berufssoldat, um sich voll und ganz dem Rennsport zu verschreiben. Es war eine schwere Entscheidung, doch der Erfolg gibt ihm recht. Seitdem hat er sich von Jahr zu Jahr gesteigert, im vergangenen Jahr betrug seine Gewinnsumme bei 22 Siegen erstmals über 100.000 Euro. Der Stall wächst kontinuierlich, gute Arbeit spricht sich schnell herum.

Klein gelingt es immer wieder, Vollblüter zu Seriensiegern auszubilden. Ein Beispiel ist Kitaneso, der am vergangenen Mannheimer Renntag seinen 14. Lebenssieg erringen konnte. Klein nennt weitere Gründe: „Vor zwei Jahren wurde die Arbeitsbahn in Seckenheim mit einem Belag erneuert, der für die Pferde sehr schonend ist. Zudem können wir uns die Zeit frei einteilen, es herrscht nicht die Hektik wie in manchen großen Ställen des Westens.“

Langweilig wird es ihm nicht

Langweilig wird es Klein nicht, obwohl er die volle Unterstützung seiner Familie hat. Seine Eltern helfen beim Füttern, Schwester Katrin kümmert sich um die Abwicklung der Reisen. Mittlerweile beschäftigt er acht Angestellte. Sein Tag beginnt um 4.30 Uhr. Nach einem Kontrollgang folgt die Einteilung der Lots, der Trainingsgruppen. Er steht in ständigem Austausch mit seinen Besitzern, die Nennung der Pferde für die jeweiligen Rennen nimmt viel Zeit in Anspruch.

Den Traktor zur Präparierung der Bahn fährt er selbst. Gegen 14 Uhr ist Feierabend, abends geht es nochmals zum Füttern in den nahe gelegenen Stall. Wenn ein Pferd läuft, ist er natürlich dabei. Ursprünglich hat Klein Krankenpfleger gelernt, als Nebenjob leistet er noch sechs Dienste pro Monat im Sankt-Josef-Krankenhaus in Viernheim. Damit es im Rennsport wieder aufwärts geht, wünscht sich Klein mehr Zusammenhalt und Solidarität zwischen den einzelnen Gremien des Sports. Die beste aktuelle Werbung wäre natürlich ein gutes Abschneiden von Indian Soldier am Sonntag.

x