Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Mainz 05: Liebesgrüße aus Moskau

Aus Mainz nach Freiburg: Torwart Florian Müller.
Aus Mainz nach Freiburg: Torwart Florian Müller.

Das Bundesliga-Schlusslicht aus Rheinhessen gastiert am Sonntag beim SC Freiburg. Für den noch sieglosen Trainer Jan-Moritz Lichte könnte es so etwas wie ein Finale werden. Verhagelt ihm ein ehemaliger Schützling die Laune? Ein Ex-Coach hofft und fiebert.

Sandro Schwarz hat an diesem Samstag anderes zu tun, als sich um seinen Ex-Klub Mainz 05 zu kümmern. Für den Trainer von Dynamo Moskau steht das Stadtderby gegen Spartak und den einstigen Schalker Vizemeister-Trainer Domenico Tedesco an. Es gilt, eine Siegesserie fortzuschreiben. Doch wenn er schon mal gefragt wird, äußert Schwarz zu den „Nullfünfern“ seine Meinung, so viel Zeit darf selbst in Vorbereitung auf ein Gipfeltreffen schon sein.

Grundsätzlich, sagte der 42-Jährige in einem Interview, dürfe es Mainz 05 nie als garantiert ansehen, in der Bundesliga zu bleiben. So weit er sich erinnere, habe es nach dem siebten Spieltag nur eine Saison gegeben, in der man aller Sorgen ledig gewesen sei: 2010/11 unter Thomas Tuchel; damals gelangen sieben Siege. Er wolle nicht aus der Ferne urteilen und auch nicht schlau daherreden, aber er wisse aus seinen vielen Jahren in Mainz, dass die Grundstimmung in Verein und Umfeld entscheidend für den Erfolg seien, sagte Schwarz. Nur gemeinsam sei es möglich, „den Zug auf die richtigen Gleise zu stellen“. Die Spieler kenne er noch gut, Identifikation mit dem Verein könne man ihnen nicht absprechen. „Diese Mannschaft ist in der Lage, als Mannschaft aufzutreten und Spiele erfolgreich zu gestalten.“

Danny Latza verbüßt eine Gelbsperre

Schwarz wurde im November 2019 in Mainz entlassen, nach einer 2:3-Heimniederlage gegen Union Berlin. Neun Punkte standen damals nach elf Spieltagen für den FSV zu Buche. Nun ist es einer nach sieben. Irgendwann werden die Mainzer Verantwortlichen auch bei Jan-Moritz Lichte die Reißlinie ziehen, vielleicht schon, wenn an diesem Sonntag beim SC Freiburg (ab 15.30 Uhr) erneut kein Sieg gelingt. Sportvorstand Rouven Schröder hat einen Befreiungsschlag gefordert. Ein Entscheidungsspiel für Lichte, der seit dem dritten Spieltag amtiert? „Ich gehe es an wie jedes andere Spiel auch“, sagt der Trainer reichlich trocken.

Seit der letzten Bundesligapartie sind zwei Wochen vergangen, Lichte konnte „inhaltlich und körperlich intensiv mit der Mannschaft arbeiten“, abgesehen von den Nationalspielern. Der in dieser Saison eh nicht berücksichtige Ungar Adam Szalai kehrte mit einer Verletzung am linken Knie heim, er wurde in Straubing bereits operiert. Eine Diagnose blieb der Verein schuldig. Philipp Mwene fällt mit einer Blessur am Sprunggelenk aus, Kapitän Danny Latza verbüßt eine Gelbsperre, als erster Bundesligaprofi in dieser Spielzeit.

„Flo ist immer noch ein Mainzer Junge“

Gastgeber SC Freiburg hat nach dem 3:2 in Stuttgart bei der Saison-Ouvertüre nicht mehr gewonnen. Arg gebeutelt durch den Verlust der Stammkräfte Robin Koch und Luca Waldschmidt, steht die Truppe aus dem Breisgau vor einer kniffligen Runde. Torwart Alexander Schwolow zog es außerdem zu Hertha BSC. Nach dem Ausfall des Ersatzmannes Mark Flekken hütet in Florian Müller nun ein Ex-„Nullfünfer“ den Kasten. Lichtes Vorgänger Achim Beierlorzer hatte sich vor der Saison für Robin Zentner und gegen Müller entschieden, Letztgenannter wechselte als Folge. Lichte war da noch „Co“. Die Entschlussfassung mochte er nun nicht mehr kommentieren. „Für uns ist Flo immer noch ein Mainzer Junge, der jetzt eben woanders spielt“, sagt Lichte, „es freut uns, wenn er es gut macht.“

An diesem Sonntag hätte er wohl aber nichts dagegen, würde Müller seine Bestform im Spind lassen. Allein schon aus Eigeninteresse. Sandro Schwarz bangt im fernen Russland: „Ich schaue als Fan zu und fiebere nach wie vor mit!“ Liebesgrüße aus Moskau.

Aus Mainz nach Moskau: Trainer Sandro Schwarz.
Aus Mainz nach Moskau: Trainer Sandro Schwarz.
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