Sport Lenin und die Fotos mit Wölfchen

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Sie waren euphorisiert. Auch zwei Stunden nach dem Abpfiff des Eröffnungsspiels am Donnerstagabend im Moskauer Luschniki-Stadion waren viele russische Anhänger noch völlig aus dem Häuschen. Von einem 5:0-Sieg der Gastgebermannschaft zum WM-Auftakt gegen Saudi-Arabien hatten sie nicht zu träumen gewagt. Daran geglaubt haben sie sowieso erst, als es wirklich überall schwarz auf weiß geschrieben stand. Mit Sprechchören und viel Applaus feierten die Fans ihre Sbornaja. Auch Smartphone-Fotos mit saudischen Fans, die die böse Klatsche mit ernsten Gesichtern hinnahmen, sie aber äußerlich noch mit Fassung trugen, standen bei den Russen hoch im Kurs. Oder schnelle Knipsbilder mit dem WM-Maskottchen Zabivaka (auch Sabiwaka), dem Wölfchen. Eine Zabivaka-Statue haben die WM-Organisatoren vor dem Luschniki-Stadion fest im Boden verankern lassen. Sie liegt in einer Achse mit der gerade mal 200 Meter entfernt stehenden riesigen Lenin-Statue, eine der größten ihrer Art, am ehemaligen Lenin-Zentralstadion. Moderne trifft Historie. Dies trifft in Moskau ständig und überall zu. So stehen am Eingang der U-Bahn-Station Sportivnaja unweit des Luschniki-Stadions Körperscanner und Metalldetektoren, die Sicherheit bieten oder zumindest suggerieren sollen, direkt unter alten Kronleuchtern vor den extrem steilen und schnellen Holz-Rolltreppen. Plötzlich ruft eine junge Frau auf einer dieser hölzernen Rolltreppen ganz laut „Welcome Argentina“, als sie zwei Fans in argentinischen Nationaltrikots sieht. Mit einem nicht minder lauten „Vamos!“, dem auf Spanisch sehr oft verwendeten „Auf geht’s!“, antwortet einer der Fans am späten Donnerstagabend in Moskau. Die Argentinier bestreiten ihr Auftaktspiel heute um 15 Uhr im Spartak-Stadion gegen Island. Apropos Südamerikaner: Als ich am späten Donnerstagabend zurück im Hotel war, ging es dort wie fast immer rund. Ein Bus mit peruanischen Fans war gerade angekommen. Die jungen Damen an der Rezeption waren daher auch gegen Mitternacht Moskauer Zeit noch im Eincheck-Dauerstress, gaben mir aber zwischendurch schnell eine neue Magnet-Schlüsselkarte für mein Zimmer. Die alte hat (womöglich durch die vielen Körperscans rund ums Stadion) einige Macken abbekommen, nichts ging mehr. Gestern Morgen habe ich mir mit Marco Mader und Oliver Mucha vom Sport-Informations-Dienst und Mathias Schneider vom „Stern“ ein Taxi nach Watutinki geteilt. Der Kollege Schneider hat es über einen der Online-Taxidienste organisiert; das amerikanische Uber und vor allem das russisch-niederländische Yandex funktionieren im Großraum Moskau gut. Für die rund 25 Kilometer von unserem Hotel zum DFB-Medienzentrum am deutschen Quartier braucht man je Anzahl und Länge der Staus und je nach Abkürzungs-Fertigkeiten des Taxifahrers zwischen rekordverdächtigen 21 und 45 Minuten. Eine Fahrt kostet pro Autoladung zwischen knapp acht und 13 Euro. Im deutschen Quartier in Watutinki wünschen sich Spieler und Trainer ebenso wie ihre Fans, das Luschniki-Stadion morgen nach der Partie gegen Mexiko ähnlich euphorisiert zu verlassen wie die Russen am Donnerstag.

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