Fussball
Leipziger „Feuerwerk“ in Brügge
Der Routinier hatte das Rumpfteam von RB Leipzig als Kapitän angeführt und sprudelte in den Katakomben des schon Mitte der 1970er Jahre erbauten Jan-Breydel-Stadions über vor Euphorie. „Wir haben in der ersten Hälfte ein Feuerwerk abgebrannt, wie wir uns gepusht haben, habe ich selten erlebt“, sagte Kampl. „Wir haben uns überall reingeschmissen. Das hat etwas in der Mannschaft versprüht, das war extrem befreiend.“
Die große Befeiung
Auf einen solchen Brustlöser hatte RB Leipzig lange gewartet. In der Champions League kommt das Erwachen zwar zu spät, nicht aber für die Europa League. Zudem haben Galaabende dieser Art mit Doppelpacks von Emil Forsberg und Christopher Nkunku sowie einem Uwe-Seeler-Gedächtnis-Tor per Kopfball-Bogenlampe von Stürmer André Silva das Potenzial, die Saison auch in der Bundesliga gerade noch zur rechten Zeit in geordnete Bahnen zu lenken. Auch Interimscheftrainer Achim Beierlorzer, der schon Chefcoach in Köln und Mainz war, sprach von einer Initialzündung. „Heute waren Matchplan, Aufstellung und Umsetzung von allen überragend“, sagte der Franke, der den mit dem Coronavirus infizierten Chefcoach Jesse Marsch vertrat.
Die Leistungsexplosion vier Tage nach der blutleeren Pleite in Hoffenheim warf natürlich die Frage auf, ob RB die Pause vom Chef vielleicht sogar gut tat? Die Mannschaft wirkte zumindest so befreit, wie das im besten Falle nach einem Trainerwechsel vorkommt. Ein paar taktische Umstellungen – Viererkette mit Mittelfeldraute und zwei Stürmern – und mal eine andere Ansprache anstatt der immer gleichen Motivationsparolen können im Fußball vieles bewirken.
Marsch virtuell dabei
Zwar war Marsch auch während des Spiels eingebunden. Über eine Standleitung zu Spielanalyst Fabian Friedrich hatte er vor allem in der Halbzeit Kontakt mit Beierlorzer & Co. „Er hat sich auch ganz bewusst bisschen rausgehalten, damit wir uns auf das Spiel konzentrieren können. Achim hat seine Sache sehr, sehr gut gemacht“, sagte Kampl. Kurios war jedenfalls, dass die Mannschaft in Marschs Abwesenheit plötzlich so auftrat, wie Marsch sich das vorstellt: leidenschaftlich und wuchtig, klar und präzise nach vorn, wild, aber nicht kopflos und effektiv vor dem Tor. Gelang das Erweckungserlebnis also, obwohl oder weil Marsch zu Hause bleiben musste?