Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Löwen: Mit Glück nur ein blaues Auge

Hoffnungsvoll in der Krise: Jennifer Kettemann.
Hoffnungsvoll in der Krise: Jennifer Kettemann.

Die Rhein-Neckar Löwen haben die bisher größte Krise ihrer Klubgeschichte noch nicht gemeistert. „Insgesamt ist es schwierig. Wir sind mittendrin und noch nicht über dem Berg“, sagte die Geschäftsführerin des Bundesligisten, Jennifer Kettemann, in einem RHEINPFALZ-Gespräch. Aber es gibt schon gute Nachrichten.

Die Chefin der Löwen kann zumindest mit Blick auf die vergangene, wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Handball-Saison, ein bisschen Entwarnung geben. „Es sieht so aus, als würden wir halbwegs mit einem blauen Auge davon kommen“, betonte Jennifer Kettemann. Die Gründe: Die Gespräche mit dem Mannschaftsrat und der gesamten Mannschaft zum Thema Gehaltsverzicht liefen positiv.

Partner verhalten sich loyal

„Ich finde rückblickend, dass wir für uns eine sehr, sehr gute Lösung gefunden haben. Mir war es wichtig, eine Lösung zu finden, hinter der wir alle stehen und die auch unsere Mannschaft mitträgt. Deshalb haben wir viele Gespräche geführt, die natürlich etwas Zeit beansprucht haben. Ich möchte aber, dass die Spieler die Gründe für unser Handeln verstehen und nachvollziehen können“, führte Kettemann. Auch die Partner hätten sich äußerst loyal verhalten. „Das war überwältigend“, unterstrich sie. Heißt: Regressforderungen waren nicht das große Thema. Auch die Fans waren sehr kulant, fünf Heimspiele standen ja noch aus.

Krise gefährlicher als die 2013

Die aktuelle Krise, verdeutlicht Jennifer Kettemann, ist für die Löwen viel gefährlicher als jene im Jahr 2013 nach dem Rückzug des dänischen Geldgebers Jesper Nielsen. „Damals war es nur eine Person, nun müssen wir schauen, wie sich die Corona-Krise auf alle unsere Partner auswirkt“, meinte sie. Denn wer weiß schon, wie es den Sponsoren in einem oder zwei Jahren geht.

Was die neue Spielzeit bringt, da herrscht noch eine große Ungewissheit. Mitte Juni steht vermutlich fest, ob wieder im September oder Oktober gespielt wird. Der Plan ist, auf jeden Fall wieder Zuschauer zuzulassen. Bleibt die Situation so, hofft Jennifer Kettemann, dass Geisterspiele umgangen werden können. Spiele mit Zuschauern also sind das Ziel. Naiv wäre aber, so Kettemann, davon auszugehen, dass im Herbst vor voller Halle gespielt werden kann. Wie alles genau funktioniert, weiß Jennifer Kettemann noch nicht. „Wir stellen uns auf eine starke Reduzierung der Zuschauerzahl ein. Derzeit wird an einem Konzept für die SAP-Arena gearbeitet. Wir sind gerade am Anfang“, betonte sie. Auf den ersten Blick scheint es locker machbar, in der großen SAP-Arena eine reduzierte Fans-Anzahl unterzubringen. Die Geschäftsführerin weiß, dass dem nicht so ist. „Das täuscht. Vom gesunden Menschenverstand her dachte ich, 13.200 Menschen passen in die Arena, da sollte es eigentlich doch kein Problem sein sollte, 4000 Zuschauer reinzulassen und zwar mit Abstand. Aber wenn man davon ausgeht, dass jede Person eineinhalb Meter Abstand halten muss, die Vorderreihe nicht besetzt werden darf und so weiter, dann bekommen wir nur einen Bruchteil der Zuschauer“, erklärte sie. Der Dauerkartenvorverkauf ist bereits angelaufen, ohne überhaupt zu wissen, wann der Ball wieder fliegt, es gibt sogar schon neue Fans, die bisher keine Stammgäste waren.

Kein Neid auf die Basketballer

Neid, so die 38-Jährige, empfinden die Handballer derzeit nicht, wenn sie auf die Basketballer blicken, die ihre Saison zu Ende bringen. „Für uns war das die einzige Möglichkeit, für uns war das wichtig, dass wir es als Bundesliga geschlossen entschieden haben“, sagte sie. Den Zusammenhalt unter den Klubs sieht Jennifer Kettemann nach und durch die Krise enorm gestärkt. „Man tauscht sich jetzt ganz anders aus mit den Vereinen“, verdeutlichte sie.

Und trotz allem: Gestern gaben die Löwen den Transfer von Rückraumspieler Mait Patrail (32) von der TSV Hannover-Burgdorf bekannt. Der Este unterschrieb für ein Jahr. Wünschenswert wäre es, noch einen Rechtshänder für den Rückraum zu verpflichten, das könnte Lukas Nilsson vom THW Kiel sein. Die Geschäftsführerin glaubt, dass das Gehaltsniveau im Handball künftig ein anderes sein wird.

Spricht Jennifer Kettemann über den neuen Trainer Martin Schwalb, dann funkeln ihre Augen. „Es ist unglaublich, was er für eine Aura hat“, meinte die Frankenthalerin. Der Nachfolger von Kristjan Andrésson hat bei den Löwen für einen deutlich spürbaren Stimmungsumschwung gesorgt. Auf den Wunsch der Löwen-Fans, das Trikot des sehr verdienten Gedeón Guardiola unter das Hallendach zu hängen, ging Jennifer Kettemann nicht ausführlich ein. „Ich kenne diesen Wunsch“, verriet sie. Auf jeden Fall sei für den künftigen Spieler des TBV Lemgo-Lippe noch „etwas geplant“.

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