Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Meister-Entscheidung ist Hanebüchen

Der THW ist Meister – aber so wie hier 2014, mit den Fans auf dem Rathausbalkon, werden die Kieler diesmal nicht feiern (können)
Der THW ist Meister – aber so wie hier 2014, mit den Fans auf dem Rathausbalkon, werden die Kieler diesmal nicht feiern (können).

Eine Sportart, unterschiedliche Wertungen: Die Handballligen sorgen für einen ungeahnten Schildbürgerstreich.

Die Männer des THW Kiel sind deutscher Handballmeister, die Frauen von Borussia Dortmund sind es nicht. Das könnte ein Aprilscherz sein, ist aber in jedem Fall ein Schildbürgerstreich.

Der Deutsche Handballbund (DHB) und die Handball-Bundesliga (HBL) haben am Dienstag entschieden, wegen der Corona-Pandemie die ohnehin seit Mitte März pausierende Spielzeit in den beiden Bundesligen zu beenden. Das war eine kluge Entscheidung, weil sie Klarheit brachte.

Nicht klug ist es, bei Männern und Frauen eine unterschiedliche Wertung vorzunehmen. Mit einer Quotientenregelung wurde der THW als Tabellenführer zum Meister bestimmt. Das fand Zustimmung der Klubs, denn der THW ist schuldlos, dass die Saison nicht beendet werden konnte und zum Zeitpunkt des ungeplanten Abbruchs waren die „Zebras“ in der Tabelle vorne.

Der Spielplan als Argument?

Bei den Frauen spielten die Dortmunderinnen die Saison ihres Lebens und standen auf dem ersten Rang, als das Virus kam. Aber der BVB darf sich nicht Meister nennen, der Verband annullierte die Saison. Der Vorstand der Frauen-Liga (HBF) ist in seinen Entscheidungen autark und vergab keinen Meistertitel, weil die Dortmunderinnen nur einen Punkt Vorsprung auf Verfolger Bietigheim hatten und noch beim direkten Verfolger antreten mussten.

Kann der Spielplan in so einer Situation ein Argument sein? Werden Meister beim coronabedingten Abbruch nur dann gekürt, wenn sie, sagen wir, mindestens drei Punkte Vorsprung haben oder nicht mehr beim direkten Verfolger spielen müssen.

Das ist schlicht und ergreifend hanebüchen.

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