Tennis
Kommentar: Djokovic wird auch zum Spielball
Für manchen könnte die australische Entscheidung, den besten Tennisspieler der Welt nicht an den Australian Open teilnehmen zu lassen, kleinkariert rüberkommen. Und es wirkt oberflächlich gesehen harsch, einen Weltklassesportler anreisen zu lassen, ihn dann aber am Flughafen erstmal stundenlang festzusetzen. Wer dies nachvollziehen will, muss zwei Dinge wissen.
Zum einen haben die Australier einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sonderregeln für Prominente – das stößt hier allen besonders sauer auf. Zum anderen ist das Land ein großer Impfbefürworter – über 90 Prozent ab zwölf Jahren sind bereits gegen Covid-19 geimpft. Für Impfgegner wie Djokovic haben die meisten Australier wenig Sympathien.
Zudem haben vor allem die Bürger Melbournes summiert die längste Ausgangssperre der Welt über sich ergehen lassen, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Diese Opfer will man nicht mit Füßen getreten sehen.
Ein Thema auch für den Wahlkampf
Letztendlich ist Djokovic aber wohl ein wenig zum Spielball geworden. Denn der australische Premierminister Scott Morrison stürzt sich gerne auf Themen, die ihm das Wohlwollen der Bevölkerung sichern. Und wenige Monate vor der Wahl kam es ihm sicher ganz gelegen, bei einem Thema „Stärke“ und „Patriotismus“ zeigen zu können. Seine Härte gegen Djokovic passt da bestens ins Bild und spielt ihm kurz vor der Wahl ganz klar in die Hände, auch wenn es ein wenig peinlich ist, dass Djokovic bereits am Flughafen in Melbourne saß, als es Morrison einfiel, ihm einen Riegel vorzuschieben. Noch peinlicher könnte es zudem am Montag werden, sollte sich das australische Gericht auf die Seite des Serben schlagen.