Handball-EM-Tagebuch RHEINPFALZ Plus Artikel Köln – früher Chicago am Rhein

Das beschauliche Köln.
Das beschauliche Köln.

Redakteur Udo Schöpfer begleitet die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Heim-Europameisterschaft. In einem Tagebuch berichtet er über seine Erlebnisse außerhalb des Spielfeldes.

Köln macht auf mich einen heiteren, gelassenen Eindruck. Das war auch während der Schneetage so, die doch einiges durcheinanderwirbelten. Dem Vernehmen nach ist ja im Grunde das ganze Jahr Karneval hier, was ich so nicht bestätigen kann.

Und dennoch gerät man ein wenig ins Stauen, wenn man erfährt, dass Köln in den Sechziger- und Siebzigerjahren die deutsche Stadt mit der höchsten Kriminalrate war. Das verwundert. Köln bekam das Etikett Chicago am Rhein. Es wurde gestohlen, gemordet, erpresst.

Rundgang durch die Stadt

Erfahren habe ich das bei einem Rundgang durch Köln. Thema: Die dunklen Seiten der Stadt. Auch eine „Henkerführung“ war möglich, aber ich wollte es nicht gleich übertreiben. Köln eine wilde Stadt, das lag an Kriminellen wie Heinrich Schäfer alias Schäfers Nas oder Anton Dumm alias Dummse Tünn, zwei üble Gesellen.

Erzählt hat uns das, einer 20-köpfigen Touristengruppe, Alfred Wolf, unser „Guide“. Ausführlich berichtete Wolf über Kai Löhmer vom Kölner Steueramt, der „undercover“ im Milieu ermittelte. Nach anfänglichen Morddrohungen entspannte sich sein Verhältnis zu den Bösewichten. Er feierte zusammen mit ihnen Geburtstag, und überliefert ist auch der Satz: „Jeder Handschlag im Milieu zählt mehr als ein notariell vereidigter Vertrag.“

Zwei Entführungen sorgen für Schlagzeilen

Für viel Aufregung sorgten die Entführungen von Johannes Erlemann und Nina von Gallwitz. Die Entführung des Mädchens ist ein bislang unaufgeklärter Kriminalfall. Das damals achtjährige Mädchen wurde 1981 in Köln entführt und 149 Tage lang gefangengehalten. Nach fünf Monaten kam es 1982 nach einer Lösegeldzahlung wieder frei. Die Straftat konnte nicht aufgeklärt werden. Mehrere Geldübergaben scheiterten aus den verschiedensten Gründen. Im Fall des Unternehmersohnes Erlemann konnten die Entführer ermittelt werden. Die drei Millionen Mark wurden nie komplett gefunden. Später gab es den Hinweis, dass ein Teil in zwei Propangasflaschen versteckt wurde. Die Gasflaschen wurden zunächst im Polizeipräsidium gelagert. Die Polizei ging davon aus, dass die Flaschen Heizzwecken dienten ...

Ein Serienmörder

Und warum heißt der Appellhofplatz Appellhofplatz? Er heißt so, weil in der Nähe früher der Appellationsgerichtshof war, das 1879 in das Oberlandesgericht Köln umgewandelt wurde. Wir hören von Peter Kürten, dem „Vampir von Düsseldorf“, einem deutschen Serienmörder zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sein kranker, mumifizierter Kopf ist heute in einem Museum in Wisconsin zu betrachten.

Weiter geht’s Richtung Glockengasse. Aber da ist ja mein Hotel! Ob da alles mit rechten Dingen zugeht?

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