Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Jesse Marsch schlägt in Leipzig jetzt schärfere Töne an

Redebedarf: RB-Trainer Jesse Marsch (rechts) und Emil Forsberg.
Redebedarf: RB-Trainer Jesse Marsch (rechts) und Emil Forsberg.

Die Stimmung war eisig am Dienstagabend. Das enttäuschende 1:2 der Leipziger gegen Belgiens Meister Club Brügge in der Champions League sorgte für einen hör- und sichtbaren Riss im Teamgefüge, der sich durch die Verbindung zwischen Mannschaft und Trainer arbeitete wie durch eine frisch verputzte Wand.

Nach der frühen Führung durch Genius Christopher Nkunku (6.) waren die Leipziger komplett in sich zusammengefallen. Die Belgier eroberten Ball um Ball und kombinierten unter anderem über Nachwuchsstar Charles De Ketelaere nach Belieben in der roten Zone der Leipziger. „Ich war überrascht, dass wir so schlecht gespielt haben. Diese erste Halbzeit tut uns weh“, kritisierte Marsch. Ein Novum, denn zuvor hatte der US-Amerikaner alles dafür getan, die neue Einheit des Teams zu beschwören. Nun warf er der Mannschaft vor: „Wir haben uns nicht an den taktischen Plan gehalten, haben zu hektisch gespielt. Wenn wir einen taktischen Plan aufstellen, erwarten wir bessere Leistungen.“

RB ist aktuell eine Wundertüte

RB ist unter dem Nagelsmann-Nachfolger eine Wundertüte mit jeder Menge böser Überraschungen. Nach dem 6:0 gegen die zahnlose Tante Hertha am Samstag mit dem alten Nagelsmann-Fußball fiel im neuen Marsch-Stil wieder alles in sich zusammen. „Das Problem ist: Wir sind nicht konstant. Wir spielen entweder sehr, sehr gut oder nicht gut“, erkannte Marsch. Kapitän Peter Gulacsi rätselte: „Wir haben uns mit jedem Ballverlust runtergezogen und Selbstvertrauen verloren. Jeder gewonnene Ball war nach zwei Sekunden wieder weg. So kann man kein Spiel gewinnen.“ Der Motivator aus Wisconsin und seine neue Mannschaft – das passt bisher einfach nicht. Zu viele Spieler haben offenbar kein Vertrauen in die neue Marsch-Route, die stärker zurück zum wilden Red-Bull-Fußball führen soll. Doch die passt nach zwei Jahren Nagelsmann-Kombinationskurs zu großen Teilen des Teams nicht mehr.

Marsch kündigt Konsequenzen an

Nun reagierte Marsch harsch, indem er personelle Konsequenzen ankündigte und neue Töne anschlug: „Wir müssen überlegen, was jetzt unsere beste Mannschaft ist. Vielleicht spielen wir mehr mit dieser Gruppe und müssen mehr in diejenigen investieren, die verstehen, was wir wollen.“ Heißt: Der Trainer schart vor allem die Spieler enger um sich, die seinen Stil mitgehen wollen – auch weil er langsam selbst um seine Reputation fürchtet. Es könnte eine Zäsur sein, der Anfang eines schnellen Endes des US-Trainers bei RB.

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