1. FC Kaiserslautern
Hiobsbotschaft für FCK und Zolinski – Guter Bekannter bei Gegner Kiel
Positiver gestimmt sieht Uwe Stöver dem Samstag entgegen. Der 1. FC Kaiserslautern kommt – und damit ein wichtiges Stück Vergangenheit für den 55 Jahre alten ausgebildeten Fußball-Lehrer. Stöver und sein Verein Holstein Kiel, dessen Geschäftsführer Sport und Vizepräsident der gebürtige Wuppertaler längst ist, erwarten die Roten Teufel. Anpfiff ist um 13 Uhr (Sky, Liveblog bei rheinpfalz.de). Aufsteiger Kaiserslautern kommt mit einem Last-Minute-Sieg zum Auftakt im Rücken – 2:1 hat der FCK die ambitionierte Truppe von Hannover 96 niedergerungen. Kiel, das die vorige Zweitligasaison auf Platz neun abgeschlossen hat, erarbeitete sich mit viel Effizienz aus defensiv orientierter Ordnung heraus ein 2:2 bei Bundesliga-Absteiger Fürth.
Stöver nicht unzufrieden
„Wir haben in Fürth nicht das abgerufen, was wir vor allem in der Rückrunde der vergangenen Saison gezeigt haben“, sagt Stöver im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dennoch ist der Sportchef der „Störche“, der das schon 2016 war und der dies nach den Engagements als Sportdirektor beim FCK und beim FC St. Pauli seit Oktober 2019 wieder ist, nicht unzufrieden mit dem Start; ein Punkt auswärts, bei einem Bundesliga-Absteiger. Generell sieht Stöver die Entwicklung des KSV Holstein positiv. Der Klub hat bewegte eineinhalb Jahre hinter sich, und das nicht nur wegen der immer noch allgegenwärtigen Coronavirus-Pandemie.
Großes geleistet, gestrauchelt und aufgestanden
Die Kieler bugsierten den großen FC Bayern München im Januar 2021 aus dem DFB-Pokal, stießen bis ins äußerst lukrative Halbfinale vor. Dort unterlagen sie am 1. Mai 2021 Borussia Dortmund mit 0:5. Trotz des Halbfinal-Einzugs hatten es die Kieler nicht leicht, hinkten wegen vieler coronabedingter Spielabsagen dem Plan hinterher. Lange lagen sie auf einem direkten Aufstiegsplatz. Am Ende zogen sie in der Relegation gegen den 1. FC Köln den Kürzeren.
Neue Impulse
Eine solche Enttäuschung nach guter Ausgangslage will verarbeitet sein. „Nach dem verpassten Aufstieg mussten wir über einen längeren Zeitraum gegensteuern“, sagt Stöver. „Das sind Dinge, die lange in den Beinkleidern gehangen haben.“ Schließlich trat Ole Werner zurück, der Trainer, mit dem die Kieler, mit etwas Abstand betrachtet, diese größten Erfolge ihrer jüngeren Geschichte feierten. Werner wollte nach einem Fehlstart in die Saison 2021/22 dem Team die Chance geben, neue Impulse zu bekommen. Er stellte sein Amt zur Verfügung, als der KSV nach sieben Spieltagen 15. war. Bei der TSG Hoffenheim wurden Stöver und Kollegen auf der Suche nach dem neuen Coach fündig: Marcel Rapp, der zuletzt die U19 der Kraichgauer trainierte. Tatsächlich: Der 43-Jährige brachte Kiel wieder auf Kurs. In der Rückrundentabelle 2021/22 war Holstein Sechster. „Marcel Rapp setzt die Arbeit von Ole Werner fort, verändert sie in Nuancen, und einen solchen Trainer wollten wir“, sagt Stöver.
Taktisch flexibler, kommunikativer Coach
Einen, der taktisch flexibel ist, Dreier- oder Viererkette, mit einer oder zwei Spitzen spielen lassen kann. Und einen Coach, dem Dialog, Kommunikation, Austausch wichtig sind. Stöver sieht Holstein im nun sechsten Jahr in dieser Klasse „auf einem guten Weg zu einem etablierten Zweitligisten“. Den lange stagnierenden Fiete Arp, vom FC Bayern nun fest verpflichtet, wähnt Stöver Fortschritte machen. Lewis Holtby, Vertreter des unter den Folgen des Pfeifferschen Drüsenfiebers leidenden Kapitäns Hauke Wahl, Alexander Mühling, Johannes van den Bergh, Stefan Thesker und Fin Bartels sind Führungskräfte der eingespielten Truppe.
Dass sein Ex-Klub FCK aufgestiegen ist, freut den einstigen Profiverteidiger Stöver sehr. „Aber jetzt in der Zweiten Liga sind wir Konkurrenten.“
Zur Sache Zolinski fehlt länger
Der 1. FC Kaiserslautern muss nicht nur am Samstag (ab 13 Uhr) bei Holstein Kiel, sondern voraussichtlich für einige Wochen auf Ben Zolinski verzichten. Der Offensivspieler beklagt seit der Auftaktpartie gegen Hannover 96 ein schmerzhaftes Problem mit der Kniescheibe. Zolinski ist mehrfach untersucht worden.
FCK-Trainer Dirk Schuster vermag den Zeitpunkt der Rückkehr nicht zu prognostizieren. „Wir mussten leider feststellen, dass es keine Sache ist, die sich in einer Woche beheben lässt“, konstatierte Schuster. In der Zeit, in der er gegen Hannover 96 auf dem Platz stand, habe Zolinski „ein sehr gutes Spiel gemacht, er war sehr aggressiv, sehr laufstark“, habe den Gegner immer wieder unter Stress gesetzt und auch mit Ball überzeugt.
Hercher ist Alternative – „oder ein bisschen mehr“
Außer Zolinski fehlt dem FCK verletzungsbedingt weiter Jungprofi Angelos Stavridis (Knöchelbruch). Hikmet Ciftci und René Klingenburg absolvierten wieder alle Übungseinheiten; ebenso Philipp Hercher, der gegen Hannover mit Trainingsrückstand behaftet auf der Bank saß.
„Er ist definitiv eine Alternative oder ein bisschen mehr“, sagte Schuster. Der Cheftrainer hofft bei seiner Elf in Kiel auf „dieselbe Liebe zum Verteidigen“ und dasselbe Maß an Geschlossenheit wie gegen 96. Verbesserungsbedarf sieht Schuster vor allem im eigenen Spiel nach vorne: „Nach Eroberungen haben wir den Ball oft viel zu schnell wieder verloren. Da wünsche ich mir ein bisschen mehr Ruhe, Passgenauigkeit und Passschärfe. Bessere Entscheidungen wären schon angebracht.“
Rund 12.000 Zuschauer erwartet der KSV Holstein in seinem 15.034 Besucher fassenden Stadion, mehr als 1500 von ihnen wollen den FCK vor Ort unterstützen.
