Sport
Handball: Ulf Meyhöfer wirbelt und setzt die ersten Akzente
Die Fußstapfen sind riesig. Elf Jahre war sein Vorgänger Friedhelm Jakob Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes. Ulf Meyhöfer, seit einem halben Jahr im Amt, scheint es mit ihm aufnehmen zu können. Der 57-Jährige plaudert aus dem Stegreif, wie groß die Herausforderungen für die Handballer in der Pfalz sind, lobt Entwicklungen, freut sich über Jungfunktionäre, ärgert sich über Interviews.
Ist die Lizenzgebühr für jeden Handballer von zehn Euro an den Dachverband DHB doch nicht vom Tisch? Meyhöfer bekommt mit, wenn DHB-Präsident Andreas Michelmann ein Interview gibt wie am 21. November. Er selbst ist gut medial vernetzt, nimmt zur Kenntnis, dass der DHB künftig zehn sogenannte Förderregionen vorsieht. Das Gebiet der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar sieht Michelmann als eine dieser Förderregionen. „Um kurzfristig einen gemeinsamen Verband zu bilden, sind wir noch ziemlich weit auseinander“, sagt Meyhöfer. Er kann sich sinnvolle Kooperationen und eine intensivere Zusammenarbeit vorstellen. „Finanziell sind wir sehr gut aufgestellt, mit der von unseren Mitgliedern erbauten Pfalzhalle, intakten Strukturen, einem engagierten Lehrwesen“, betont der gebürtige Saarländer.
Präsidium wird neu strukturiert
Eines seiner Themen: Neustrukturierung des Präsidiums. Im Präsidium kommen ihm sportliche Themen zu kurz. Er denkt an Strukturen mit einem geschäftsführenden Präsidium und einem erweiterten Vorstand mit Spieltechnik, Lehrwesen, Jugend. Die konkrete Herausforderung: Urgesteine im Verband, die Vizepräsidenten Adolf Eiswirth aus Römerberg (Finanzen) und Josef Lerch aus Offenbach (Spieltechnik), wollen 2020 nicht mehr für das Präsidium kandidieren. Jugendsprecherin Saskia Schlemilch (Bornheim) und Pascal Schnurr (Offenbach), unter anderem IT-Projektleiter im Verband, sind für Meyhöfer Kandidaten für ein neues Gremium.
Großes Treffen am 7. Dezember
Apropos: Meyhöfer, selbst IT-Fachmann, hat bei der Umstellung Verwaltung/Spielbetrieb auf die Programme der Handball4all-AG Widerstand und Kritik erlebt. Das bisherige Programm SIS wird nicht mehr weiterentwickelt. Mit Hilfe von Lerch und Schnurr sei es gelungen, die Saison 2019/20 noch im alten System zu planen und ins neue System zu übertragen. Für den 7. Dezember hat Meyhöfer alle das System nutzende deutschen Verbände sowie die Verbände Luxemburg und Vorarlberg zu einem Workshop in Haßloch eingeladen: „Jeder Verband werkelt dran rum. Meine Vision ist, die Abläufe und Prozesse zu vereinheitlichen.“
Der 57-Jährige will den Verband zum Dienstleister für die Vereine weiterentwickeln. Dazu gehöre die Entwicklung hauptamtlicher Strukturen: Sandra Hagedorn, Leiterin der Geschäftsstelle in Haßloch, könnte „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ Geschäftsführerin werden. Er denkt daran, den 2000 aufgerufenen Pfalzgas-Cup, die Final Four 2019 sind am 8. Dezember in Kandel, für das anstehende Jubiläumsjahr zu erweitern. Vereine aus Rheinhessen, wohin Pfalzgas auch liefere, sollen am Cup teilnehmen.
Jungenbereich leicht im Hintertreffen
Sportlich sieht Meyhöfer die Pfalz im Jungenbereich im Vergleich mit anderen Verbänden leicht im Hintertreffen. Bei den Mädchen, so das Mitglied der Arbeitsgruppe Leistungssport im DHB, trage ein neues Konzept von Verbandstrainer Mirko Schwarz schon erste Früchte. Meyhöfer schwebt vor, Jungschiedsrichtern die gleiche Talentförderung wie Spielern zukommen zu lassen. Eltern, die bei Jugendspielen meinten, der Schiedsrichter sei Freiwild, seien ein großes Problem, der Verband müsse da dranbleiben.
Ein Unterschied zu seinem Vorgänger Jakob, der am Wochenende in vielen Hallen unterwegs war und Spiele besuchte: „Wenn es die Zeit gibt, schau’ ich mir ein E-Jugendspiel an.“ Der „Selbstversuch“, die drei Leistungsstufen der männlichen E-Jugend nach einer Selbsteinschätzung der Vereine einzuteilen, ist schon ziemlich gut gelungen. Ergebnisse und Tabellen sollen in den Hintergrund rücken. Er denkt daran, einen Preis auszuloben für die Mannschaft, die sich in einer Saison am besten entwickelt hat.