Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Handball-EM-Tagebuch: Ein wahrer Wikinger

Kälte? Welche Kälte?
Kälte? Welche Kälte? Foto: öpf

Ich war lange nicht in Norwegen und habe während der einen Woche in Trondheim die Menschen hier als sehr angenehme Zeitgenossen erlebt. Die Trondheimer sind entspannt, sie sind freundlich und aufmerksam, und sie nehmen die Belange ihrer Gäste sehr ernst. Fast alle sprechen Englisch in der Stadt, was das Zusammenwirken natürlich einfacher macht. Gut, die Busfahrer düsen zuweilen schon mal los, wenn man noch mitten im Gang steht, aber: sei’s drum. Darauf kann man sich einstellen.

Nette Buskontrolleure

Apropos Bus: Eines Abends fragte ich einen Fahrer, wo ich von seiner Linie 24 am besten zur Linie 25 wechseln könne, die, die mich nach Hause bringt, und während er noch die Stirn in Falten legte, begann neben mir eine Dame schon auf ihrem Handy zu googeln und hatte die Antwort schneller parat als der Fahrer. Ich habe mich lange gewundert, warum die Chauffeure mein Busticket nicht sehen wollten. Nun war es mir klar: Plötzlich standen vier Kontrolleure vor mir, zwei junge Männer und zwei Frauen. Um Zeit zu gewinnen, erzählte ich ihnen, dass ich ein Besucher aus Deutschland bin, aber dann fand ich meine lokale norwegische Bus-App auch schon. Am Ende bekam ich ein kleines Stück Schokolande, darauf stand: Vielen Dank, dass Sie Ihre Fahrt bezahlt haben. Das hatte Stil, wie so vieles hier.

„Willkommen“, sagt der Portier. Kein Besuch in Trondheim, ohne bei dem legendären Hotel „Britannia“ vorbeizuschauen, mitten in der Stadt. Nach unserer Klassifizierung ist das ein Fünf-Sterne-Haus. „Das Hotel gehört einfach zu Trondheim dazu. Jeder hat damit schon eine Geschichte erlebt, sei es bei der Hochzeit oder einem Geburtstag“, erzählte eine Angestellte. Das Frühstück kostet für Gäste rund 45 Euro, die Zimmer liegen bei 280 Euro.

Sandalen und Shorts in der Kälte

Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Freak. Der vergangene Donnerstag war ein bitterkalter Tag, und neben mir im Bus saß dann plötzlich ein bärtiger Student mit kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen, ohne Socken, aber mit einem großen Kopfhörer quasi als Kopfbedeckung. Das hat mich dann doch verblüfft, zumal wir noch lange in der Stadt den gleichen Weg hatten, er sich also keinesfalls gleich ins Warme verkroch. Was für ein wunderlicher Wikinger!

Man muss natürlich nie alles verstehen. So praktizierte neben dem Spektrum am späten Abend nach einem Handball-Tag eine Gruppe Männer eine Art Ritterspiel. Es war 22 Uhr, und sie rannten unter Bäumen mit ihren Schwertern herum, fochten.

Auch solche Szenen gehören zu dem liebenswerten, gemütlichen Städtchen Trondheim.

Udo Schöpfer
Udo Schöpfer
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