Eiskunstlauf RHEINPFALZ Plus Artikel Geht die Party weiter? Paarläufer feiern Weltmeistertitel

Ein weiterer Traum erfüllt sich: DIe Paarläufer Minerva Hase und Nikita Volodin sind Weltmeister.
Ein weiterer Traum erfüllt sich: DIe Paarläufer Minerva Hase und Nikita Volodin sind Weltmeister.

Der Medaillensatz ist voll: Nach Bronze und Silber haben Minerva Hase und Nikita Volodin aus Berlin WM-Gold gewonnen. Hören sie nun auf oder lockt noch Olympiagold?

Am liebsten würde sie nur auf und ab hüpfen: Minerva Hase kann es auf dem Siegertreppchen in Prag kaum abwarten, ihre Goldmedaille zu feiern. Schließlich erfüllt sich damit nach Olympiabronze ein weiterer Traum – als Weltmeisterin aufzuwachen. Für Eiskunstlaufverhältnisse als Spätzünderin, nicht als Wunderkind.

„Ich habe ja früher nie etwas gewonnen“, hat die 26-Jährige am Abend zuvor erklärt, warum sie besonders ihren eisernen Willen, die harte Arbeit und ein Trainerteam, das an sie glaubt, für ihren Erfolg verantwortlich macht. 2019 war sie erstmals deutsche Meisterin geworden, mit Nolan Seegert noch, von dem sie sich 2022, nach dem enttäuschenden Olympiaplatz 16, getrennt hatte. Ganz im Vertrauen auf ihren russischen Trainer Dmitri Savin, der ihr prompt den in Russland sozusagen ausgemusterten Nikita Volodin als neuen Partner vorschlug.

Diesmal besonders expressiv: Mit einem fehlerfreien Tango-Kurzprogramm waren Minerva Hase und Nikita Volodin in die WM in Prag g
Diesmal besonders expressiv: Mit einem fehlerfreien Tango-Kurzprogramm waren Minerva Hase und Nikita Volodin in die WM in Prag gestartet.

Und die groß gewachsene Berlinerin und der ehrgeizige Gleichaltrige aus St. Petersburg harmonierten sofort. Wobei Minerva Hase einräumt, dass sie sich auch mal streiten. Und dass oft gerade sie mit Nervosität zu kämpfen hat, besonders in dieser langen Olympiasaison.

Doch in Prag hat die Berlinerin von Beginn an gelöst gewirkt, ist gar vor dem Tango-Kurzprogramm lachend aufs Eis gegangen. „Sonst habe ich meistens in der Woche vor dem Wettkampf einen Nervenzusammenbruch, aber diesmal war die Vorbereitung fast schon entspannt“, sagt sie.

Ihr Markenzeichensind starke Hebungen: Minerva Hase und Nikita Volodin in der WM-Kür in Prag.
Ihr Markenzeichensind starke Hebungen: Minerva Hase und Nikita Volodin in der WM-Kür in Prag.

„Konzentrieren, fokussieren – und Spaß haben“, sei ihr WM-Ziel gewesen. Obwohl nach WM-Bronze in der ersten gemeinsamen Saison und WM-Silber im Vorjahr der Titel „schon im Kopf herumgespukt hat“.

Ursprünglich sei die Saison aber ganz auf Olympia zugeschnitten gewesen. „Ich dachte, damit ist dann Schluss. Aber wir haben uns so gut in Form gefühlt, dass wir unbedingt auch die WM laufen wollten“, sagt Nikita Volodin. Und deutet damit dezent ein mögliches Karriereende an.

Dramatischer Auftakt: Die Kür von Minerva Hase und Nikita Volodin erzählt von Zweifel und einem Happy-End.
Dramatischer Auftakt: Die Kür von Minerva Hase und Nikita Volodin erzählt von Zweifel und einem Happy-End.

Offiziell aber möchten die Läufer noch nicht sagen, wie sie ihre Zukunft sehen, auch wenn ihr Berliner Trainer Knut Schubert definitiv in Rente geht. Erst einmal stehe nun Holiday On Ice an. Und ein Bundeswehrlehrgang für Sportsoldatin Hase. Vielleicht möchte sie aber auch wie ihr Vorbild Aljona Savchenko weitermachen, bis es doch Olympiagold wird. Savchenko selbst, die sich bisher eher erfolglos als Nachwuchstrainerin im In- und Ausland versuchte, war diesmal rein als Gast bei der WM – ebenso ihr Olympiagoldtrainer Alexander König. Eine heimische Paarlaufschmiede gibt es damit im Grunde nicht mehr.

Doch ist dank Hase/Volodin Eiskunstlauf wieder populärer geworden. Helfen mögen auch die neuen Marketingstrategien der Verbände, der Deutschen Eislauf-Union und der International Skating Union: Sie setzen auf Social Media-Kurzvideos und Partyatmosphäre bei Wettbewerben, mit lauter Musik, Lichteffekten und Live-Interviews. Die Prager Arena mit 14.000 Plätzen ist mehrfach ausverkauft, deutsche Fahnen dominierten bei der Paarlaufentscheidung. „Ich habe noch nie ein so lautes Publikum erlebt, ich konnte unsere Musik kaum hören“, ist Hase überwältigt von der Resonanz. Sie sieht sich auch als Botschafterin für ihren Sport, möchte dazu beitragen, ihn wieder beliebter zu machen. Da würden weitere Medaillen helfen. „Wir haben gezeigt, dass wir Druck standhalten können“; nimmt sie als wichtigste Lektion der WM nun mit, nachdem bei der Olympiakür die Nerven ihr noch versagten. Das klingt nun nicht nach Abschied. Aber vier weitere Jahren erfordern eben nochmals viel harte Arbeit.

Mit neuer persönlicher Bestnote gewannen Minerva Hase und Nikita Volodin den Weltmeistertitel in Prag.
Mit neuer persönlicher Bestnote gewannen Minerva Hase und Nikita Volodin den Weltmeistertitel in Prag.
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