Streitfall RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball-WM alle zwei Jahre – ist das überhaupt eine Diskussion wert?

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Ist die Fifa zu weit gegangen? Ein Gremium des Fußball-Weltverbandes hat eine Idee ausgearbeitet, nach der bald alle zwei statt wie bisher alle vier Jahre ein Weltmeister gekürt wird. Ist der mediale Aufschrei aus Deutschland und Europa berechtigt, würde die Idee der Fifa „den Fußball töten“, wie Uefa-Präsident Ceferin sagt? Zwei Meinungen.

PRO

Von Michael Wilkening

Vielleicht liegt irgendwo in der Uefa-Zentrale eine Dienstvorschrift mit dem Titel „Vorgehen beim Vorschlag der Fifa, die WM alle zwei Jahre auszutragen“. Lennart Johanssons Reaktion auf einen Vorstoß von Sepp Blatter ähnelte frappierend dem von Aleksander Ceferin vor ein paar Tagen. Ein Boykott wurde angedroht, auf die Belastung für die Spieler verwiesen und erklärt, dass mit einer Änderung des Wettbewerbformates gegen die „Prinzipien des Fußballs verstoßen“ würde. Die Aussagen von Ceferin im Jahr 2021 und Johannsson (1999) sind beinahe wortgleich.

Zur Einordnung: Seit 1999 hat die Uefa (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Teilnehmerzahl bei der EM ausgeweitet, den Champions-League-Modus drei Mal verändert, den Europapokal der Pokalsieger abgeschafft, die Europa League umgestaltet, eine Conference League geschaffen und eine Nations League gegründet. Wandel durch Veränderung ist das Motto und: mehr Einnahmen durch mehr Spiele. Wenn die Europäer der Fifa jetzt eben das vorwerfen, ist das heuchlerisch.

Heuchlerisch ist ebenso, dass die selben Topklubs ihre Sorge um die Überbelastung ihrer Stars in Stellungnahmen verbalisieren, die mit ihren Teams im Sommer durch die Welt touren, um Märkte und Einnahmen zu generieren, anstatt den Akteuren die Möglichkeit zu geben, sich auf eine neue Spielzeit vorzubereiten.

Es geht in dem Milliardengeschäft allen Beteiligten darum, die eigene Position zu stärken und noch mehr Geld zu verdienen. Die Fifa ist nicht besser als die Uefa, aber auch nicht schlechter, die Ligen und Klubs haben ihre finanziellen Interessen im Blick. Genauso ergeht es übrigens auch den Kontinentalverbänden in Asien oder Afrika. Die erlösen mit einer WM viel mehr Geld für ihre Mitgliedsverbände als mit einer Kontinentalmeisterschaft. Es ist arrogant, das nicht in die Bewertung mit einfließen zu lassen.

An die Stammtische hierzulande, an denen jetzt (zum Glück) wieder diskutiert werden kann: Welcher Fußballfan verzichtet darauf, den Fernseher einzuschalten, wenn die deutsche Mannschaft 2028 das Halbfinale erreicht hat und auf Argentinien trifft? Wer sagt: Nö, ohne mich, alle zwei Jahre ist mir das zu viel? Eben!

CONTRA

Von Udo Schöpfer

Erst die (kurze, aber heftige) Debatte um die europäische Super League im Vereinsfußball, jetzt der Alptraum mit Fußball-Weltmeisterschaften alle zwei Jahre – uns bleibt aber auch wirklich nichts erspart. Die Lage ist ernst, ganz sicher.

Weltmeisterschaften alle zwei Jahre – nein danke!

Die Bundesliga hat sich klar positioniert. Die Klubs sind geschlossen gegen den Vorschlag der Fifa mit ihrem Vordenker Arsène Wenger. Die Idee ist irre. Das Motto „Höher, weiter, schneller“ funktioniert nicht mehr. Das System Fußball ist doch schon ausgelaugt, das System ist längst an seine Grenzen gekommen. Den Spielern ist nicht mehr zuzumuten. Eine WM alle zwei Jahre würde den Stress immens erhöhen. Atemlos durch den Terminkalender. Es wurde doch schon alles aufgebläht, was nur ging, zuletzt die Qualifikationen für die großen Turniere. Man schaue sich nur die Gegner der deutschen Elf in der WM-Gruppe J an. Armenien, Liechtenstein, Nordmazedonien.

Was haben wir alles gehört zu Beginn der Pandemie! Von einer neuen Einheit war die Rede, von einer tiefgreifenden Demut, von einer starken Solidarität. Das waren Sonntagsreden. Nichts ist davon geblieben! Die Fifa geht stramm auf Konfrontationskurs zur Uefa, der Europäischen Fußball-Union.

Bescheidenheit? Die Maschinerie läuft auf Hochtouren, die Superstars werden mit Top-Gagen geködert. Real Madrid war bereit, eine Unsumme für Kylian Mbappé zu berappen. Das Wetteifern um Erling Haaland hat im Hintergrund schon begonnen.

Weltmeisterschaften sind ein Premiumprodukt, aber sie sind so wertvoll, weil sie rar sind, eben nur alle vier Jahre stattfinden. Wer wurde denn Handball-Weltmeister 2009? Wer wurde denn Eishockey-Champion 2014? Eben. Aber den Moment, als André Schürrle die Vorlage zum Tor von Mario Götze gab, den vergisst man einfach nicht so schnell. Genauso wenig wie beispielsweise den Aussetzer von Zinedine Zidane im Finale 2006. Noch ein Turnier und noch ein Turnier: Welcher Sponsor hat schon Interesse an einer mittelmäßigen Veranstaltung? Dem Fußball droht Ungemach. Die europäischen Klubs müssen stark bleiben.

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