FCK
Fußball: FCK-Stürmer Bjarnason probiert in der Pause alles, um Versprechen einzulösen
Optimistisch bleiben. Es hilft ja alles nichts, gerade in diesen Zeiten voller Einschränkungen und Sorgen ob der kaum absehbaren Folgen der Coronavirus-Pandemie. Für Andri Bjarnason gilt das ganz besonders und unabhängig von der Corona-Krise. Der Stürmer ist selbst alles andere als zufrieden mit den letzten neun Monaten in seinem Beruf als Fußballprofi beim 1. FC Kaiserslautern. Als der dem FCK seit Jahren fehlende Spielertyp „Knipser“ ist der Isländer im Sommer 2019 verpflichtet worden. Er sollte als 1,93 Meter großer, erfahrener Angreifer helfen, das chronische FCK-Problem mangelnder Chancenverwertung zu beheben.
Die Daten sprachen für den am 12. November 1990 in Bolungarvik geborenen Isländer: Bei seinem damaligen Klub Grindavik war er mit 19 Treffern in 22 Spielen isländischer Torschützenkönig. Im Januar 2018 wechselte der fünfmalige Nationalspieler nach Schweden. Prompt schoss er als Torschützenkönig der zweiten schwedischen Liga (16 Treffer in 28 Spielen) den Traditionsklub Helsingborgs IF wieder ins Oberhaus.
Mitten in der nach Kalenderjahr ausgespielten schwedischen Erstliga-Runde erfüllte sich der große blonde Isländer mit dem Transfer zum FCK für 190.000 Euro Ablöse plus erfolgsabhängige Zahlungen einen Kindheitstraum. Er wollte schon immer in Deutschland spielen. Der Start in der Sommervorbereitung war passabel, in den Testspielen deutete er Knipserqualitäten an. Im Nachhinein, nun rund neun Monate später, erachtet er den Schritt mitten in der schwedischen Saison hinein in die Sommervorbereitung eines deutschen Drittligisten als „schwierig“. Der Rhythmuswechsel und die beim FCK vor allem in der Vorbereitung viel höhere Trainingsintensität seien für ihn nicht einfach gewesen, erzählt der Isländer jetzt im halb auf Deutsch, halb auf Englisch geführten Telefongespräch mit der RHEINPFALZ.
Ein Stürmer im Teufelskreis
Bjarnasons Problem: Nach dem dritten Saisonspiel war er verletzt, Muskelbündelriss. Danach kam er nicht in Tritt. Ein Teufelskreis. „Verletzt, krank, verletzt, krank, drei gute Trainingseinheiten, krank. Das war meine Zeit bisher in Kaiserslautern“, sagt er mit einem großen Bedauern in der Stimme. Acht Kurzeinsätze an den bisher 27 Spieltagen stehen in der Dritten Liga zu Buche. Torlos. Trostlos.
Nun ruht der Ligabetrieb bis mindestens 30. April, Mannschaftstraining ist nach jetzigem Stand erst etwa zehn Tage vorher wieder geplant. Bjarnason ist fest entschlossen, die Corona-Krise als Chance zu sehen, um sich topfit zu arbeiten. „Fit werden, längere Zeit verletzungs- und krankheitsfrei bleiben und sich so im Training das Selbstbewusstsein zurückholen. Das hat mir auch Trainer Boris Schommers gesagt“, betont Bjarnason mit Blick auf seine Ziele für die kommenden, ohnehin für alle ungewissen Wochen und Monate. „Mit dem Selbstbewusstsein kommen die Tore und umgekehrt“, sagt der fünfmalige isländische Nationalstürmer.
Mit seiner Frau Helga und dem zehn Monate alten Söhnchen Marinó lebt er in einer Wohnung mit Terrasse und kleinem Garten nicht weit vom Stadion weg. Für das sechsmal pro Woche rund einstündige Laufprogramm, mal eher Dauerlauf, dann mit Sprint-Intervallen, das das Trainerteam den Profis mit in die formell 50-prozentige Kurzarbeit gegeben hat, geht Bjarnason stets in den nahen Wald. „Ich kenne jeden Waldweg hier in der Gegend in- und auswendig. Und ich kenne alle Tiere rund um den Wildpark Betzenberg beim Vornamen“, erzählt der 29-Jährige lachend. Dazu kommt täglich noch mal rund eine Stunde verordnetes Fitnesstraining. Mit diversen zusätzlichen Übungen kommt Bjarnason wie seine Profikollegen vom FCK auf etwa drei Stunden Training täglich in der Corona-Heimarbeit. Zudem setzt Bjarnason auf die Beratung durch den in der Fußball- und E-Sport-Szene bekannten Sportpsychologen Fabian Broich, zurzeit via Internet und Telefon.
„Ich will stärker zurückkommen“
„Ich will stärker aus der Krise zurückkommen“, sagt Bjarnason, dessen Eltern, Schwester und Bruder in der Heimat leben. „In Island ist jetzt alles runtergefahren wie hier. Auch Ausgangsbeschränkung.“ Kontakt auf die Insel hält Bjarnason per Telefon und Skype. Und per Playstation. Mit Bruder Ottar (36) kommuniziert Bjarnason über die Spielkonsole via Internet. Andri in Kaiserslautern, Ottar in Island. „Oft spielen wir dann gar nicht richtig, sondern wir nutzen die Chatfunktion der Playstation und reden“, erzählt Andri Bjarnason. Ähnlich sei es mit vielen seiner Freunde aus Island. Über die Headsets, die Mikrofone mit Kopfhörer, sprechen sie dann viel eher, als dass sie eine Spielegruppe im eigentlichen Sinn bilden.
Das Söhnchen wird ungeduldig
So hält es der 29-Jährige auch mit Ex-Kollegen in Schweden, wo die Anti-Corona-Maßnahmen längst nicht so streng sind wie in Island oder Deutschland, sondern wo die Krise eher durch Ratschläge gemanagt wird. Es ist ein interessantes Gespräch mit dem großen Pechvogel der nun jäh unterbrochenen FCK-Saison. Das um 18 Uhr begonnene Telefonat mit dem isländischen Stürmer endet um 18.40 Uhr. Jetzt wird Söhnchen Marinó langsam ungeduldig. „Er bekommt Hunger und sieht, dass ich immer noch telefoniere“, sagt der FCK-Profi lachend. Es wird Zeit fürs Abendessen im Hause Bjarnason.
