Handball
Filip Jicha: Ich hatte keinen Zweifel
Herr Jicha, Sie arbeiten nun rund vier Wochen auf der anderen Seite: Wie ist es für Sie persönlich?
Vier Wochen sind es jetzt als Cheftrainer. Aber ich durfte ja auch schon in der vergangenen Saison als Co-Trainer von Alfred Gislason Verantwortung übernehmen, habe eigene Bereiche bearbeitet. Und auch zuvor in Barcelona war ich aufgrund meiner Verletzungen ja oft an der Seitenlinie aktiv. Die Umstellung ist also nicht groß.
Die Testspielergebnisse sind glänzend, ihr Team hat Barcelona und Paris geschlagen, wie zufrieden sind Sie mit dem Stand der Dinge?
Ich bin zufrieden mit dem, was meine Spieler in der Vorbereitung geleistet haben. Die Testspiel-Ergebnisse darf man dabei nicht überbewerten, weil der Stand der Vorbereitung bei allen drei Mannschaften ein unterschiedlicher ist. Mir kommt es auf die Entwicklung meiner Mannschaft an.
Jicha: Gehe konsequent meinen eigenen Weg
Wie sieht der Handballstil des Trainers Filip Jicha aus?
Ich habe meine Vorstellungen, wie man beispielsweise die zweite Welle ein bisschen anders spielen kann. Diese Vorstellungen muss ich nun den Spielern vermitteln. Ich will ihnen die Möglichkeit geben, kreativ zu sein. Ich bin dankbar für alles, was ich als Spieler von herausragenden Trainer-Persönlichkeiten wie Noka Serdarusic, Xavi Pascual und Alfred Gislason lernen durfte. Ein bisschen von allen fließt in meine tägliche Arbeit ein, aber ich gehe konsequent meinen eigenen Weg.
Wie wichtig ist es, dass Sie mit Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek den vermutlich besten Innenblock der Liga haben?
Beide sind für jede Mannschaft der Welt eine Bereicherung. Mit Pavel Horak haben wir jetzt einen erfahrenen Spieler dazu bekommen, der beide entlasten und für eigene Akzente sorgen kann.
Die Löwen haben sich verstärkt, Meister SG Flensburg ist nach der Zäsur erstaunlich konstant, Magdeburg will es wissen: Wie sehen Sie die Situation an der Spitze?
Wenn ich einen Titelfavoriten nennen muss, wäre dies die SG Flensburg-Handewitt. Sie ist nicht umsonst zweimal in Folge Meister geworden, und es wäre respektlos, sie bei dieser Frage nicht zu nennen. Mit den genannten Mannschaften, uns, Melsungen und den Füchsen Berlin gibt es sechs richtig starke Mannschaften, die im oberen Drittel alle angreifen wollen.
Sein Bauchgefühl sagt sofort ja
Wie lange mussten Sie überlegen, um das Angebot des THW Kiel anzunehmen?
Nicht lange. Mein Bauchgefühl hat sofort „ja“ gesagt. Wichtig war mir aber, dass auch meine Familie das möchte. Als sie dann sagten, dass sie mich begleiten wird, war klar: Das ist es, was ich will.
Gab es Zweifel?
Nein. Wenn ich Zweifel gehabt hätte, hätte ich die Aufgabe nicht angenommen. Ich gehe diese mit viel Demut an, habe einen Riesenrespekt vor der Aufgabe. Aber gezweifelt habe ich nie.
War es eine Alternative, etwas kleiner anzufangen und einen weniger erfolgreichen Klub zu trainieren?
Ich habe als Spieler meine schönsten Jahre mit dem THW Kiel erlebt und für diesen Verein meine Gesundheit geopfert. Der THW Kiel ist eine Herzensangelegenheit für mich.
Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt: Alfred Gislason? Noka Serdarusic oder Xavi Pascual in Barcelona?
Alle Trainer haben mich auf ihre Art beeinflusst. Eine Art „Ranking“ bei diesen Trainergrößen aufzustellen, würde ihnen und ihrer Leistung für den Handball insgesamt nicht gerecht.
Mit dem einen oder anderen Kieler haben Sie noch zusammengespielt. Ist das ein Problem? Oder sogar ein Vorteil?
Weder noch. Ich spüre einen großen Respekt von meinen Spielern. Und sie wissen, was ich von ihnen verlange: Disziplin, Fleiß und den Willen, immer alles für den Verein zu geben. Der THW Kiel steht über jedem einzelnen von uns.
Es ist modern, dass Mannschaften sich intern auf ein Saisonziel verständigen. Was hat der THW diese Saison vor?
Ich möchte, dass wir uns als Mannschaft durch harte, intensive Arbeit in die Lage versetzen, um das Maximale spielen zu können. Das ist der Anspruch, den der THW Kiel seit mindestens zwei Dekaden hat.