Handball
Eyub Erden will noch Meister werden, ehe er geht
„Die Gespräche vor dem Spiel, nach dem Spiel, in der Kabine, das wiederholt sich“, bemerkt Erden so, als sei es langweilig geworden. 2017 war er zum TSV Kandel gekommen, zum ersten Mal trainierte er eine Frauenmannschaft. Er wollte sie zu einer Marke machen: schneller Angriff, offfensive Abwehr. Er hat es geschafft. „Jeder schwärmt von unserem Tempospiel“, stellt Erden fest. Mit der Abwehr ist er in dieser Runde nicht zufrieden. Für 247 Gegentore in neun Spielen, die keine Rolle spielen, weil die Mannschaft 327 Tore geworfen hat, hat er eine Erklärung: Christine Kappes (Kreuzband-OP), Lea Stoffel (wieder in Dänemark) und Carla Schmitt (Studium), drei Spielerinnen, die vorgezogen im 3-2-1 verteidigen sollten, fehlen. Ausnahmsweise wird Schmitt heute wieder aushelfen.
„In der Vorbereitung war mir schon klar, dass es meine letzte Runde ist“ in Kandel, sagt Erden. Da sind ihm Nachlässigkeiten aufgefallen.
Im März 2018 wollte er schon mal aufhören
Jetzt erst hat die Mannschaft von seinem Entschluss erfahren. Wie hat sie reagiert? So wie im März 2018, als er aufhören wolle, weil nur sieben Spielerinnen im Training waren? Er könne seine Handschrift nicht erkennen, hatte Erden reklamiert. Er ließ sich von der Mannschaft überreden, machte weiter in der Dritten Liga.
Einige seien traurig, einige geschockt gewesen, einige hätten versucht, ihn umzustimmen. „Es ist mehr das Gefühl, jetzt muss ein Wechsel her“, sagt der Mann mit der A-Lizenz, der sich vor über 20 Jahren ein Haus in Germersheim gebaut hat. Zwei der drei erwachsenen Söhne sind in Stuttgart, einer studiert, einer ist Webdesigner. Der Jüngste macht eine Ausbildung. Die Kinder haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Er hat sie nicht? „Es hat sich nie ergeben“, sagt ihr aus der Türkei stammende Vater.
Offenbachs ersten Sieg in Haßloch genossen
2003 stieg er vom Co- zum Cheftrainer beim TV Offenbach auf, der in der Regionalliga spielte. In diese Zeit fällt sein schönster Erfolg: Der erste Sieg des TVO, der zu Hause immer eine volle Halle hatte, in Haßloch. „Das habe ich genossen.“ Die schmerzlichste Niederlage? Er war vom TV Hochdorf in die Zweite Liga zur HG Oftersheim/Schwetzingen gewechselt, verlor ein Auswärtsspiel in Balingen mit über 40 Gegentreffern: „Damit habe ich ziemlich zu kämpfen gehabt.“ Schwer mitgenommen hat ihn vor allem Corona: „Du kannst nichts mehr planen. Obwohl wir alle geimpft sind, weiß ich nicht, ob wir in drei Wochen noch spielen können.“
„Ich mach’ auch mal Pause“
2018 zog sich Kandel freiwillig aus der Dritten Liga zurück, spielte danach in der Pfalzliga. Beim Saisonabbruch 19/20 nach dem 20. Spieltag wegen Corona war die Mannschaft Zweiter der Oberliga. Erden möchte als Oberliga-Meister gehen. Und weiß jetzt schon, dass er die Mannschaft vermissen wird. Hat er einen Plan für den Sommer 2022? „Seit 26 Jahren trainiere ich durch, meist zwei Mannschaften. Wenn sich nichts findet, mach’ ich auch mal Pause.“ Sein Nachfolger hat es in Kandel am Anfang wohl leicht. Erden: „Die Spielerinnen wissen genau, wer was macht. Der Trainer muss sie einfach spielen lassen und für gute Laune sorgen. Den Rest machen die Mädels.“