FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Emotionales Nervenspiel gegen Halle: Auch der Arzt ist außer sich

Emotion pur am „Betze“: FCK-Trainer Marco Antwerpen.
Emotion pur am »Betze«: FCK-Trainer Marco Antwerpen.

Nach der spektakulären Reaktion in Unterzahl gegen den Halleschen FC muss Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern im Abstiegskampf am Mittwoch gegen Zwickau nachlegen. Emotionen und ein lautes Geisterspiel mit ungewöhnlichen Szenen machen dem FCK Mut.

Der Schock kam nach gut einer Stunde Spielzeit. Schiedsrichter Michael Bacher zeigte Kenny Prince Redondo wegen Reklamierens die Gelb-Rote Karte (61.). Der 1. FC Kaiserslautern spielte bei verdienter 1:0-Führung nur noch zu zehnt, und Terrence Boyd, mit kleinem Muskelfaserriss zuletzt angeschlagen, erzielte knapp drei Minuten nach seiner Einwechslung das 1:1 (64.). Der Hallesche FC war wieder gut dabei, der FCK brauchte etwas, um den neuen heftigen Rückschlag im Abstiegskampf zu verdauen.

Ein superlautes Geisterspiel

In der 81. Minute dann folgte die Szene, die die von Sportchef Thomas Hengen geforderte Initialzündung war: Verteidiger Kevin Kraus, der Mann für die ganz wichtigen Tore, erzielte mit einem platzierten Kopfball das 2:1. Es wurde superlaut im fast menschenleeren Fritz-Walter-Stadion. „Alle Mann auf dem Platz, neben dem Platz, auf der Bank, auf der Tribüne haben eine Körpersprache an den Tag gelegt. Motto: Egal was passiert, wir werden den Platz als Sieger verlassen“, sagte FCK-Kapitän Jean Zimmer. „Das war sehr, sehr wichtig. Ein brutales Zeichen.“ Kurios: Mannschaftsarzt Harald Dinges regte sich so lautstark auf, dass er die Gelbe Karte sah.

Es war womöglich auch längerfristig ein sehr heilsamer Schock. Schon am Mittwoch (17 Uhr, Magenta Sport, Liveblog auf rheinpfalz.de) geht es für die Roten Teufel weiter mit der angepeilten Aufholjagd im Abstiegskampf: Der FSV Zwickau gastiert zum Nachholspiel am „Betze“.

Kevin Kraus geht voran und trifft

„Man hat an der Jetzt-erst-Recht-Reaktion gesehen, dass der Charakter der Mannschaft stimmt. Jetzt wollen wir am Mittwoch gegen Zwickau natürlich weitere drei Punkte holen“, sagte Kraus, der wegen der fünften Gelben Karte allerdings dann gesperrt fehlt. Der erfahrene Innenverteidiger ging dabei im wahrsten Sinne des Wortes voran mit seinem Kopfball nach Zimmer-Flanke zum wichtigen 2:1 nach den Rückschlägen Platzverweis und Gegentor. „Ein emotionales Spiel, es wurde sehr viel geredet, sehr viel gekämpft. Wir hatten auch spielerisch richtig gute Phasen drin“, sagte Kraus. Der Höhepunkt in dieser Hinsicht: das 3:1 Philipp Herchers (90.). Vorangegangen war ein Doppelpass Marlon Ritters mit Felix Götze. Götze brachte merklich Kultur ins Spiel seines Teams. „Das sind Spiele, die den Fußball ausmachen“, sagte die 23 Jahre alte Mittelfeld-Leihgabe von Bundesligist FC Augsburg.

Götze ergänzte sich auf der Sechserposition in Doppelvariante mit Tim Rieder prima. „Ich glaube, Felix und ich haben es ganz gut gemacht“, meinte Rieder, „Bälle verteilen, Zweikämpfe gewinnen, das ist eigentlich ja auch meine Position.“ Unter Trainer Antwerpen hat Rieder zuvor in der Innenverteidigung gespielt.

Marvin Pourié findet Torriecher wieder

Stürmer Marvin Pourié (28.), Schütze des 1:0 – sein erster Treffer seit 23. Januar –, sprach von der „Magie“ des Betzenbergs, die wieder zu spüren gewesen sei. „Jeder hat für diesen Sieg von der ersten Minute an gefightet, ich bin selbstkritisch, es ist Luft nach oben“, sagte Marvin Senger, der an der Seite Kraus’ in der Innenverteidigung spielte, anfangs einige Male „schwamm“, sich aber enorm steigerte. Der 21-Jährige nötigte Halles Torjäger Boyd Respekt ab. „Ich glaube, Senger heißt er, er hat gut geklärt“, sagte der HFC-Stürmer, der auf dem Weg zum 2:1 (66.) war, was ihm der 1,93 Meter große Senger in Zusammenarbeit mit Torwart Avdo Spahic verdarb.

Wohl noch fünf Siege in neun Spielen nötig

Senger und Götze, die beiden Last-Minute-Transfers im Winter, Trainer Antwerpens Wunschspieler. „Ich glaube, man hat heute gesehen, warum wir sie geholt haben“, sagte Antwerpen. „Das sind junge Spieler, die gierig sind, zu spielen.“ Apropos Gier: „Wir werden uns nicht zurücklehnen“, betonte Antwerpen, „wir geben weiter Gas.“ Neun Spiele hat der FCK noch zu absolvieren, vier Punkte beträgt der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. „Man muss weitermachen“, betonte Pourié. „Nicht nachlassen.“ Nächste Chance auf einen von noch wohl fünf bitter nötigen Siegen: das Heimspiel am Mittwoch gegen Zwickau.

Bangende FCK-Fans vor den Stadiontoren beim wichtigen Geisterspiel.
Bangende FCK-Fans vor den Stadiontoren beim wichtigen Geisterspiel.
Platzverweis wegen Meckerns: Kenny Prince Redondo.
Platzverweis wegen Meckerns: Kenny Prince Redondo.
Lauterer Jubel.
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Kampfspiel.
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Mutmacher: die Fan-Plakate in der Westkurve.
Mutmacher: die Fan-Plakate in der Westkurve.

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