Ringen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Jahr ohne Wettkämpfe – für Denis Kudla ein Sch...jahr

Denis Kudla (rechts) auf dem Weg zu WM-Bronze gegen Mikalai Stadub ...
Denis Kudla (rechts) auf dem Weg zu WM-Bronze gegen Mikalai Stadub ...

Ein ganzes Jahr ohne ein einziges Mattenduell – Denis Kudla bringt die Auswirkungen der Pandemie ohne Umschweife auf den Punkt: ein Sch...jahr. „Eine so lange Auszeit hatte ich noch nie“, sagt der Ringer aus Schifferstadt. Doch seine professionelle Einstellung lässt nur den sturen Blick nach vorne zu. Er ist bereit für Tokio – dann halt 2021.

Karl Geiger gewinnt zwischen den Jahren den Tourneeauftakt, der THW Kiel die Champions League, Gabriel Clemens die Sympathien der Dart-Fans. Und Denis Kudla? Er ist in diesen Tagen die Ruhe selbst. Seinen Geburtstag feierte er an Heiligabend wie immer im Kreise der Familie – 26 wurde der im polnischen Ratibor geborene Ringer. Das Silvestermenü bereitet er am Donnerstagabend mit seiner Freundin Simone Glenk, der Zweitligaheberin des KSC 07 Schifferstadt, in trauter Zweisamkeit zu. Das Virus lässt ja keine Knallerei zu, aber Kudla ist eh nicht der Party-Typ. „Weißt du doch“, sagt er grinsend und genießt Weihnachtsplätzchen. „Sie riechen verführerisch. Jetzt gönne ich mir als mal eines. Ist ja auch für den Kopf gut“, sagt er.

Nicht mal in der Bundesliga auf der Matte

Stressfrei regenerieren und erst 2021 durchstarten – das ist der Plan. „Gleich im Januar beginnt die Vorbereitung auf Tokio“, versichert Kudla. Er hätte die Chance gehabt, vom 12. bis 18. Dezember beim „Individual World Cup“ des Verbandes United World Wrestling in Belgrad teilzunehmen. Doch Kudla lehnte ab und sagte sich: Wenn schon Zwangspause, dann richtig und sinnvoll durchdacht. „Vom Kopf her wusste ich, das wird nichts Richtiges. Ich wollte mich nicht intensiv vorbereiten, wollte mir den Stress nicht geben. Ich setze lieber aufs neue Jahr“, begründet der Bundesligaringer des SV Alemannia Nackenheim, für den er 2020 ja auch nicht auf die Matte ging. „Ich war für Einsätze in der Rückrunde vorgesehen, aber dann ist die gesamte Bundesliga zusammengebrochen“, erzählt er, „das war wegen der fehlenden Wettkampfpraxis richtig schade“. Immerhin: Er wird, auch wenn noch nichts unterschrieben ist, den Nackenheimern die Treue halten.

Bundesliga hin, Bundesliga her: Die Karriere des Olympiadritten von Rio de Janeiro und WM-Zweiten von Paris im Jahr darauf ist international ausgelegt. Denis Kudla träumt von Tokio. „Ich glaube, die Spiele werden auf jeden Fall stattfinden, möglicherweise als Geisterspiele. Vielleicht müssen wir zwei Wochen vorher anreisen oder müssen uns impfen lassen, müssen das aber in Kauf nehmen“, bleibt er realistisch.

„In Tokio wird schon was Schönes rauskommen“

Denis Kudla, der vor fünf Jahren bei den U23-Weltmeisterschaften seinen einzigen internationalen Titel gewann, ist ein extrem ehrgeiziger Athlet. Wer ihn kennt, weiß seinen Plan, und doch will er sich nicht verrückt machen, drückt sich vorsichtig aus: „Ich versuche, die Leistung von Rio zu bestätigen und zu toppen. Ich fahre locker da hin und versuche, viel Spaß zu haben. Wer verkrampft, bringt es nicht weit“, sagt er und hängt an: „Es wird schon was Schönes rauskommen.“

Körper geschont, Geist geschult

Sehr lange schon ist der Griechisch-Römisch-Ringer in der Klasse bis 87 Kilogramm im Geschäft, kennt alle seine Gegner, hat sie auch alle schon geschlagen. 2019 gewann er dreimal Bronze, zuerst bei der EM in Bukarest, dann bei der WM in Nur-Sultan (Kasachstan) und letztlich bei den Militär-Weltspielen in Wuhan. Doch dann folgte statt des Olympiajahres für ihn ein sportliches Null-Jahr. Sechs Wochen im Frühjahr überhaupt kein Mattentraining, denn gerade die Kontaktsportler waren extrem eingeschränkt. Kudla nennt es ein Dahinplätschern. Die Vorfreude aufs Training wuchs von Tag zu Tag. „Ich hatte genügend Zeit, dem Körper mal ein bisschen Ruhe zu gönnen, Bänder und Sehnen zu schonen, im Kopf klar zu werden. Ich konnte mir viele Gedanken machen, aber als Athlet willst du trainieren, willst du an die Grenzen gehen. Sonst nichts“, sagt Kudla. Trainingslager mit anderen Nationen, die sonst echt viel bringen, gab’s keine, am Olympiastützpunkt in Heidelberg aber ging es unter verschärften Bedingungen ganz gut voran – Mundschutz, desinfizieren, dieselben Trainingspartner, immer mal wieder ein Test. Jetzt muss es nur noch Januar werden.

 ... ein Schrei der Erlösung.
... ein Schrei der Erlösung.
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