Sport Doktor Schiwago hat Sorgen
Das war überraschend. Diese schwedische Akademie ... In Weißrussland lebt die 1948 in der Ukraine geborene, in russischer Sprache schreibende Swetlana Alexijewitsch, die für ihre dokumentarische Prosa, für ihre Essays und Kurzgeschichten 2015 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Darauf muss man erst einmal kommen. Den sehr erfolgreichen Wladimir Kaminer („Russendisko“) müssen wir außen vor lassen. Der in Moskau geborene Autor ist schon fast 30 Jahre deutscher Staatsbürger. Der Eindruck: Die Literatur Russlands schwächelt ein wenig. 2012 war Russland Ehrengast bei der Buchmesse in Frankfurt, viel hängen geblieben ist von dem Auftritt nicht. Am bekanntesten sind hierzulande vermutlich noch Ljudmila Ulizkaja und/oder Wladimir Sorokin. Die zeitgenössische Literatur Russlands ist wohl auch aufgrund der komplizierten politischen Großwetterlage derzeit nur schwer vermittelbar. Aber schauen wir doch zurück. Die russische Literatur hat uns eine Fülle von unvergesslichen Figuren geschenkt. Als da wären zunächst einmal Doktor Schiwago. Boris Pasternak hat den Roman geschrieben und dafür den Nobelpreis erhalten. Im Zentrum der Geschichte steht jener Mann, der im Titel genannt wird: Doktor Schiwago. Die Handlung setzt Anfang des 20. Jahrhunderts ein. Im Laufe der Jahre wird aus dem zaristischen Russland ein kommunistischer Staat. Schiwagos Leben verläuft alles andere als geordnet – nicht zuletzt wegen der politischen Wirren. Auch die Liebe ist nicht planbar. Er steht zwischen zwei Frauen, zwischen Tonja, die er von klein auf kennt und später heiratet, und Lara, in die er sich leidenschaftlich verliebt und mit der er glückliche Tage im Ural verlebt. Aber Doktor Schiwago kann das Glück nicht festhalten. Sehr populär war auch bei uns die Verfilmung des Romans mit Omar Sharif, Julie Christie und Geraldine Chaplin, flankiert von der Musik Maurice Jarres. Lew Tolstoi hat uns (mindestens) zwei bedeutsame Werke geschenkt. Ach was, das sind zwei der größten Romane überhaupt: „Krieg und Frieden“ sowie „Anna Karenina“. „Krieg und Frieden“ ist ein schier überquellendes Historiengemälde während der napoleonischen Ära. Wer hier die russische Seele sucht, der wird sicher fündig. Von Anna Kareninas Irrungen und Wirrungen handelt der gleichnamige Romane, es geht um Ehe und Moral in der adligen russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Der Roman „Schuld und Sühne“ ist einer der bekanntesten Romane Fjodor Dostojewskis aus dem Jahr 1866. Ort der Handlung ist Sankt Petersburg im 19. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen wird die Geschichte des Mörders Rodion Romanowitsch Raskolnikow erzählt. Themen des Werks sind die Suche nach Moral und Gerechtigkeit sowie der Umgang mit Schuld. Anton Tschechow ist vor allem als Dramatiker durch seine Theaterstücke wie „Drei Schwestern“, „Die Möwe“ oder „Der Kirschgarten“ bekannt. Sie werden immer noch gerne gespielt. Mit seiner reservierten Art, Aspekte aus dem Leben und der Denkweise der Menschen in der Provinz darzustellen, avancierte Tschechow zu einem der profiliertesten Autoren der russischen Literatur. Von seinen Kurzgeschichten kam „Die Dame mit dem Hündchen“ bei uns in den achtziger Jahren noch einmal groß heraus – 1987 durch den Kinofilm „Schwarze Augen“ des Regisseurs Nikita Michalkow mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle. Und: „Die Toten Seelen“ von Nikolaj Gogol? Und „Väter und Söhne“ von Iwan S. Turgenjew? Und Maxim Gorkis Romane? Und da ist ja auch noch Vladimir Nabokov, der in Russland geboren wurde, später in die USA auswanderte. Nabokov ist mein Favorit, wenn diese persönliche Note hier gestattet ist. Er wurde in St. Petersburg geboren, lebte in Berlin, Paris, den USA und starb in Montreux. In den USA schrieb er seinen berühmtesten Roman, „Lolita“. Nabokov, ein glänzender Stilist, beschäftigt sich in seinem Werk mit Außenseitern aller Art. Hinreißend: der weltfremde Collegeprofessor „Pnin“.