Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenend-Kolumne: Extrawurst für den Profi-Fußball

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Dass heute der Vorhang für die Fußball-Bundesliga geöffnet wird, befremdet mich. Nichts ist mehr wie es einmal war. Wir reißen gerade unglaubliche Löcher in unsere Haushalte, die privaten wie die öffentlichen. Wir begehen ein gemeinschaftliches Finanz-Fiasko. Und dann kommen die Profi-Fußballer, die sich immer wieder gerne als Vorbilder darstellen lassen, und treten nicht nur den Ball, sondern auch die Solidarität mit Füßen. Wenn sich nicht jetzt etwas ändern soll, wann denn dann?

Ja, klar lieben sie ihren Beruf. Das sollen und dürfen sie auch. Es ist auch sehr beeindruckend, wie demütig die Vereine mit der Ausnahme-Situation umgehen. Wer auf dem Vereinsgelände steht und den Blick nach innen richtet, der sieht viele Menschen, die sich alle Mühe der Welt geben, um die Auflagen zu erfüllen. Doch wer sich umdreht und aus den Stadien raus in die Viertel der Städte und auf die Dörfer schaut, der könnte, wenn er wollte, so viele verzweifelte Menschen sehen, dass sich der Bundesliga-Neustart und damit eine Extrawurst eigentlich verbietet. Zumal die Geisterspiele auf Sand ausgetragen werden. Zu viele Corona-Infektionen würden das ehrgeizige Vorhaben scheitern lassen.

Vorbilder Subotic und Bell

Es ist schon so, wie es der Abwehrspieler von Union Berlin Neven Subotic formuliert hat: Es gibt in Sachen Vorbilder noch Luft nach oben. Der frühere Mainzer hat aber auch Recht, wenn er sagt, dass das alle angeht, die Vereine und die gesamte Gesellschaft. Der gebürtige Bosnier hat eine Stiftung, die in Äthiopien Brunnenbau-Projekte unterhält, um Menschen den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Neven Subotic ist nicht der einzige, der Gutes tut. Viele Profis engagieren sich. Es muss auch nicht gleich Afrika sein. Stefan Bell, der Mainzer Verteidiger, ist Vorsitzender seines Heimatvereins, dem FV Wehr in der Eifel, und hat dort im Sommer vergangenen Jahres geholfen, Pflastersteine zu verlegen. Da war keine Kamera. Er hat es gemacht – und in einer Presserunde erzählt, weil er danach gefragt wurde. An die große Glocke würde er es von sich aus nie im Leben hängen. Es muss ja auch nicht immer alles ans Licht der Öffentlichkeit. Und klar ist es auch so, dass die Fernseh-Fußballer dreimal überlegen müssen, was sie sagen. Darum sind sie auch nicht zu beneiden. Aber im Jahr seines 100. Geburtstags, der am 31. Oktober sein wird, sind die Tugenden eines Fritz Walter gefragt.

Abgehängte 3. Liga

Die einen dürfen ab heute, die anderen werden in einem Ping-Pong-Spiel aufgerieben. Als hätte der 1. FC Kaiserslautern nicht schon genug Sorgen, gestaltet sich die Terminfindung für eine mögliche Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen als äußerst schwierig. Organisations-Weltmeister sind wir in Deutschland nur dann, wenn genug Geld im Spiel ist? Oder bin ich jetzt nur böse, wenn ich das denke. Da sind wir wieder bei der Solidarität. In der Krise, auf die niemand, auch der Sport nicht, vorbereitet sein konnte, zieht der Bundesliga-Fußball sein Ding durch. Dritte Liga? Die findet eben nicht unter dem großen Schirm der Deutschen Fußbball Liga statt, sondern ist gehört seit der Gründung der DFL vor bald 19 Jahren unters Dach des DFB. Die Erst- und Zweitligisten sind kein elitärer Zirkel. Es gibt immer noch Ein- und Ausgangstüren. Aber die Coronakrise deckt die strukturellen Schwächen dieser fußballerischen Zwei-Klassen-Gesellschaft brutal auf.

Scheitern könnten alle. Und es ist auch niemand darum zu beneiden, dass er einen definitiven Saisonabbruch in Kopf durchspielen muss. Aber es gibt sehr viele Menschen, die von der Coronakrise wesentlich härter getroffen werden.

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