EM-Tagebuch
Die Welt ist manchmal ein Dorf
Die European Championships haben für mich mit einem Fehlstart begonnen. Wobei der Begriff im Bezug auf den Sport im Grunde falsch ist, denn bei einem Fehlstart läuft oder fährt der Athlet zu früh los. Für mich und die Mitfahrer im ICE nach München ging es hingegen mit 53 Minuten Verspätung auf die Strecke. Immerhin fuhr mein Zug, der Eurocity nach Mailand fiel komplett aus. Dass meine FFP2-Maske ausgerechnet in dem Moment riss, als ich das Zugteil betreten habe, nehme ich jetzt nicht als böses Omen, das wird Zufall gewesen sein. Ich habe zum Glück genügend Masken dabei.
Ich hoffe, es kommen keine weiteren Verzögerungen in den kommenden elf Tagen hinzu, außer vielleicht Verzögerungen der schönen Art, wenn es Wartezeit in der Mixed Zone gibt, dem Bereich, in dem Interviews geführt werden können, weil eine Sportlerin oder ein Sportler nach einem tollen Erfolg viele Interviews geben muss.
Plötzlich laufe ich einem Niederländer in die Arme
Nun gut, in München angekommen, lief hinsichtlich der Unterkunft alles glatt, keine Verspätungen, keinerlei Probleme, so dass ich mich optimistisch in Richtung U-Bahn aufmachte, um in den Olympiapark zu fahren. Allerdings kam ich nicht weit, denn nach zwei Ecken lief ich Jesper Verlaat in die Arme, den ich durch die zurückliegenden zwei Jahre gut kenne. Die Welt ist ein Dorf, dachte ich und sagte: „Das gibt’s doch wirklich nicht.“
Verlaat spielte beim SV Waldhof in der Dritten Liga, über den ich seit vielen Jahren für diese Zeitung berichte. Im Sommer wechselte er zum TSV 1860 München. Da sieht man sich normalerweise höchstens noch zwei Mal im Jahr, wenn die Waldhöfer auf die Sechzger treffen, aber weit gefehlt. Plötzlich stand der Lockenkopf aus den Niederlanden vor mir und wartete vor einem Lokal ganz in der Nähe des Viktualienmarktes auf ein paar Kollegen, um einen Happen zu sich zu nehmen.
Jesper will auch mal vorbeischauen
Gut gelaunt berichtete Jesper Verlaat mir von dem gelungenen Saisonstart mit dem TSV 1860, der alle drei Drittliga-Partien gewonnen hat und Tabellenführer ist. Vorerst hat sich der Wechsel für Jesper gelohnt, denn die Mannheimer sind auf dem vierten Rang – eine Momentaufnahme.
Nachdem ich ihm erklärt hatte, was mich nach München verschlagen hat, erzählte er mir, dass ein paar seiner Mannschaftskameraden am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier der Championships gewesen und begeistert waren. Er selbst will in den kommenden Tagen auch mal irgendwo vorbeischauen und die Atmosphäre genießen. Ich habe ihm nachdrücklich empfohlen, das zu tun.