Fussball
Die Verbandsliga startet zweigeteilt in die Saison
ASV Fußgönheim: Trainer Sari spürt Aufbruchstimmung
Beim ASV Fußgönheim gibt es wieder einmal einen totalen Neuaufbau. Nur sieben Akteure aus der vergangenen Runde sind geblieben, 24 Mann umfasst der neue Kader. Hinzu kommen einige Akteure, die für den Notfall bereitstehen. „Wir haben eine gute Mannschaft und auf einigen Positionen richtigen Konkurrenzkampf. Deshalb ist mir nicht bange“, sagt der neue Trainer Ediz Sari. Mit dem 51-jährigen Übungsleiter ist der Großteil der Mannschaft des künftigen Ligarivalen Phönix Schifferstadt nach Fußgönheim gewechselt. Einige Akteure sind körperlich noch nicht in bester Verfassung und müssen die Rückstände aufarbeiten. Das wurde beim mit 2:0 gewonnenen Verbandspokalspiel gegen Phönix Schifferstadt vor einer Woche deutlich. Neuverpflichtungen wie der spielende Co-Trainer Pietro Berrafato, Talha Demirhan, Christian Heil, Ismail Imre, Denis Jolic, Niko Pavic oder Nauwid Amiri, Bruder von Nationalspieler Nadiem Amiri, haben mindestens Oberliga-Erfahrung. „Der ASV hat sportlich und finanziell schwierige Zeiten hinter sich. Ich will mithelfen, dass der Verein wieder Boden unter die Füße bekommt und dass attraktiver Fußball gespielt wird“, erklärt Sari. Er hat im Klub eine Aufbruchstimmung ausgemacht.
TuS Hohenecken: Nichts mit dem Abstieg zu tun haben
Der TuS Hohenecken spielt endlich wieder in „seiner Liga“. Zwei Jahre nach dem schmerzlichen Abstieg ist der traditionsreiche Klub aus dem Kaiserslauterer Westen wieder in die Verbandsliga zurückgekehrt, in der er viele Jahre zu den Spitzenmannschaften zählte. Den ersehnten Aufstieg schafften die Hohenecker unter ihrem jungen Trainer Benny Hassenfratz, der für die neue Runde folgendes Ziel formuliert: „Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“ Dabei kann Hassenfratz aber nicht mehr auf einige Leistungsträger der vorigen Spielzeit bauen. So ist der Mittelfeldlenker Dennie Schmidt als Spielertrainer zum Bezirksligisten SG Oberarnbach gewechselt und der Innenverteidiger Daniel Kalepky zum TuS Altleiningen. Zu den Neuen im Kader gehören die beiden vom FK Pirmasens II gekommenen Max Eichenlaub und Benson Kamau sowie Andre Sasse. Letzterer gehörte in seiner Jugend zu den größten Talenten des Kaiserslauterer Fußballs. Zuletzt spielte der dribbelstarke Stürmer in unterklassigen Mannschaften. Nun will er aber bei seinem ehemaligen Klub, dem TuS Hohenecken, einen neuen Anlauf nehmen und an frühere Zeiten anknüpfen.
Bienwald Kandel: Der Trainer macht das Wunder möglich
Der FC Bienwald Kandel kehrt nach zweijähriger Abstinenz in die Verbandsliga zurück. Dies grenzt an ein Wunder, denn noch im Sommer 2018 stand der gesamte Spielbetrieb auf der Kippe: Nur noch acht Spieler standen dem Klub zur Verfügung. Doch Sportdirektor Michael Pahle gelang mit der Verpflichtung von Trainer Marco Weißgerber ein Glücksgriff. Alle Leistungsträger konnten diesmal gehalten werden. Fast alle Spieler stammen von unterklassigen Vereinen aus der Region, dies gilt auch für die sechs Neuzugänge. Vier von ihnen standen am vergangenen Sonntag beim 2:0-Sieg im Pokalderby beim FSV Offenbach in der Startelf. Sorgen bereiten die verletzten Außenbahnspieler Sven Kollenda (Mittelfußentzündung), Gustavo Felix Rudy (Bänderriß) und Lukas Bosch (Hüftprobleme). Sie werden noch länger fehlen. Trainer Weißgerber sagt: „Für uns geht es nur um den Klassenerhalt. Alles andere wäre Utopie.“ Den sechs Neuzugängen – darunter mit Aaron Schmidt ein echter Kandeler Junge – stehen nur zwei Abgänge gegenüber. Eugen Galkin wird Spielertrainer des FC Bavaria Wörth. kebe
SV Morlautern: Der Blick geht in Richtung Oberliga
In seiner dritten Saison als Trainer des SV Morlautern hat Daniel Graf die Oberliga, also den Aufstieg in die fünfthöchste Klasse, fest im Blick. Unter der Regie des Ex-Profis zählten die Morlauterer in den vergangenen beiden Spielzeiten immer zu den Spitzenteams der Verbandsliga, und so soll es auch in der neuen Saison sein. „Wir wollen ganz oben mitspielen“, sagt der 43-Jährige, der sich mit seinem Team „vorne festbeißen“ will. Eine wichtige Rolle soll dabei der vom Ligarivalen SV Steinwenden zum SVM gewechselte Florian Bicking spielen. Welche Dynamik er auf der rechten Außenbahn zu entfalten vermag, zeigte er vor Kurzem im Verbandspokal-Halbfinale, als er den SVM gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 1:0 in Führung schoss. Dass die Graf-Truppe sich auf die Defensive versteht, zeigte sie auch gegen das Profiteam vom Betzenberg. Nicht mehr für den SVM am Ball sind der spielstarke Stürmer Anton Artemov (SV Steinwenden) und der kampfstarke Christopher Fried (VfR Kaiserslautern). Trotz dieser beiden Abgänge schätzt Graf seine Mannschaft stärker als in der vorigen Runde ein, in der man den Aufstieg nur knapp verfehlte.
FK Pirmasens II: Gegentorflut vergessen machen
„Mein Ziel ist es weiterhin, die jungen Spieler an die Regionalligamannschaft heranzuführen“, sagt der 35-jährige Trainer des FKP II, Martin Gries, über seine Ziele für die kommenden Saison. Dennoch soll tunlichst die Spielklasse gehalten werden, auch wenn mit Elias Ludwig (Hassia Bingen) und den beiden zur ersten Mannschaft abgewanderten Antreibern Jonas Jung und Tim Hecker drei wichtige Säulen nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit Moritz Jung (TuS Bedesbach) und Torhüter Benedikt Fath (TuS Hohenecken) wurden von Gries bewusst nur zwei externe Neuzugänge verpflichtet. Fath wird Romaric Grenz und Jan Schulz aus der ersten Mannschaft immer mal wieder Platz im Tor machen müssen. In der Vorbereitung war es das Ziel von Trainer Gries, nach der Gegentorflut im Vorjahr defensive Stabilität zu gewinnen. In der Offensive zeigte sich der FKP II mit Co-Spielertrainer Christopher Ludy gewohnt stark in den Testspielen, musste dennoch in den ersten drei Partien stets als Verlierer den Platz verlassen. Der Abwehr sollte auch der 19-jährige Abwehrspieler Marcel Fritzler Sicherheit geben, der vorerst nach einem Kreuzbandriss ausfällt.
SG Rieschweiler: Von Beginn an hellwach sein
Nach einer turbulenten Saison mit vielen extremen Ergebnissen, die schließlich wegen der Corona-Pandemie frühzeitig im März beendet wurde, konnte sich die SG Rieschweiler nur wegen der Nichtabstiegsregel in der Verbandsliga Südwest halten. Für die kommende Saison, in der die SGR in der vermeintlich leichteren Gruppe 1 eingeteilt ist, wird es dennoch kein einfaches Jahr werden, findet SG-Neutrainer Patrick Hildebrandt. „Wir müssen von Anfang an hellwach sein und punkten, denn bei insgesamt 16 Spielen steht man schnell hinten drin, wenn man zu Beginn wenig Punkte holt. Ob die Regelung, keine Teams absteigen zu lassen, für uns gut war, wird sich zeigen, denn wir haben eigentlich keine erfahrenen Spieler, sondern fast nur junge Nachwuchsspieler dazu bekommen“, ist Patrick Hildebrandt etwas skeptisch. „Doch ich hoffe, dass wir uns über den Teamgeist und eine in der Vorbereitung erarbeitete gesunde Fitness dennoch behaupten werden“, ergänzt der Ex-Regionalligaprofi, dass sich sein gut strukturiertes Vorbereitungstraining in positiven Ergebnissen widerspiegeln wird. Fünf Neuzugänge – darunter der Ex-Pirmasenser David Wagner – kamen von anderen Klubs, fünf Spieler verlieren den Verein auch.
SV Rülzheim: Zwei große Lücken sind zu schließen
Der Kapitän Maurizio de Vico weg, dazu konzentriert sich der in den vergangenen Jahren stets überragende Spielertrainer Patrick Brechtel nun voll auf das Coaching von außen. Das sind zwei große Lücken, die der SV Rülzheim schließen muss. Der startet ohne klare tabellarische Zielsetzung, aber mit einer konkreten Spielidee in seine zweite Saison in der Verbandsliga. Aus Fehlern der vergangenen Runde hat der Trainer seine Schlüsse gezogen: Er will „Fußball mit Wiedererkennungswert“ sehen. „Ich verlange eine extreme Mentalität als Einheit. Wir müssen zuerst mal Fußball arbeiten und dann die spielerischen Elemente im Spiel nach vorne suchen.“ Dabei will Brechtel die jungen Spieler im Kader weiterentwickeln. „Es sind schon einige sehr interessante Jungs dabei, die auch aus der näheren Region kommen, damit die Zuschauer auch noch einen Bezug zu ihnen herstellen können“, betont der Trainer. De Vico ersetzen könnten Jannik Langer, Domenico Bottaccio, Claus Bückle und Neuzugang Christoph Nirmaier.“ Der Letztgenannte habe zwar Oberliga-Erfahrung, müsse sich nach seiner jüngst wieder niederklassigen Station aber erst wieder an das höhere Tempo gewöhnen. Der Coach abschließend: „Optimal wäre es, wenn man in die Aufstiegsrunde käme. Das nimmt den Druck.“
TuS Rüssingen: Offensiv zum Klassenverbleib
Zwar gab es beim TuS Rüssingen nicht den radikalen Umbruch wie im letzten Jahr, trotzdem haben einige wichtige Spieler die Nordpfälzer verlassen. Vor allem Rafael Cardoso (zum VfR Mannheim), den Dampfmacher im Mittelfeld, den Strategen Mikail Erdem und den Abwehrrecken Anderson Lima (zurück nach Brasilien) wird man besonders vermissen. Ob die Neuzugänge (Kawan Pessanha, Anderson Barros, Davidson Santos, Gustavo Maya, Lucas Soares) die Lücken schließen können? „Einige Spieler, die letztes Jahr noch in der zweiten Reihe standen, haben einen Sprung nach vorne gemacht. Ich bin gespannt, wie das unter Wettbewerbsbedingungen aussieht“, sieht Akgün Yalcin, seit 2012 Trainer beim TuS, durchaus noch Potenzial bei seinen Kickern. Ohnehin müssten sich erstmal alle integrieren. „Wir haben seit ich hier in Rüssingen bin eigentlich immer attraktiven Fußball geboten, und so soll es auch bleiben. Unsere Philosophie bleibt das Offensivspiel“, lautet der Auftrag des Coaches an sein Personal. Ein konkretes Saisonziel will Yalcin nicht nennen: „Immerhin haben wir einige Leistungsträger verloren. Es ist nie einfach wieder eine neue Mannschaft aufzubauen. Wir starten bei null und wollen eine gute Saison spielen. Erstes Ziel ist der Klassenerhalt.“
Phönix Schifferstadt: Es soll kein Kurzgastspiel werden
Obwohl die Saison 2019/20 im März vorzeitig beendet werden musste, bleibt sie bei Phönix Schifferstadt in guter Erinnerung. Diese Formulierung ist eigentlich eine gewaltige Untertreibung, denn es war die bisher erfolgreichste Spielzeit in der Vereinsgeschichte. Das begann mit einem Pflichtspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, auf den Phönix im Verbandspokal traf, und endete mit dem Aufstieg als Landesliga-Tabellenzweiter. Doch weil die Zweckehe mit Trainer Ediz Sari geschieden wurde, stehen die Schifferstadter vor einem Neubeginn. Der neue Coach ist der erfahrene Michael Drese (54). „Die Mischung stimmt, dennoch müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass es nur gegen den Abstieg geht“, betont Drese. In der Vorbereitung habe es gute Ansätze gegeben, aber auch schwache Vorstellungen. Die Zugänge können sich sehen lassen. Der neue Kapitän Jan Gutermann soll die Spielmacherrolle ausfüllen, David Gerner die nötigen Tore schießen. Auch Spieler wie Nikolaos Matios, Hüseyin Coskun, Mikail Terzi oder David Steckbauer kennen die Verbandsliga bereits. Von der ersten Viertelstunde des Pokalspiels beim ASV Fußgönheim abgesehen, war Phönix gleichwertig, obwohl einige Akteure gefehlt haben. Das lässt darauf hoffen, dass es in der Verbandsliga kein Kurzgastspiel gibt.
SV Steinwenden: Jünger und auch schwerer berechenbar
Obwohl Mit Lukas Müsel, Frederik Christman, Abnor Qoroviqi und dem besten Torschützen, Florian Bicking, einige Leistungsträger den SV Steinwenden verlassen haben, blickt man zuversichtlich in die neue Saison. Mit Anton Artemov, Florian Gashi, Aaron Valentini, Nico Christmann, Cellestin Moukouri, Alex Velikov und David Höft setzt der SVS auf hungrige Nachwuchsspieler, von denen die meisten bei höherklassigen Klubs sehr gut ausgebildet wurden. Die Verantwortlichen sind ist sicher, dass man mit diesem Konzept nicht nur die Abgänge kompensieren, sondern auch möglichst frühzeitig den Klassenerhalt sichern kann. „Wir sind dieses Jahr viel breiter ausgestellt, haben durch die jungen Spieler mehr Variationen und sind schwerer auszurechnen“, traut Cheftrainer Daniel Meisenheimer seinem Kader zu, in der Verbandsliga zu bestehen. „Nach der ersten Gruppenphase schon über dem Strich zu stehen wäre natürlich für uns ein Traum, wird aber bei der Stärke der Liga schwer zu realisieren sein“, glaubt Vorsitzender Steffen Schmitt. Er geht also eher davon aus, dass der SVS sich in der Abstiegsrunde beweisen muss, dort aber schließlich sein Ziel erreichen wird. Beim Test gegen den Regionalligisten FC Homburg und im Pokalspiel beim SV Morlautern deutete sich bereits an, welches Potenzial in der Mannschaft steckt und dass das Team durchaus in der Lage ist, an einem guten Tag auch die Favoriten zu ärgern.
TB Jahn Zeiskam: Das wohl jüngste Team der Liga
Auch wenn die Abgänge Maurice Hafner (28 Jahre) und Eric Biedenbach (28) zur nicht mehr ganz jungen Garde gehörten, so waren sie doch alles andere als Altlast. Zusammen mit Christoph Wörzler (22) erzielten sie 17 der 27 Zeiskamer Treffer bis zum coronabedingten vorzeitigen Saisonende. Wörzler ist nach nur zwei Monaten beim FV Dudenhofen wieder zurück. Die neuformierte Jahn-Offensive tut sich in der Vorbereitung allerdings noch schwer, die „Oldies“ zu ersetzen. „Einige Spieler kommen aus unteren Klassen und brauchen noch Zeit“, sagt Trainer Stefan Ronecker. Der dribbelstarke Leo Lamesic (23) und der großgewachsene Meldin Kovacevic (20), der vom baden-württembergischen Oberligisten 1. CfR Pforzheim kam und Roneckers Wunschstürmer ist, könnten die Lücken schließen. Unter den elf Neuzugängen ist keiner älter als 23. Der Altersschnitt ist mit 21,3 Jahren der wohl jüngste der Liga. Das ist auch Teil von Roneckers Dreijahresplan: Der Trainer will in diesem Zeitraum eine Spitzenmannschaft in der Verbandsliga entwickeln. Die Basis der Südpfälzer soll wie im Vorjahr die weitgehend unveränderte Defensive bilden. Wichtig ist dem Trainer die Laufbereitschaft seiner Jungs: „Da sind wir 20 bis 30 Prozent stärker als letzte Saison.“ Ein festes Saisonziel gibt’s erst einmal nicht. Im Optimalfall will der Verein sich von der Abstiegsrunde fern halten.