Die Wochenend-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Die NFL sollte nach München mal mutiger denken

Das NFL-Embleme sollte nach den Erfahrungen von München häufiger in Deutschland auftauchen als geplant.
Das NFL-Embleme sollte nach den Erfahrungen von München häufiger in Deutschland auftauchen als geplant.

Die Begeisterung nach dem ersten NFL-Saisonspiel auf deutschem Boden reißt nicht ab. Die Liga sollte nun die nächsten Schritte angehen.

Während an diesem Wochenende alle – oder sagen wir: viele – Richtung Katar zu den Rundballern schauen, richten wir unseren Blick nochmals kurz auf das vergangene, an dem die Freunde des ledernen Ellipsoids ihren großen Tag hatten; mit dem ersten NFL-Saisonspiel überhaupt auf deutschem Boden. Tagelang herrschte in den Kommentarspalten der US-Zeitungen anerkennende Überraschung über die Stimmung in der Allian Arena.

„Die haben dauernd gesungen; sogar englische Lieder“ staunten nicht wenige. Kein Wunder: US-Stadien und -Sporthallen sind oft noch halb leer, wenn das Spiel beginnt, und ebenso teilweise verwaist, lange bevor der Schlusspfiff ertönt. Und das egal, ob die Begegnung längst entschieden ist oder auf Messers Schneide steht. Der halbwegs schnelle, staulose Abgang vom Parkplatz ist wichtiger. Ein volles, feierndes Stadion noch 45 Minuten nach dem Ende, wie in München erlebt, gibt es in den USA nicht, wo vielfach die Fans per Botschaft auf der Videowand zum Jubeln aufgefordert werden müssen, damit im Fernsehen ein Hauch von Stimmung anklingt.

Deutschland lange hingehalten

Nichts gegen London, wo seit 14 Jahren NFL-Spiele stattfinden – aber selbst die dortige Stimmung ist nicht mit dem zu vergleichen, was in München abgegangen ist und weshalb viele NFL-Spieler nur zu gerne umgehend (wieder) in Deutschland antreten würden. Wie gut, dass für die nächsten drei Jahre für München und Frankfurt weitere Spiele bereits fest vereinbart sind.

Die überbordende Lust am sportlichen Spektakel hat die NFL gar nicht verdient. Denn allzu lang hat sie die deutschen Fans hingehalten. Schon 2007, unmittelbar nach Schließung der NFL Europe mit dem Vorzeigeteam Frankfurt Galaxy, hatten die Verantwortlichen immer wieder betont, dass der deutsche Markt so wichtig für sie sei und Deutschland ebenso mit NFL-Spielen rechnen dürfe wie der 2008er Startort London. Fast 15 Jahre lang blieb es bei Ankündigungen.

Mindestens Gleichberechtigung, bitte

Nun denn: Wollen wir nicht zu viel Vergangenheitsbewältigung betreiben und stattdessen auf die Zukunft setzen. Und die sieht womöglich rosiger aus, als sich das mancher Football-Fan derzeit vorstellen möchte. Wenn die NFL denn will.

Dass sie den deutschen Markt endlich als ihren wichtigsten in Europa entdeckt hat, spricht ja für sie. Nun muss sie die richtigen Konsequenzen aus dem Boom in Good old Germany ziehen. Und der heißt: Mit einem Spiel pro Jahr ist es nicht getan. Angesichts von geschätzt drei Millionen Ticketwünschen für München muss die NFL möglichst schnell für Gleichbehandlung zwischen England und Deutschland sorgen. Also für mindestens drei Spiele auch hier. Das ist allemal wichtiger als jetzt laut darüber nachzudenken, sich auch mal in Frankreich oder Spanien zu versuchen.

Option: Eine europäische Division

Noch konsequenter wäre ein anderer Gedanke: Vier neue Teams sollten es sein und damit eine eigene europäische Division. Was auf den ersten Blick angesichts der Logistik wie Nonsens klingt, hat bei genauerem Nachdenken seinen Sinn. Denn die Divisionsteams spielen mit Hin- und Rückspiel zweimal gegeneinander an – sechs der 17 Saisonspiele pro Team wären also schon innerhalb Europas erledigt. Und wenn Gegner aus anderen Divisionen gegen ihre europäischen Kontrahenten spielen müssen, könnten sie zwei Wochen hier bleiben und sich zwei Teams widmen. Mehr Aufwand als für vier Tage über den Atlantik zu jetten, ist das auch nicht. Umgekehrt klappt das übrigens genauso. Sogar noch besser.

Sicher: All das ist nicht einfach. Aber wenn die NFL ihre nicht nur wirtschaftlichen Expansionspläne ernsthaft betreibt, wird sie auch darüber nachdenken. Und wenn wir schon beim wilden Spekulieren sind: So ein Super Bowl in Europa... Nein, das ginge dann doch zu weit.

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