Fussball Die ewige Marke Fritz Walter nun auch auf Briefmarke

Geballte Prominenz, um die FCK-Ikone postalisch zu verewigen: (von links) Vizekanzler und Postminister Olaf Scholz, DFB-Präsiden
Geballte Prominenz, um die FCK-Ikone postalisch zu verewigen: (von links) Vizekanzler und Postminister Olaf Scholz, DFB-Präsident Fritz Keller, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz und FCK-Beiratsvorsitzender Markus Merk.
Die Marke
Die Marke

Miroslav Klose war zwar nur per Smartphone von der Münchener Säbener Straße zugeschaltet. Er sprach aber allen aus der Seele: „Ich denke oft an ihn, vor allem wenn es anfängt zu regnen.“ Es seien Fritz Walters Werte, „die ich lebe: Wenn man zusammensteht, kann man alles erreichen“, verdeutlichte die emotionale Stimme des 2014er Weltmeisters aus dem Off der Mainzer Staatskanzlei.

Nach Sekt, Bier und dem Wetter jetzt eben eine Briefmarke

Zusammenstehen war naturgemäß schwierig dort im Festsaal, Corona halt. Doch jedenfalls war alles zusammengekommen, was in Verbindung mit dem DFB-Ehrenspielführer und einzigen Ehrenbürger von Rheinland-Pfalz Rang und Namen hat – und auch darüber hinaus, bis hin gar zum Bundespostminister. Denn der große Fritz erreichte gestern noch eine zusätzliche Dimension seiner Riesen-Reputation: „Klar, er ist eine ewige Marke – und jetzt ist er auch noch eine Sondermarke“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Zwar sei unter den „unendlich viele Ehrungen die wichtigste, dass sein Stadion nach ihm benannt wurde“, wie Dreyer Zehntausenden Betze-Fans aus tiefstem Herzen sprach. Und ja, es gebe schon Fritz-Walter-Sekt, Fritz-Walter-Bier, Fritz-Walter-Wetter und vieles für und zu Ehren Fritz Walters mehr, wie Moderator Holger Wienpahl schmunzelnd bilanzierte.

Wunsch nach „reißendem Absatz“

Doch auch die am Donnerstag vorgestellte und in einer Auflage von 3,6 Millionen Stück produzierte Sonderbriefmarke zum (am 31. Oktober vollendeten) 100. Geburtstag des Ehrenspielführers „macht uns stolz“, so Dreyer, die „reißenden Absatz“ wünschte und prognostizierte. Denn viele hätten eben „Sehnsucht nach solchen Situationen, nach jemandem, der nie seinen Verein gewechselt hat, der für sein Team nie etwas anbrennen ließ“. Der zuvorderst von Fritz Walter erkämpfte WM-Titel 1954 sei für Deutschland „etwas ganz Wunderbares und Selbstbewusstsein Bildendes“ gewesen: „Er war wichtig für unsere Weiterentwicklung. Daran sieht man, was Fußball über den Sport hinaus tun kann.“

Wahrscheinlich waren die großräumigen Reihen deshalb so hochkarätig besetzt: Weltmeister Horst Eckel, Vizeweltmeister Hans-Peter Briegel, DFB-Präsident „Fritz Walter Keller“ (wie die Einladung in völlig korrekter Vollständigkeit schrieb), Ex-Weltschiedsrichter Markus Merk („Fritz hätte die Marke still bei einem Glas Sekt genossen“), Innenminister Roger Lewentz und Fritz-Walter-Stiftungsbotschafterin Miriam Welte machten die Präsentation des kleinen Zackens zum ganz großen Bahnhof.

Eine kleine Historienstunde

Und zur Historienstunde. Walter-Patenkind Fritz Keller etwa erinnerte an sein erstes Treffen, Kellers erstes FCK-Spiel bei 1860 München: „Wir sind danach zusammen in eine Kneipe rein – alles war still. Er hatte für jeden ein Wort – für jeden. Er war die beste Werbung für Deutschland.“

Werbung für die Post von dem „großen Vorbild, dass für einen ganz besonderen Moment unserer Geschichte“ steht, wünscht sich natürlich Post- und Finanzminister Olaf Scholz – den Holger Wienpahl mit dem Gleichnis begrüßte, ein 3:2 nach 0:2 sei doch so wie das Drehen einer Partei von 20 Prozent auf 30 Prozent: „Und vom Wunder von Bern bis zum Wunder von Berlin sind es ja auch nur zwei Buchstaben …“ Allerdings habe er beim längeren Googeln nach Sportsfreund Scholz auch die („zugegeben leicht veraltete“) Aussage gefunden, der (ehemalige) Erste Bürgermeister wünsche sich einmal den HSV zur Meisterfeier auf dem Hamburger Rathausbalkon. Wunder gebe es immer wieder, zitierte der Vizekanzler – in mehrfacher Hinsicht – Katja Ebstein. Und tatsächlich habe er den HSV auf dem Balkon gehabt: „Es waren aber die Handballer.“

Wenigstens diese Verwirrung kann es bei Fritz Walters FCK dann mal doch nicht geben.