Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Die deutschen Titelsammlerinnen: Erst miteinander, dann gegeneinander

Medaillensammlerinnen: Emma Hinze (rechts) und Lea Sophie Friedrich bei der WM 2021 in Roubaix.
Medaillensammlerinnen: Emma Hinze (rechts) und Lea Sophie Friedrich bei der WM 2021 in Roubaix.

„Wenn ich nur mit einer Bronzemedaille nach Hause fahre, werde ich nicht zufrieden sein.“ Die klare Ansage von Emma Hinze, der fünffachen Bahn-Weltmeisterin, vor den Titelkämpfen in Paris. Auch Lea Sophie Friedrich besitzt fünf WM-Goldmedaillen – und will in der kommenden Woche mehr.

2020 in Berlin gewann Emma Hinze drei und Lea Sophie Friedrich zwei WM-Titel, 2021 in Roubaix stand es 3:2 für Friedrich. Mit anderen Worten: Alle Titel im so genannten Kurzzeitbereich gingen an die beiden deutschen Bahnradasse, und auch kommende Woche in Paris müssen die beiden schnellsten Frauen der Welt im Teamsprint, im Sprint, im 500-Meter-Zeitfahren und im Keirin erst mal geschlagen werden.

Zwei Pfälzer sind in Paris dabei

Am Freitag fliegen die Sprinterinnen und Sprinter mit Bundestrainer Jan van Eijden (Kaiserslautern) nach Paris – neben Hinze (25) und Friedrich (22) auch noch Pauline Grabosch (24) und Alessa-Catriona Pröpster (21) vom pfälzischen RV Offenbach. Bei den Männern sind’s Nik Schröter (24), Stefan Bötticher (30), Marc Jurczyk (31) und Maximilian Dörnbach (27), die aber momentan nicht an die einst goldenen Zeiten anknüpfen können.

Vier Rennen, vier Starts – für Hinze und Friedrich ein riesiges Programm, das mit Gemeinschaftsgold am Mittwoch beginnen soll. Pauline Grabosch, im Teamsprint bereits dreifache Weltmeisterin, wird die Anfahrerin sein, Alessa Pröpster wohl zu einem Einsatz in der Qualifikation oder der ersten Runde kommen. Sie könnte dann auch noch im Sprint und im Keirin starten.

Die Goldfavoritinnen kennen sich aus dem Effeff

„Das Durchwechseln im Teamsprint ist eine Option. Wir haben das im Training probiert, wir werden vor Ort entscheiden, wie die Konstellation sein wird“, will Jan van Eijden noch nicht mehr verraten. Danach geht’s für Hinze und Friedrich, die sich nicht nur aus dem gemeinsamen Training in Cottbus aus dem Effeff kennen, nicht mehr miteinander, sondern gegeneinander. „Wenn wir miteinander fahren, geben wir alles fürs Team, aber gegeneinander auf der Bahn, da gibt es keine Freundschaft mehr“, sagt Emma Hinze, die von den Bahn-Europameisterschaften Mitte August in München mit drei Titeln enormen Rückenwind mitbringt. Die Königsdisziplin ist der Sprint, und da sitzt Emma Hinze als doppelte Titelverteidigerin ziemlich fest auf dem Thron.

„Ich weiß, dass es harte Arbeit ist und man viel dafür tun muss. Nichts ist selbstverständlich. Es muss alles stimmen an dem Tag“, zeigt die 25-Jährige Demut. „Aber es lief im Training gut von den Zeiten her. Ich hoffe, dass ich das nächste Woche abrufen kann.“ Sie wird auf der Olympiabahn von 2024 zum ersten Mal starten, Lea Sophie Friedrich kennt die Piste in St. Quentin-en-Yvelines bei Paris schon: „Sie ist in den Kurven sehr steil. Es ist gut und wichtig, die Besonderheiten einer Bahn zu kennen“, sagt die 22-Jährige, die sich, wie sie glaubt, seit der EM steigern konnte. In München gewann sie Gold im Keirin. Gut möglich, dass Olympia schon im Hinterkopf schwirrt, die Qualifikation für Paris 2024 beginnt aber erst mit der nächsten EM in Februar. „Die Spiele sind nicht wirklich präsent“, sagt aber Hinze, „jetzt ist erst mal die WM“. Übrigens, bei Olympia in Tokio hatte es für Hinze und Friedrich lediglich zu Silber im Teamsprint gereicht.

Jan van Eijden, der jahrelang die britischen Sprinterinnen in der Weltspitze betreute, gibt sich in seinem neunten Monat als Bundestrainer vor seinem ersten WM-Einsatz für Deutschland optimistisch: „Wir haben sehr ordentlich trainiert und hohe Leistungsspitzen im Training gesetzt. Wir wissen nicht, wie die anderen drauf sind. Unser Leistungspotenzial ist da, aber es ist sicher sehr außergewöhnlich, dass Emma und Lea in fünf Tagen alle vier Disziplinen fahren.“ Die WM endet am Sonntag in einer Woche mit dem Keirin. Lea Sophie Friedrich ist Titelverteidigerin.

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