Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Die Bayern debattieren unter der Dusche

Der einzige Bayern-Spieler, der traf: Thomas Müller nach dem 1:1, daneben Ivan Perisic und Benjamin Pavard.
Der einzige Bayern-Spieler, der traf: Thomas Müller nach dem 1:1, daneben Ivan Perisic und Benjamin Pavard. Foto: dpa

München. Eigentlich ist es für die Öffentlichkeit tabu, was in der Kabine eines Profiklubs gesprochen wird. Zumindest dann, wenn es nicht nur um Heiteres, Lobendes geht, soll möglichst alles im Innersten bleiben. Thomas Müller, das Urgestein des FC Bayern München, hielt sich daran am Samstag nicht ganz, aber er muss sich auch nicht sorgen, damit gegen den Kodex verstoßen zu haben. Der Offensivspieler gab preis, worüber er sich mit den Kollegen unter der Dusche zuvor unterhalten hatte. Klingt nur etwas delikat, ist es aber nicht. Denn es ging um Torchancen, um Aluminium-Treffer, insgesamt eine „extreme, fast nie da gewesene Ineffizienz“, wie Müller den Wucher mit besten Gelegenheiten am Samstag beim 1:2 gegen Bayer Leverkusen bezeichnete. Darüber habe er mit den Kollegen bei der Körperpflege „hin und her diskutiert“.

Es war wie nach Dem Spiel gegen Tottenham

Zum zweiten Mal in dieser Saison verlor der Rekordmeister vier Tage nach einer Gala in der Champions League ein Bundesligaspiel. Und doch ist die Niederlage vom Samstag nicht mit der gegen Hoffenheim vor zwei Monaten zu vergleichen, eine Parallele ist nur, dass man sich womöglich am 6:0 gegen Roter Stern Belgrad zu sehr beseelt hat – wie am 7:2 gegen Tottenham. Damals lag mehr im Argen als vor allem das Auslassen von besten Torchancen, es war der Anfang vom Ende für Trainer Niko Kovac.

Volland: Mit einem Quäntchen Glück

„Keine gute Kontersicherung“, gab Leon Goretzka zu, hätte man bei den beiden Gegentoren von Leon Bailey gehabt. Leverkusen war da nicht nur gedanklich einfach schneller, dann trafen einmal Benjamin Pavard und dann Javier Martinez auch noch eine falsche Entscheidung. Am Ende der kräftezehrenden Partie war es für die Gäste aus Leverkusen trotzdem nur noch ein Kampf ums Überleben, den sie mit „einem Quäntchen Glück“, wie Kevin Volland sagte, gewannen. Drei Mal landete der Ball in den gut 90 Minuten am Aluminium des Leverkusener Kastens, mindestens ebenso oft rettete Bayer-Torwart Lukas Hradecky in höchster Not, insgesamt standen in der Statistik am Ende zwölf Paraden des Finnen.

Und der nach seinen vier Treffern bei Roter Stern Belgrad vier Tage zuvor noch in den Himmel gehobene Robert Lewandowski erlebte einen sehr irdischen Abend, seine wöchentliche Torquote war offenbar schon in der Champions League erfüllt. Der einzige Münchner, der traf, war Müller – nach torlosen 1360 Minuten beendete er seine persönliche Ineffizienz-Phase (33.) Aber „das hätte ich mir heute gerne gespart“ – wenn alle anderen ihre Chancen verwertet hätten. „Manchmal ist der Fußball verrückt“, sagte Müller.

Müller sieht sehr viel Gutes

„Sehr viel Gutes“ habe das Spiel der Münchner gehabt, „sonst kommst du gar nicht zu den Torchancen“, sagte Müller. Weder die Torflut in den vergangenen Partien ist ein Gradmesser noch das Duell mit Bayer. Irgendwo dazwischen eben. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler betrachtet das Ergebnis nur als Ausrutscher. „Die Bayern haben heute wieder gezeigt, dass sie deutscher Meister werden, davon bin ich überzeugt.“ Ein schlechtes Omen ist das 1:2 nicht. Nach der letzten Heimniederlage gegen Leverkusen, im Oktober 2012, verloren die Bayern nur noch ein Spiel in jener Saison. Und gewannen das Triple.

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