Sport
Die Arbeit am Olympiastützpunkt kennt keine Grenzen
Natürlich war es kein Zufall, dass Daniel Strigel und seine Mannschaft ausgerechnet am 24. Juli zum Vorbeischauen am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg einluden. 24. Juli 2020, da war doch was? Strigel (45), zweifacher Olympiateilnehmer im Degenfechten, 2000 Fünfter und 2004 Dritter mit der Mannschaft und Achter im Einzel, gab natürlich den Hinweis, dass gerade die Eröffnungsfeier in Tokio laufen würde, wenn ... Ja wenn nicht das Coronavirus nahezu den kompletten Sportbetrieb weltweit lahmgelegt hätte. Aber der Leiter des OSP lenkt auch gleich den Blick in die Zukunft, an der die rund 45 Athleten des „Team Tokio“ längst wieder mit Elan arbeiten.
In allen Belangen Vorreiter sein
Mit ihm in den letzten März-Wochen einen Pressetermin zu bekommen, war schier unmöglich. Strigel wollte jede Minute für seine Athleten da sein, hat geackert, um nahezu für jeden eine Lösung parat zu haben. „Wir waren in allen Belangen bemüht, Vorreiter zu sein“, sagte der mit so viel Herzblut ausgestattete Strigel, seit knapp zehn Jahren OSP-Chef. „Wir haben auch unser Förderkonzept mit allen Partnern gestreckt, sämtliche Förderzusagen und -grundlagen werden eingehalten, auch bis 2021“, sagte Strigel, „wir müssen aber auch jetzt schon an Paris 2024 denken.“ Die Arbeit an einem Olympiastützpunkt, in den Sporthallen, im Kraftraum oder in der Physiotherapie und Laufbahnberatung, ist grenzenlos. „Finden halt im nächsten Zyklus zwei Spiele statt“, sagte Strigel lapidar. Tagesgeschäft. Kopf in den Sand stecken gilt nicht. Die Arbeit läuft oft im Stillen ab, oder wie Rüdiger Harksen, der Hürden-Bundestrainer, fast dankbar sagte: „In diesem Frühjahr vor allem in der freien Natur.“ In vielen Sportarten tauchen Olympiasportler echt nur alle vier Jahre auf, kämpfen nicht selten ums finanziellen Überleben. Jetzt, in dieser Krisenzeit, noch heftiger.
Lisa Mayer freut sich über ein geschenktes Jahr
Regelrecht wieder aufgetaucht und nach einem ersten Testwettkampf auch aufgetaut ist Lisa Mayer (24) vom Sprintteam Wetzlar, die seit vielen Jahren bei Rüdiger Harksen in Mannheim trainiert, dort studiert und am OSP Heidelberg hervorragend betreut wird. 11,35 Sekunden lief die Staffel-Olympiavierte vor einer Woche in ihrem ersten Wettkampf seit 2017 (Bestzeit: 11,14 ) in Wetzlar. „Ich habe zwei, drei harte Verletzungsjahre hinter mir. Mir tut die Olympiaverlegung eher gut, sie ist ein kleines Geschenk. Die Zeiten kommen ganz von alleine, momentan bin noch nicht bei 100 Prozent Leistung“, erzählte Mayer. So wie sie das kommende Jahr als ein „neu gewonnenes Jahr“ ansieht, so gibt es Athleten, die eigentlich im August ihre Karriere beenden wollten und nun in die Bredouille gerieten: aufhören oder weitermachen? In solchen Fragen ist auch der Olympiastützpunkt mit all seinen Mitarbeitern ein wichtiger Impulsgeber. Eines aber ist auch klar: Wer bis Tokio 2021 weiter macht, denkt jetzt nicht an eine Absage. Es wäre total motivationshemmend.
Nikolai Kornhaß darf seit 1. Juli wieder Kontakt haben
Nikolai Kornhaß (27), der in Augsburg geborene sehbehinderte Judoka, wäre in vier Wochen glasklarer Favorit bei den Paralympics gewesen. Auch er trainiert in der Metropolregion. Und seit 1. Juli endlich auch wieder in direktem Kontakt mit seinem Gegner. Daniel Strigel sagte, dass er alles probiert habe, aber er konnte in Sachen „Kontaktsperre“ die Verordnungen des Landes nicht aushebeln. Ob er diesen Trainingsausfall kompensieren kann, weiß der Sonderpädagogikstudent nicht. „Ich stehe körperlich ganz gut da“, sagte Kornhaß, „aber die judospezifische Kraft kriege ich erst wieder im Training“. Kornhaß war im März gerade in Japan in einem Trainingslager, als das Virus alles lahmlegte. „Wir waren damals felsenfest davon überzeugt, dass die Spiele stattfinden.“ Aber es kam ganz anders, es kam der Shutdown. „In der ersten Phase, zwei, drei Wochen lang, war mir egal, ob das großes Ziel dahinfließt, ich habe nicht an Judo gedacht“, gab er zu. Nun ist auch der Dojo am OSP wieder offen. „Wir haben nun alle Zeit der Welt, an Stellschrauben zu drehen“, versicherte der Judoka.