Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Die Adler sind einem Mythos auf der Spur

Von der Trainerbank kam der entscheidende Impuls: Adler-Coach Pavel Gross.
Von der Trainerbank kam der entscheidende Impuls: Adler-Coach Pavel Gross.

Schon einmal gab es auf dem Weg der Adler Mannheim zum deutschen Eishockey-Meistertitel ein legendäres Spiel.

59:59. Die nicht mehr ganz jungen Adler-Fans werden sich erinnern, mit einem wohligen Schauer, der ihnen über den Rücken läuft. 2007 rettete ein Schuss von Pascal Trepanier den – auch damals – Titelfavoriten vor einem Fehlstart ins Viertelfinale gegen die Frankfurt Lions. Eine Sekunde vor Schluss der normalen 60:00 Minuten Spielzeit, 59:59 stand auf der Uhr. Taugt das irre Spiel der Adler am Samstag gegen die Straubing Tigers (4:3 nach Verlängerung, zuvor 0:3-Rückstand) ebenfalls zur Legendenbildung?

Eine Initialzündung?

Ja – wenn wie 2007 am Ende der Reise der Titelgewinn steht. Und noch mehr als damals könnte diese sagenhafte Aufholjagd eine Initialzündung gewesen sein. Denn es ließ sich in den letzten Punktspielen und auch den drei Play-off-Partien gegen Straubing nicht wegdiskutieren: In den Köpfen hatte die gnadenlose Hatz der letzten Wochen, 14 Spiele in 28 Tagen, eine gewisse Trägheit in Kopf und Körper hinterlassen. Umso erstaunlicher, dass es die Adler diesmal ohne Hilfe der Zuschauer geschafft haben, ein von vielen verloren geglaubtes Spiel noch zu drehen. Die Fans bewiesen stets viel Gespür für knifflige Situationen. Mit ihnen im Rücken wäre der Meisteranwärter in Spiel eins wahrscheinlich schon ganz anders in die Unterzahl der verlorenen Verlängerung gegangen. Aber diesmal kam der Impuls von außen, von der Trainerbank. Pavel Gross ging volles Risiko, was hätte ein 0:4 auch großartig geändert?

Vielleicht wird man also demnächst die Zahlen 0:3-4:3 in einem Atemzug mit 59:59 nennen.

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