Handball
DHB-Team: Der Medaillentraum platzt, aber es gibt ein neues Ziel
Dieser Tiefschlag saß. Die deutschen Spieler waren reihum sehr enttäuscht nach der deftigen 28:35-Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich im WM-Viertelfinale in Danzig. Heute (15.30 Uhr, ARD) heißt nun in der Platzierungsrunde der Gegner Ägypten, in Stockholm misst sich Frankreich mit Gastgeber Schweden. Der Mitfavorit muss auf Spielmacher Jim Gottfridsson verzichten, der sich in der Partie gegen Ägypten einen Handbruch zuzog. Der Sieger der deutschen Partie trifft auf den Gewinner des Spiels zwischen Norwegen und Ungarn, den Verlierern bleibt das Kräftemessen um Rang sieben.
„Ich denke, unsere im Vergleich unerfahrene Mannschaft hat trotzdem gut gekämpft, und ich hoffe, dass wir für die Zukunft hoffentlich erfahrener und breiter aufgestellt sind, um solche Spiele dann auch 60 Minuten ausgeglichen gestalten können. Wir haben gesehen, dass es gegen die ganz Großen aktuell noch nicht reicht. Es muss viel passen, damit wir mithalten können, nicht nur 30, 40 Minuten“, erläuterte Torhüter Andreas Wolff. Er betonte: „Wir müssen jetzt schauen, dass wir Fünfter werden, wir peilen eine Platzierung in der erweiterten Weltspitze an. Ein fünfter Platz sieht besser aus als ein siebter oder achter.“ Der Torhüter erinnerte sich an die Olympischen Spiele in Tokio 2021. „Wir haben mit den Ägyptern noch ein Hühnchen zu rupfen, sie haben uns im Viertelfinale rausgekickt.“
Knorr wirkte müde, auch mental
Der Keeper von KS Kielce hielt auch am Mittwochabend sein hohes Niveau, das konnte man von anderen nicht behaupten. Regisseur Juri Knorr fand nur selten ins Spiel. Er wirkte müde, auch mental. Eklatant der Leistungsabfall des Halbrechten Kai Häfner, Patrick Groetzki geriet zur tragischen Figur. Der Rechtsaußen der Rhein-Neckar Löwen spielte eine klasse WM – bis zum Viertelfinale. Dann scheiterte er viermal am überragenden französischen Torhüter Remi Desbonnet.
Groetzki war direkt nach dem Match sehr traurig. „In der Summe haben wir zu viele Fehler gemacht. Es fühlt sich im Moment sehr schwer an, am Freitag wieder voll da zu sein“, sagte der 33-Jährige. Nach fünf Siegen in Folge kassierte die Mannschaft nun zwei Niederlagen hintereinander. Lukas Zerbe (TBV Lemgo) rückt nach, um Groetzki zu entlasten, Lukas Stutzke (Bergischer HC) ersetzt den kranken Paul Drux.
„Das Ergebnis tut weh“
Kapitän Johannes Golla fand nach der Klatsche vor allem den Blick auf die Ergebnistafel bitter. „Es ist sehr ernüchternd, dass das Ergebnis so hoch ausfällt, mit sieben Toren. Das spiegelt nicht wider, dass wir alles reingeworfen haben in den ersten 45 Minuten. Das Ergebnis tut weh. Gegen Norwegen hatten wir die Chance, das Spiel zu gewinnen. Die Franzosen haben uns noch einiges voraus. Wir sind auf einem guten Weg, die WM war ein Schritt nach vorne“, betonte der deutsche Kapitän. Platz fünf zu erreichen, das sieht er noch als „Riesenziel“ an.
Gislason kritisiert den Spielplan
Bundestrainer Alfred Gislason tat, was er so oft tat in den Tagen von Kattowitz und Danzig. Er lobte seine Mannschaft, er erklärte aber noch einmal, dass der deutsche Kader nicht die Breite habe wie dies bei anderen Top-Nationen der Fall ist. Außerdem kritisierte er den Spielplan. „Was mich ein bisschen ärgert, ist der Spielplan. Es ist ein Unterschied, ob man zwei Tage frei hat vor solch einem Spiel oder nur einen, so wie wir. Das war ein großer Faktor“, sagte der 63-Jahre alte Isländer. Frankreich absolvierte sein letztes Hauptrundenspiel gegen Spanien bereits am Sonntag, Deutschland traf am Montag auf Norwegen. Und die Franzosen starteten bereits am Mittwoch, 11. Januar, in die WM, Gislasons Jungs dagegen zwei Tage später.
