FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel DFB-Pokalsieger FC Bayern: Der fliegende Flick

Münchner Geister-Party in Berlin: Hansi Flick und sein Team nach dem Pokalsieg.
Münchner Geister-Party in Berlin: Hansi Flick und sein Team nach dem Pokalsieg.

Mit wenigen Ausnahmen emotionaler Regung präsentiert sich der Trainer des FC Bayern München auch nach dem Pokalfinal-Erfolg über Bayer Leverkusen geerdet. Die nächsten Aufgaben warten schon. Neben der Vorbereitung auf die Champions League ist seine Überzeugungskunst gefragt.

Es war vermutlich Gewohnheit, als die Mannschaft des FC Bayern München sich nach dem Schlusspfiff Richtung Ostkurve aufmachte. Dorthin, wo dieses Mal nur 900 Banner der Fanclubs waren, aber keine Menschen saßen. Die Spieler machten einfach das, was sie sonst meistens nach dem Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion auch getan haben: feiern, am Samstag war es dann eben eine Geister-Party. Aus Konfettikanonen flogen nach dem 4:2 (2:0)-Sieg gegen Bayer Leverkusen goldene Folienteile, oben auf der Tribüne reckten die Bayern-Verantwortlichen die Jubel-Faust nach in die Luft, und unten auf dem Rasen schnappte sich die Mannschaft dann irgendwann den Trainer.

„Schön, ein bisschen zu fliegen“

Hansi Flick zappelte ein bisschen mit den Beinen, als ihn die Spieler in die Luft warfen. Er habe nicht gewusst, dass seine Mannschaft so stark sei, „dass sie dieses Gewicht hochkatapultieren kann“, sagte er später, als er nach einer Champagnerdusche im nassen Double-Shirt in der Pressekonferenz saß. „Aber es war schön, auch einmal ein bisschen zu fliegen.“

Ganz überzeugend kam das aber nicht rüber, denn eigentlich ist Flick einer, der lieber mit beiden Beinen auf der Erde bleibt. Auch nach dem zweiten Titelgewinn innerhalb von einer Woche wirkte er abgesehen von ein paar emotionalen Gesten sehr kontrolliert. Dass er besonders innig David Alaba drückte, war vielleicht nicht ganz so spontan wie es schien, sondern Teil seiner nächsten Aufgabe.

Vom Links- zum Innenverteidiger

Der Österreicher, den Flick von einem sehr guten Linksverteidiger zu einem fast noch besseren Innenverteidiger umgeschult hat, sei „das Herzstück, auch außerhalb des Platzes einer, der die Mannschaft mit seiner positiven Art motiviert“, sagte der Bayern-Trainer. Alaba, der mit einem Freistoßtor den 20. Pokalsieg eingeleitet hatte, hat bisher das Angebot zur Verlängerung seines 2021 auslaufenden Vertrages noch immer nicht angenommen. Und dann ist da auch noch Thiago, der dem Verein signalisierte, noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen. Angeblich ist der FC Liverpool interessiert, allerdings, versicherte der Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, habe sich noch niemand bei den Bayern gemeldet. „Auch wenn es bei Thiago nicht so einfach ist, werde ich mich mit allem was ich habe dafür einsetzen, dass wir beide halten können“, sagte Rummenigge.

Bayern will sich breiter aufstellen

Während die Spieler nach Sponsorenterminen am Montag zwölf Tage frei haben, ehe die Vorbereitung auf das Champions-League-Turnier in Lissabon beginnt, kümmert Flick sich darum, dass er dann auch eine Mannschaft zur Verfügung hat, mit der er sein Meisterstück vollenden kann. Angesichts des dichten Programms im Herbst, der Sommerpause auf Raten und der damit womöglich schwierigen Regeneration verwies er immer wieder auf die Dringlichkeit, künftig „noch breiter aufgestellt“ zu sein. Neben Thiago haben wohl auch Javi Martinez und Corentin Tolisso Abschiedsgedanken.

„Nicht so einfach, Geld auszugeben“

Weil bisher in Leroy Sané und Tanguy Nianzo Kouassi erst zwei Feldspieler für den Profikader verpflichtet wurden, stellte Flick weitere Aktivitäten in Aussicht: Man sei dabei, sich nach Alternativen umzuschauen, in diesen Zeiten sei es auch für den FC Bayern „nicht so einfach, Geld auszugeben“.

Mit seiner bisherigen Bilanz toppte Flick zwar die von Jupp Heynckes und Pep Guardiola, 29 Pflichtspielsiege, davon zuletzt 17 am Stück und nur zwei Niederlagen sind noch keinem Bayern-Trainer gelungen. Aber die höchste Trainer-Stufe erklimmt er erst, wenn es ihm gelingt, auch die Sehnsucht nach der Champions-League-Trophäe, dem europäischen Henkelpott zu stillen.

„Das Schöne an dem heutigen Tag ist: Wir haben das Double und sind trotzdem noch im dritten Wettbewerb“, sagte Rummenigge bei der internen Pokalsause im Mannschaftshotel am Potsdamer Platz und riet der Mannschaft und „unaufgeregt“ zu bleiben. „Alle, die 2013 schon dabei waren, wissen, dass es ein langer und schwieriger Weg ist. Aber wenn ich euch in den letzten Wochen und Monaten so beobachtete habe, ist es ein Weg, der möglich ist.“ Mit einem Trainer, der sich dann vielleicht auch ans Fliegen gewöhnt.

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