Meinung
Deutsche Fußball-Nationalmannschaft – ein erster Schritt
Der Schock von Bratislava saß. Das war am Sonntag erkennbar. Die deutschen Spieler hatten die 0:2-Niederlage in der Slowakei zum Auftakt der WM-Qualifikation noch nicht verdaut. Nur so lässt sich erklären, dass die Elf nach dem 1:1-Ausgleich der Nordiren völlig den Faden verlor. Mit Schlafwagenfußball wird es auf Spitzenniveau schwer. Aber die Mannschaft kämpfte sich aus dem Tief, gewann verdient 3:1 und sammelte neues Selbstvertrauen. Fehlende Emotionalität, das Thema der vergangenen Tage, konnte man der deutschen Auswahl diesmal nicht vorwerfen. Aber natürlich ist noch längst nicht alles gut. Die Selbstverständlichkeit und die Lockerheit fehlt. Neun Monate vor der Weltmeisterschaft in Nordamerika hat die deutsche Mannschaft noch keine Stammformation und kein taktisches Grundgerüst. Noch ist unklar, wann wichtige Spieler wie Jamal Musiala, Kai Havertz oder Nico Schlotterbeck zurückkehren. Das rechte Außenverteidigerproblem ist seit Jahren ungelöst. Auch links wurde hin- und hergewechselt, nach seinem guten Auftritt am Sonntag scheint nun im Moment wieder der Leipziger David Raum die Nase vorn zu haben. Im defensiven Mittelfeld gibt es jede Menge Alternativen. Zwei Spieler sammelten im Spiel gegen Nordirland Pluspunkte: Nadiem Amiri und Jamie Leweling. Auch Robin Koch machte seine Sache in der Abwehr prima. Das Scheinwerferlicht war längst auch auf Bundestrainer Julian Nagelsmann gerichtet. Auch für ihn war das 3:1 gegen Nordirland ein kleiner Befreiungsschlag. Diesmal half er seiner Mannschaft. Es ist noch ein langer Weg nach Kanada, den USA und Mexiko.