FCK
Der Zug der Roten Teufel rollt
Natürlich wurde Frank Döpper nicht nur nach dem Spielverlauf gefragt, sondern auch um eine kleine Zwischenbilanz gebeten. Es lag ja auf der Hand, schließlich hatte der 1. FC Kaiserslautern die letzte Hinrundenpartie der Drittliga-Saison bestritten und mit dem 2:1 bei Türkgücü München den neunten Rundenerfolg gefeiert. Marco Antwerpen, der ob einer Gelbsperre auf der Tribüne darbende Cheftrainer, hätte das Ganze in der ihm typischen Art vermutlich in zwei, drei Sätzen abgehandelt, „Co“ Döpper hingegen holte zu einer akribischen Nacherzählung der ersten 19 Spieltage aus. Und dann, als er die Höhen, Tiefen und Wendepunkte benannt und beschrieben hatte, sagte er den entscheidenden Satz: „Und jetzt rollt er, der Zug.“
Wie der Zielbahnhof heißt, wo die Endstation verortet ist, das lässt sich jetzt noch nicht vorhersagen. Doch der 1. FC Kaiserslautern hat, sofern er seine Form bewahrt und ihm das Spielglück treu bleibt, sehr guten Chancen, im Aufstiegsrennen zur Zweiten Liga mitzusprinten. Im Münchener Olympiastadion boten die Roten Teufel gewiss nicht ihre beste Performance, sie ließen die Zügel nach der frühen 2:0-Führung durch Daniel Hanslik und Hikmet Ciftci nach sieben Spielminuten doch merklich locker, sie wurden mit Türkgücüs Anschlusstor durch Petar Sliskovic bestraft (55.) und drohten den Sieg zu verspielen – doch sie marschierten als Gewinner vom Rasen.
Die Schmerzen des Daniel Hanslik
„Es war ein sehr schwieriges Auswärtsspiel“, konstatierte Daniel Hanslik nach dem Abpfiff, „wir hätten den Deckel einfach früher draufmachen müssen, und irgendwann hat man dann die individuelle Klasse von Türkgücü gespürt.“ Dem Umstand, dass es trotz der raschen Vorlage knifflig wurde, gewann Hanslik aber etwas Positives ab: „Das ist vielleicht ganz gut, weil die Mannschaft gesehen hat, dass nicht alles von allein geht.“ Hanslik selbst erlebte die Partie nicht bis zum Ende mit auf dem Rasen, er wurde in der 80. Minute durch Elias Huth ersetzt. Türkgücü-Verteidiger Mergim Mavraj hatte dem 25-Jährigen den Ellenbogen ins Gesicht gerammt, ein Strafstoß wäre angemessen gewesen.
Während des Spiels habe er das gar nicht genau erkennen können, bemerkte Frank Döpper, die Ansicht der Fernsehbilder aber lasse nur den folgenden Schluss zu: „Ein tausendprozentiger Elfmeter.“ Hanslik selbst trug Kieferschmerzen davon und bekundete, „ganz deutlich einen Schlag gespürt“ zu haben, „am Ende muss das aber nicht interessieren – wir haben gewonnen.“
Die Gefühle des Hikmet Ciftci
Als persönlichen Erfolg darf Hikmet Ciftci die Partie verbuchen. Erst war er wechselwillig und im Grunde aussortiert gewesen, dann war er verletzt, feierte gegen 1860 München seine Rückkehr, war wieder verletzt. Bei Türkgücü kam er zu seinem erst dritten Einsatz in dieser Saison. Und schoss sein erstes Tor. Türkgücüs Schlussmann Franco Flückiger avancierte bei Ciftcis 16-Meter-Schuss zum traurigen Tropf, der Ball glitt ihm durch die Hände. Ciftci konnte das egal sein. Wie war er, der Augenblick des Torjubels? „Sehr, sehr schön“, sagte Ciftci, „da sind Emotionen hochgekommen. Ich habe viel gelitten in den vergangenen Monaten. Ich konnte der Mannschaft nun helfen und bin stolz darauf.“ Dass der FCK von den vergangenen fünf Partien vier gewonnen hat und sich vorübergehend auf Tabellenrang drei schob, bedeute gar nichts: „Wir haben noch die komplette Rückrunde vor uns.“ Eine Rückrunde, die nicht prickelnder beginnen könnte: Am kommenden Samstag ist Eintracht Braunschweig der Kaiserslauterer Gastgeber.
Die Sprechchöre für den Gesperrten
Frank Döpper wird dann wieder in die Rolle des zweiten Mannes schlüpfen. Ändern wird sich für ihn kaum etwas. Das hatte es auch am Freitagabend nicht getan. „Ich coache viel, bin emotional, so bin ich auch, wenn Marco dabei ist“, sagte Döpper, „wir sind ein Team.“ In München hatte Videoanalyst Niklas Martin neben Döpper Platz genommen. „Er kann genauso reincoachen, wir bewegen uns auf einer Ebene.“
Marco Antwerpen übrigens bewegt sich in der Pfalz ganz langsam Richtung Kultstatus. Obwohl aufgrund der bayerischen Corona-Verordnung keine Zuschauer zugelassen waren, ertönten während der Halbzeitpause deutlich hörbar Marco-Antwerpen-Sprechchöre. Allerdings von außerhalb der Arena. Dort hatten sich ein paar versprengte FCK-Fans eingefunden, um ihrem Team wenigstens ein bisschen nahe zu sein. Es scheint geholfen zu haben.
Hikmet.
Die erst 20, 25 überragend von uns allen, dann wurden wir etwas passiv in den Zweikämpfen. Nur noch hinterherlaufen. Es ist ein hart erkämpfter Sieg in München. Seher, sehr schön. Emotionen hochgekommen. Ich habe viel gelitten in den vergangenen Monaten. Ich konnte der Mannschaft mit dem Tor helfen und bin stolz darauf. Das sagt gar nichts. Wir haben noch die komplette Rückrunde.
