Rugby RHEINPFALZ Plus Artikel Der Samstag ist gerettet

Glückliche „Kiwis“Gestern Abend in Dunedin: 20.000 Fans bei Highlanders gegen Chiefs.
Glückliche »Kiwis«Gestern Abend in Dunedin: 20.000 Fans bei Highlanders gegen Chiefs.

Coronafreies Neuseeland: Die Zuschauer dürfen wieder in die Stadien.

Wie ein riesiger Vorschlaghammer hat das Coronavirus die Welt des Sports getroffen. Zumindest in Neuseeland ist seit Samstagabend um Sieben (Ortszeit) die Welt wieder in Ordnung. Erstes (Rugby-)Spiel seit der Coronapause – nicht vor Geistern, sondern vor lebendigen Menschen. 20.000 Fans sind ins 22.000 Zuschauer fassende Forsyth Barr Stadion gepilgert und wurden dafür fürstlich belohnt, denn die Partie bot knisternde Spannung.

In der vorletzten Spielminute bescherte Bryn Gatland, Sohn des langjährigen Nationaltrainers von Wales, Warren Gatland, seinen Fans einen wunderschönen Samstagabend. 28:27 (22:16), so der Endstand in der Arena, die zur WM 2011 neu gebaut wurde. Sie bekam ein Dach und macht im oft kalten Dunedin den Besuch nicht nur für die Gegner, auch für die Zuschauer komfortabler. Carisbrook, das frühere Stadion in Dunedin, nannten sie auch „The House of Pain“ (das Haus des Schmerzes), weil die Heimmannschaften einschließlich der All Blacks hier ihre Gegner besonders oft bestraften.

Nur 25 von 7500 Mitgliedern kommen nicht

„Bevor die Eintrittskarten am vergangenen Montag offiziell in den Verkauf gingen, haben wir zuerst alle unsere Mitglieder angerufen“, sagte Highlanders-Vorstand Roger Clark. „Und nur 25 von 7500 sagten, dass sie nicht zum Spiel kommen können ...“

Glückliche Premierministerin: Am vergangenen Montag hob Jacinda Ardern die Versammlungsbeschränken ab Mitternacht auf. Die Zahlen, die das neuseeländische Ministerium für Gesundheit veröffentlicht, sind lesenswert. Insgesamt 1504 bestätigte oder wahrscheinliche Covid-19-Fälle im „Land der langen, weißen Wolke“. 1482 genesen, 22 Todesfälle in Verbindung mit Covid 19. 17 Tage lang gab es keine Neuinfektionen mehr. Der letzte Patient wurde offiziell als gesund entlassen. Es soll eine 50-jährige Frau aus Auckland gewesen sein.

Am heiligen Sonntag wird nun gespielt

„Super Rugby“ heißt die Profiliga, die aus 15 Teams aus Neuseeland, Australien, Südafrika, Japan und Argentinien besteht; die Runde dauert in der Regel von Februar bis Anfang August, heuer abgesagt im März. Daraufhin haben sich die fünf Teams aus Neuseeland kurzfristig – und möglicherweise einmalig – zu „Super Rugby Aoteara“ zusammengeschlossen. In 20 Partien treten die fünf an zehn Wochenenden in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Gestern Highlanders gegen Chiefs, heute im wahrscheinlich mit 45.000 Zuschauern ausverkauften Eden Park in Auckland die Blues gegen die Hurricanes aus Wellington. Noch in Lauerstellung: die Crusaders aus Christchurch.

Rugby ist in Neuseeland Religion. Nach dem strengen „Lockdown“ sind bei den „Kiwis“ die Samstage jetzt wieder gerettet. Entweder ins Stadion gehen, oder zumindest die Spiele im Fernsehen gucken. Früher gehörte in Neuseeland der Samstag dem Rugby, der Sonntag der Kirche und Familie. Doch auch hier hat der Profisport seine Duftmarken gesetzt. Gespielt wird jetzt auch am heiligen Sonntag.

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