MEINUNG RHEINPFALZ Plus Artikel Der Poker von und mit Lionel Messi hat auch etwas Gutes – Wochenend-Kolumne

Der FC Barcelona hat mit fast 490 Millionen Euro Schulden zu kämpfen: eine Herkulesaufgabe für Präsident Joan Laporta.
Der FC Barcelona hat mit fast 490 Millionen Euro Schulden zu kämpfen: eine Herkulesaufgabe für Präsident Joan Laporta.

Bleibt er? Bleibt er nicht? Bleibt er? Am Donnerstagabend hat der FC Barcelona erklärt, sich den sechsmaligen Weltfußballer Lionel Messi nicht mehr leisten zu können. Es komme kein neuer Vertrag zustande, das sogenannte Financial Fairplay der spanischen Primera División verhindere ihn. Dabei soll Messi „sogar“ bereit gewesen sein, auf die Hälfte seines bisherigen Gehalts zu verzichten. Statt für bisher offenbar 100 Millionen Euro jährlich hätte der immerhin schon 34-Jährige für lausige 50 Millionen Euro pro Jahr gespielt. Großzügig.

Dass Barça nun die Notbremse ziehen musste, ist hoffentlich ein Lichtblick. Laut Ligaregel dürfen die Klubs bis zu 70 Prozent der Einnahmen für Spielergehälter ausgeben. Bei Barça lag dieser Wert Ende 2020/21 bei 110 Prozent! Das hat der Klub erklärt, der seit Jahren deutlich über seinen Verhältnissen lebt. Was nicht allein an Messi liegt. Aber eben zu einem guten Teil an ihm. Messi soll nach 21 Jahren also nicht mehr für seinen Klub zaubern. Sportlich schade, aber finanziell ein zumindest zartes Zeichen. Zumal in der längst nicht besiegten Corona-Pandemie, in der die allermeisten Menschen, die um die Zukunft auch ihrer Kinder bangen, wahrhaftig andere Sorgen haben, als ob ein wirklich, wirklich begnadeter Fußballer unsagbare 20, 50 oder 100 Millionen Euro jährlich verdient.

Sommer-Transferfenster bringt vielen Nachteile

Nicht nur bei Messi, auch bei so ziemlich allen anderen Personalien und Transfers im Profifußball wird kräftig gepokert. Dabei kommt auch in der gerade beginnenden Saison für Zweit- und Drittligisten eine besondere Schwierigkeit hinzu. Sie wissen in diesem Jahr erst fünfeinhalb Wochen nach Beginn der Spielzeit, wie ihr Kader für die Hinrunde denn genau aussieht.

Das Gros des Teams steht, aber einzelne Spieler sind womöglich mit ihren Gedanken schon ganz woanders. In der Zweiten und Dritten Liga hat die Saison am 23./24. Juli begonnen – vor allem des Fernsehens und des Internet-TV wegen, das so viel wie möglich Fußball zeigen will; Bundesliga-Start ist am 13. August. Transfers bei unter Vertrag stehenden Profis indes sind noch bis 31. August möglich, in einigen anderen Ländern gar noch länger. Das bedeutet für manche Zweit- und Drittligisten teils personelle Hängepartien bis lange nach Saisonbeginn.

Harter Preispoker und dann große Hektik

Der Klub, der einen nicht unbedingt überall heiß begehrten Zweit- oder Drittligaspieler kaufen will, lässt Zeit verstreichen, um den (Ablöse-)Preis zu drücken. Normale Gesetze des Marktes – wie bei privaten Verkäufen etwa von Autos, die keine Renner (mehr) sind. Der abgebende Verein steckt in der Zwickmühle. Gibt er im Preispoker nicht nach, hat er einen frustrierten Spieler. Gibt der Verkäufer nach, kann alles schneller gehen, aber der abgebende Klub bekommt meist weniger Ablöse. Und muss sich hektisch um Ersatz bemühen. Das bedeutet für Zweit- und Drittligisten im Sommer 2021 im Extremfall, dass sich noch bei zwei, drei, vier Kaderpositionen fünfeinhalb Wochen nach dem ersten Spiel einiges ändert. Unruhe bleibt unter den kickenden Kollegen nicht aus.

Da haben es die Erstligisten, nach denen die Transferzeiten ausgerichtet sind, etwas leichter. Für sie beträgt die Zeit der Ungewissheit und des Transfertheaters nach dem ersten Spieltag oft nur rund zwei Wochen. Und sie sind es häufig, die die Dominosteine dann spät, aber heftig in Bewegung bringen. Geht ein Bundesligaspieler, holt sein bisheriger Klub nicht selten noch einen guten Zweitligamann, und der Zweitligist muss sich hektisch um Alternativen bemühen. Das Transferfenster künftig früher nach Saisonbeginn auch der Zweiten und Dritten Liga zu schließen, würde für deutlich mehr Klarheit und Gerechtigkeit sorgen.

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