Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Der Fall Djokovic: Ein Kompromiss muss her

Polarisiert: Novak Djokovic.
Polarisiert: Novak Djokovic.

Im Gezerre um den eher ungeliebten Tennisstar Novak Djokovic ist ein Machtkampf voller Emotionalität entbrannt. Offenbar ist er ungeimpft, aber gesund. Es wäre aberwitzig, wenn er in Melbourne nicht spielen dürfte.

Novak Djokovic ist die Nummer 1 der Weltrangliste, Titelverteidiger bei den Australian Open – und gesund. Als solcher hat er das Recht, die Pflicht und vermutlich auch die Lust, seinen Beruf auszuüben. Natürlich in Melbourne. Ob er momentan, oder dann auch fortan, mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht, lässt sich – wie bei allen Menschen – mit einem täglichen Test überprüfen.

Novak Djokovic ist aber auch: ungeimpft, unbelehrbar und unbeliebt. All das und manch unnötige, durchaus provozierende Mitteilung seiner selbst oder seines Umfeldes reicht per se aber nicht aus, ihn daran zu hindern, seinen Beruf auszuüben. Außer in Australien. Aber auch nur, weil die Einreisebestimmungen so sind wie sie sind: Wer nicht zweifach geimpft ist, darf nicht rein. Das ist eine Regel, eine Haltung. Klarer Fall.

Aber, hmmm, spielen könnte er ja. Und gewinnen auch. So könnte es tatsächlich passieren, dass er als ungeimpfter, aber gesunder Spieler am Ende gewinnt, während mehrfach geimpfte Spieler sich irgendwo und irgendwie das Virus einfangen und krank ausscheiden müssen. Könnte.

Gibt es eine Lösung im Sinne des Sports

Nun muss eine Lösung her, die durchsichtig, unemotional, vernünftig (gibt’s das überhaupt?) und im Sinne des Sports getroffen wird. Denn Djokovic kommt als Sportler und nicht als Tourist, der vier Wochen durch das Land reisen will.

Keine Rolle spielen sollte, wie sich sein Vater positioniert (in meinen Augen daneben), ob die Australier harte Zeiten hinter sich haben (haben so ziemlich alle Menschen dieser Erde, die einen mehr, die anderen weniger) oder ob der geschätzte Gesundheitsminister Lauterbach meint, Sportler müssten Vorbilder sein (und was ist mit Politikern?).

Dass nun ein Gericht darüber befindet, ob er gehen muss oder bleiben darf, ist unglücklich. Vielleicht lässt sich ja klären, was keiner weiß, aber worüber alle reden: Hatte er von irgendwoher einen Schrieb, aufgrund dessen er sich in den Flieger setzte? Oder setzte er sich in den Flieger, weil er dachte, ihm als Nummer 1 der Welt öffnen sich Tür und Tor?

Ein Kompromissvorschlag

Gericht hin, Gericht her, es braucht einen Kompromiss. Der könnte so gehen: Das Land Australien hebt für alle spielbereiten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Australian Open (nicht Funktionäre, Trainer oder Masseure) seine Einreisebestimmungen auf, weil es, wenn es schon dieses Grand-Slam-Turnier ausrichten lässt, Interesse daran haben muss, aus durchsichtig fairen Gründen die besten Spielerinnen und Spieler, die darüber hinaus gesund sind, starten zu lassen.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ob geimpft oder ungeimpft, verpflichten sich im Gegenzug, alles dafür zu tun, gesund zu bleiben. Da sich alle in einer Blase bewegen, sollte das machbar sein. Wie etwa im vorigen Jahr bei der Handball-WM in Ägypten, bei den Olympischen Spielen in Tokio oder bei der Tour de France.

Wenn ich in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie alles richtig verstanden habe, übertragen auch doppelt oder dreifach geimpfte Menschen das Virus und/oder können sich infizieren und erkranken.

Nichtsdestotrotz: Vielleicht kommt Novak Djokovic zur Einsicht, sich irgendwann impfen zu lassen. Zu wünschen wäre es ihm.

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