HandbaLL
Das war diesmal zu wenig bei den deutschen Handballern
Die deutsche Mannschaft startete am Donnerstag beachtlich, schien erneut die widrigen Umstände ausblenden zu können, zeigte in dem Handball-Klassiker keinen Respekt vor den hoch dekorierten Spaniern. Aber Ende der ersten Halbzeit verlor sie den Faden, hatte eine erste Schwächephase, da gelang ab der 24. Minute und dem 12:12 durch Philipp Weber bis zum Pausenpfiff kein Tor mehr.
Fatal: Diese Phase endete erst in der 39. Minute, das heißt, die deutsche Auswahl blieb fast eine Viertelstunde ohne Torerfolg, sie leistete sich einfach zu viele Fehler. Und vor allem: Spaniens Torhüter Gonzalo Perez de Vargas wuchs über sich hinaus, er hielt großartig. Immer wieder scheiterten die deutschen Spieler an ihm.
„Torhüter warm geschossen“
Der Mannschaft gelang sogar beim „7:6-Spiel“ zunächst kein Tor, Alfred Gislason probierte ab der 35. Minute das Überzahlspiel. „Wir sind nach der Pause schlecht gestartet, haben den Torhüter warm geschossen“, meinte Patrick Wiencek. Die erfahrene, eingespielte und ausgebuffte spanische Mannschaft nutzte jede Unzulänglichkeit des deutschen Teams. Spanien – eine Nummer zu groß! „Wir sind sehr zufrieden. In dieser Corona-Situation zu spielen ist nicht einfach. Wir haben Charakter gezeigt“, meinte der spanische Abwehrchef und Kapitän Gedeón Guardiola. Auch Spanien hat zwei Corona-Fälle. Mit dem Titelverteidiger ist zu rechnen!
Roggisch für Wudtke auf der Bank
Für Co-Trainer Erich Wudtke (unklarer Test) unterstützte Oliver Roggisch Bundestrainer Alfred Gislason. Christoph Steinert feierte nach seinem positiven Test am Mittwoch ein Blitz-Comeback, die folgenden Tests bei ihm waren negativ. Wie alle anderen saß er mit Maske auf der Bank, er machte in der zweiten Halbzeit mit. „Das war unser schlechtestes Spiel. Wir haben zu viele Fehler gemacht, um auf diesem Niveau bestehen zu können“, sagte der Halbrechte.
Bis Mittwochnachmittag sammelten sich zwölf Corona-Fälle im Kader an, nun rückten Tobias Reichmann, Lukas Stutzke und David Schmidt nach. Am Mittwochabend entschied der Deutsche Handballbund nach vielen Gesprächen, weiter im Turnier zu bleiben und nicht abzureisen. „Die Entscheidung ist komplex und unter anderem aus gesundheitlicher, sportlicher, rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht zu bewerten gewesen“, betonte der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober. Die Situation sei dynamisch und immer wieder neu zu bewerten.
Ein emotionales Statement
Kapitän Johannes Golla sagte in einem emotionalen Statement: „Wir haben darüber gesprochen, wie wir das Turnier fortsetzen und zu Ende bringen können. Das ist unser klares Ziel, alles andere war nicht unser Thema. Auch wenn wir alle auf Abstand unterwegs sind – so einen Zusammenhalt wie in den vergangenen Tagen habe ich selten erlebt ... So seltsam es klingen mag: Ich habe die große Hoffnung, dass wir von diesem Zusammenhalt als Team in den nächsten Jahren profitieren können.“
Die Mannschaft darf sich nur nicht entmutigen lassen. Heute (20.30 Uhr, ARD) wartet Norwegen. „Wir müssen das Spiel abhaken. Gegen Norwegen zeigen wir hoffentlich wieder ein anderes Spiel“, meinte Patrick Wiencek.
So spielten sie
Deutschland: Bitter, Rebmann - Wiede (1), Weber (2), Köster (3) - Zerbe (1), Dahmke
(1) - Golla (4) - Wiencek (2), Reichmann (2/2), Ernst (1), Drux, Zieker (4), Steinert, Stutzke (2), Schmidt
Spanien: Perez de Vargas - Maqueda (6), Casado (5), Garcia (3) - Gomez (4), Fernandez - Figueras (4) - Guardiola, Pecina, Sanchez-Migallon, Marquez (1), Arino, Gurbindo (1), Sole (5)
Spielfilm: 3:3 (5.), 6:7 (13.), 9:9 (17.), 12:12 (24.), 12:14 (Halbzeit), 12:17 (37.), 13:19 (40.), 16:23 (48.) - Siebenmeter: 2/2 - 3/2 - Zeitstrafen: 1/0 - Beste Spieler: Golla, Zieker, Ernst - Perez de Vargas, Casado, Garcia -
Zuschauer: 1683 - Schiedsrichter: Charlotte/Julie Bonaventura (Frankreich)