Sport Bitteres Ende für Löw-Elf
Der Tag fing nicht gut an für den Deutschen Fußball-Bund, Stichwort: Steuerfahndung - der Tag ging sportlich nicht zufriedenstellend zu Ende. Die deutsche 1b zeigte in Köln keine 1a-Leistung, gab drei Führungen wieder ab. Zwar war die deutsche Mannschaft überlegen, hatte viel mehr Ballbesitz, vor dem Tor der Türkei war sie aber oft zu ungefährlich, was sicherlich daran lag, dass die Formation so noch nicht zusammengespielt hat und kaum Zeit zum Trainieren hatte. 300 Zuschauer, mehr waren nicht zugelassen, verfolgten die Partie im Stadion. Stimmung kam da natürlich nicht auf. Im Grunde war es ein Geisterspiel.
Das 1:0 fiel in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit: Nach einem feinen Pass von Kai Havertz auf Julian Draxler war der Offensivspieler von Paris Saint-Germain halblinks frei im Strafraum, und mit einem klugen Schlenzer überwand er Torhüter Mert Günok. Endlich. Havertz agierte bis dahin sehr diskret.
Türkische Elf im Neuaufbau
Julian Draxler führte die Elf als Kapitän aufs Spielfeld, der 27-Jährige war aber nicht so dominant wie von Bundestrainer Joachim Löw erhofft. Die Mannschaft machte es sich mit einigen kleinen Ungenauigkeiten selbst schwer, Antonio Rüdiger spielte klasse Diagonalpässe, schluderte jedoch auf engstem Raum. Debütant Florian Neuhaus von Borussia Mönchengladbach forderte den Ball, legte einen selbstbewussten Auftritt hin. Julian Brandt machte zunächst mit einem Schuss aus der zweiten Reihe auf sich aufmerksam.
Die Gäste hatten zu Beginn der Partie die besseren Möglichkeiten, vergaben sie jedoch überhastet. Die türkische Mannschaft befindet sich im Neuaufbau, die ganz großen Namen früherer Tage fehlen. Kaan Ayhan, der frühere Düsseldorfer, machte ein gutes Spiel in der Innenverteidigung. Nach der Pause kam die Türkei durch einen großartigen Schuss von Kapitän Ozan Tufan zum Ausgleich, der Ball drehte sich ins Tor, Keeper Bernd Leno war verdutzt. Kurz zuvor vergab Julian Brandt nach einem Hackentrick von Kai Havertz eine gute Chance zum 2:0. Besser machte es fünf Minuten nach dem 1:1 Debütant Neuhaus: Wieder legte Kai Havertz den Ball überlegt vor. Das 3:1 vereitelte Torhüter Günok mit einer tollen Parade nach einem Schuss von Brandt. Der Dortmunder Offensivspieler steigerte sich nach der Pause.
Ausgleich zum 3:3 in der Nachspielzeit
Doch wieder kam die Türkei zum Ausgleich: Efecan Karaca eroberte auf rustikale Weise den Ball von Florian Neuhaus, zog ab und traf zum 2:2. Die deutschen Spieler protestierten, Emre Can handelte sich sogar eine Gelbe Karte ein, weil er mit der Aktion des türkischen Spielers nicht einverstanden war. Der Spielfluss ging mehr und mehr verloren, weil die beiden Trainer kräftig durchwechselten. So kamen auch der Mönchengladbacher Jonas Hofmann und der Dortmunder Mahmoud Dahoud zu ihren ersten Länderspielen. Die deutsche Mannschaft versuchte weiter, im Vorwärtsgang zu bleiben, schaffte es jedoch nicht, die türkische Abwehr richtig in Verlegenheit zu bringen. Und dann doch, spät, das 3:2: Lukas Waldschmidt von Benfica Lissabon markierte den Treffer in der 81. Minute. Ein versöhnliches Ende schien nahe, da gelang der Türkei doch noch das 3:3 durch Kenan Karaman. Bitter!
Löw verzichtete auf die Bayern-Spieler
Bundestrainer Joachim Löw verzichtete in dem Testlauf auf mehrere Asse. So schonte er etwa die fünf Akteure des FC Bayern München für die Nations-League-Partien am Samstag in der Ukraine sowie am kommenden Dienstag erneut in Köln gegen die Schweiz. Dann wird die Mannschaft ein anderes Gesicht haben. Dann wird es ernst.
So spielten sie
Deutschland: Leno - Can, Koch, Rüdiger (59. Tah) - Henrichs, Neuhaus (79. Dahoud), Draxler (59. Hofmann), Schulz - Havertz (90. Amiri), Brandt (86. Stark) - Waldschmidt
Türkei: Günok - Sangare, Demiral, Ayhan (75. Kabak), Kaldirim - Yokuslu (63. Karaman), Tufan - Karaca (70. Tekdemir), Yazici (46. Dorukhan) , Kilinc (46. Cengiz Ünder) - Ünal (85. Ömir)
Tore: 1:0 Draxler (45.+1), 1:1 Tufan (50.), 2:1 Neuhaus (58.), 2:2 Karaca (67.), 3:2 Waldschmidt (81.), 3:3 Karaman (90 + 4) - Gelbe Karten: Rüdiger, Draxler, Can - Cengiz Ünder - Beste Spieler: Neuhaus, Brandt, Koch - Tufan, Ayhan, Günok - Zuschauer: 300 - Schiedsrichter: Bastien (Frankreich)