Boxen RHEINPFALZ Plus Artikel Bittere Niederlage für Lokalmatador Ahmad Ali

 Treffer: Ahmad Ali (rechts) im Duell gegen Felice Moncelli.
Treffer: Ahmad Ali (rechts) im Duell gegen Felice Moncelli.

Ahmad Ali verliert in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle gegen den Italiener Felice Moncelli. Leon Bauer konnte am Samstag nicht antreten. Hüseyin Cinkara brillierte und wurde seinem Spitznamen gerecht.

Nur zehn Minuten nach dem Ende des Hauptkampfes stieg Ahmad Ali aus dem Ringviereck. Der 33-jährige blickte auf den Boden, er war sichtlich enttäuscht. Er nahm das nicht mehr ganz weiße Handtuch über den Kopf und flüchtete in die Kabine. Es war seine bisher sportlich bitterste Stunde.

Der Lokalmatador musste bei der Boxing Fight Night in der Friedrich-Ebert-Halle genau fünf Monate nach seinem Sieg bei der WBC-Meisterschaft gegen den Italiener Felice Moncelli eine nicht erwartete Niederlage einstecken. Zudem verpasste er gegen den Römer Moncelli den vakanten EM-Gürtel des weltgrößten Boxverbandes IBF. Genau nach 1:59 Minute in der siebten Runde warf sein neuer Trainer, der Brite John Edwards, das Handtuch. Eine richtige Entscheidung.

Zu oft im Rückwärtsgang

Der gebürtige Ludwigshafener, dessen Eltern aus dem Libanon stammen und der im Stadtteil Friesenheim lebt, fand vor heimischer Kulisse von Beginn an nicht wie gewohnt seinen Rhythmus, während Moncelli einen Schlaghagel nach dem anderen setzte, auch wenn ihm nicht immer die wichtigen Treffer gelangen. Doch so ließ sich Ali oft in die Deckung drängen.

Statt mutig und leidenschaftlich den Gang nach vorne anzutreten, ließ er viel zu selten sein Können aufblitzen. Wenn er es schaffte, war es zu wenig. Moncelli wirkte wacher, zeigte mehr Engagement und Leidenschaft. Ali rettete sich sowohl in der vierten als auch zur sechsten Runde in die Ringpause. Der Lokalmatador, beim Kampf „Auge gegen Auge, die Revanche“, wie es Ringsprecher Kai Ebel angekündigt hatte, war diesmal nicht in Bestform. In der siebten Runde folgte das vorzeitige Ende vor knapp 2000 Zuschauern.

Die Luft fehlt

„Ich muss damit umgehen. Alle Großen im Boxen haben schon verloren, heute war es bei mir so. Jetzt steht es eins zu eins. Mal sehen, was jetzt passieren wird“, sagte Ali. Er schließt eine Revanche keinesfalls aus. In diesem Jahr wird es aber keinen Kampf mehr geben. Seine leichte Erkältung war ihm noch deutlich anzumerken. „Ja, mir hat schon die Luft etwas zu schaffen gemacht, aber das soll keine Ausrede sein. Der Druck war da, ich wollte den Kampf, jetzt muss ich mich erholen, dann geht es weiter“, meint Ali, ehe er zur Doping-Kontrolle ging.

Nicht erschienen war Leon Bauer. Der „Löwe aus der Pfalz“, der den bisher ungeschlagenen Kolumbianer Hancel Gonzalez um die Junioren-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht der IBO/IBF herausgefordert hatte, musste am frühen Morgen des Kampftages absagen. Eine Corona-Infektion hatte den 23-jährigen, der seine Rückkehr angekündigt hatte, außer Gefecht gesetzt. Das war bitter: Es hätte die Sternstunde des Pfälzers werden sollen, der nach drei Jahren Pause mit einem neuen Trainer-Team einen Neuanfang wagen wollte.

Hüseyin Cinkara braucht nur knapp drei Runden

Dagegen brillierte Hüseyin Cinkara und wurde seinem Spitznamen „The Hurricane“ gerecht. Der 37-jährige Deutsch-Türke aus Schifferstadt ließ sich nach dem EM-Titel im Cruisergewicht jetzt gegen den US-Amerikaner Al Sands den nächsten Gürtel um die Hüfte legen. Der Internationale Titel der WBA war ihm nach 1:42 Minuten in der dritten Runde sicher, als er den US-Boy erneut mit einem Kracher auf den Boden schickte.

Zuvor hatte sein Coach immer wieder an eine disziplinierte Boxweise erinnert. „Hüseyin, sauber boxen, was machst Du da?“, rief sein Trainer Magomed Schaburov. Somit blieb Cinkara im 19. Profikampf weiter ungeschlagen und feierte seinen 16. K.o.-Sieg. Gegen einen Gegner, der bisher ebenso oft sein Gegenüber vorzeitig besiegte. „Es war zunächst nicht mein Ziel, den K.o. zu erzwingen, aber ich habe schnell gemerkt, dass es möglich ist. Dann wollte ich diesen unbedingt“, verriet Cinkara.

Da waren seine Fans, die ihn während des Kampfes anfeuerten, aus dem Häuschen. Seine Frau Zeynap nahm er in die Arme. Jetzt dürfte bald ein WM-Kampf ins Haus stehen.

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