Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Bayern oder Paris? Das Herz von Experte Gernot Rohr ist vergeben

Daumen hoch – für wen wohl? Der Wahl-Franzose und Ex-Bayer Gernot Rohr.
Daumen hoch – für wen wohl? Der Wahl-Franzose und Ex-Bayer Gernot Rohr.

Er ist Wahl-Franzose, hat als Jungprofi beim FC Bayern München gespielt, gilt als weit gereiste Trainerkoryphäe – wer wäre berufener als Gernot Rohr (67), für die RHEINPFALZ das große deutsch-französische Finale der Champions League zwischen Bayern München und Paris St. Germain genauer unter die Lupe zu nehmen? Und wer jetzt denkt, zwei Herzen schlagen in seiner Brust, der wird sich wundern.

Vorab: „Mit großem Genuss“ hat Rohr das Halbfinale verfolgt. Zwei deutsche Mannschaften, zwei französische Teams – das hat den gebürtigen Mannheimer, der seit vielen Jahren an der Atlantikküste lebt, sehr gefreut. „Man sieht, beide Länder sind frisch. Spanier, Italiener und Engländer waren vielleicht etwas ausgelaugt“, mutmaßt Rohr. Und dass drei der vier Halbfinal-Trainer Deutsche waren, zwei davon jetzt auch noch im Endspiel stehen, „wertet uns auf“. Uns, damit meint Rohr als Spezialist für Afrika auch deutsche Coaches im Ausland. Er selbst trainiert seit 2016 die Nationalmannschaft Nigerias und hat seinen Vertrag gerade erst verlängert.

Doch nun zum großen Finale (Sonntag, 21 Uhr, ZDF). Bei der Frage, wem seine Sympathien gehören, weicht der Wandler zwischen seiner Wahlheimat Frankreich und der Kurpfalz, wo er aufgewachsen ist, gar nicht erst aus. „Mein Herz“, stellt er fest, „gehört nach wie vor den Bayern.“ Von 1972 bis 1974 stand er als junger Verteidiger für die Münchner unter Vertrag, es gibt noch einige Kontakte. Wenn aber ein französischer Radiosender regelmäßig seine Expertise anfragt, „dann rufe ich es hier ganz sicher nicht über die Dächer“, bekennt Rohr lachend.

Die Analyse der Mannschaftsteile

Gehen wir in die Detailanalyse. Im Tor sieht Rohr die Bayern klar im Vorteil – „1:0“. Und zwar unabhängig davon, ob der angeschlagene Keylor Navas bei Paris zurückkehrt oder Sergio Rico drin bleibt. Manuel Neuer sei einfach eine andere Hausnummer.

Auf die Abwehr „habe ich einen besonderen Blick“, sagt der ehemalige Verteidiger Rohr und findet: „Beide haben Schwächen. Es müssten ein paar Tore fallen“. Bayerns Zentraltandem Alaba/Boateng hat ihn gegen Lyon nicht überzeugt, und Shootingstar Alphonso Davies auf der linken Seite „ist sehr von der Offensive getrieben“. Rohr schließt mit Blick auf rechts: „Vielleicht müsste Pavard helfen.“ Dafür müsste Kimmich ins Mittelfeld, dazu gleich. Bei den Parisern weiß Rohr um das mangelnde Tempo von Kapitän Thiago Silva (35), der zudem sein letztes Spiel für PSG bestreitet.

„Im Mittelfeld hat sich Paris verbessert“, findet Rohr. Zumal Marco Verratti nach seinem Kurzeinsatz gegen RB Leipzig im Halbfinale nun wieder von Beginn an spielen dürfte. Dass Thiago mutmaßlich in seine letzte Partie für die Bayern geht, könnte den Edeltechniker mental hemmen. Rohrs Idee: Pavard für Kimmich und Kimmich für Thiago. „Aber da will ich niemandem reinreden“, fügt er gleich schmunzelnd hinzu.

Bleibt der Sturm, das Prunkstück von PSG. „Natürlich“, sagt Rohr, „die beiden können tatsächlich den Unterschied machen. Aber sie leisten kaum Defensivarbeit.“ Hier sieht Rohr die offensive Bayern-Achse mit Thomas Müller, Serge Gnabry und Robert Lewandowski im Vorteil gegenüber Kylian Mbappé und Neymar: „In Topform, als Einheit und arbeitend können sie das egalisieren.“

Hochachtung vor beiden deutschen Trainern

Begeistert ist Rohr von seinen Trainerkollegen. Thomas Tuchel habe das Starensemble „klasse und souverän“ gemanagt. „Aber sein Französisch ist noch verbesserungsfähig. Manchmal flüstert ihm von hinten noch jemand ein Wort zu.“ Hansi Flick lasse die Bayern endgültig den neuen Stil des erfolgreichen Fußballs spielen, schnell, geradlinig, stark im Umschalten.

Und Rohrs Tipp? „3:2 für Bayern!“ Nach Verlängerung? „Ja gern, dann hätten wir ja noch mehr davon ...“

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