Sport
Bayern fiebern Champions-League-Auslosung entgegen
Es hätte natürlich Gründe gegeben, zu feiern. Da spielte es keine Rolle, dass dieses letzte Gruppenspiel in der Champions League weder für den FC Bayern, noch für den Gegner aus England noch eine sportliche Bedeutung hatte. Aber die Stimmung bei den Münchner war zunächst so gedämpft, als wären sie erneut bei der Präzisionsarbeit vor dem Tor verzweifelt.
Erst nach Mitternacht dürfte sich die Laune gebessert haben. Der 3:1-Sieg gegen Tottenham Hotspur sei „überschattet“ von der Verletzung Kingsley Comans, sagte Flick, als er noch befürchten musste, der Franzose habe sich schwerer verletzt in der 25. Minute. Beim Versuch, den Ball unter Kontrolle zu bekommen, überstreckte er das Knie übel. Über zwei Stunden später kam die Entwarnung: Coman zog sich einen Kapseleinriss im linken Knie zu, außerdem ist die Bizepssehne gezerrt und das Knie gestaucht. Es werde vorerst mit einer Schiene ruhiggestellt, heißt es.
Entwarnung bei Coman
Fehlen wird der Flügelspieler den Münchnern wohl mindestens in den letzten drei Partien des Jahres, die für den Rekordmeister viel wichtiger sind, als es das Duell am Mittwochabend gewesen ist. Denn der Erfolg gegen Tottenham war nicht mehr als die perfekte Einstimmung auf den Endspurt. Nach den Niederlagen gegen Leverkusen und Mönchengladbach stand im Vordergrund, „für positive Stimmung zu sorgen“, sagte Joshua Kimmich. „Und ein paar Tore zu machen“, das, was dem FC Bayern eben zuletzt nicht so richtig gelingen mochte. Auch am Mittwoch „haben wir einen Anflug von Pech verspürt beim Abschluss“, meinte Thomas Müller: „Aber wir haben es trotzdem durchgezogen“. Mit den Treffern von Coman zehn Minuten vor dessen Verletzung sowie von Müller und Philippe Coutinho beendeten die Bayern den Tor-Fluch.
Klarer Auftrag bis Weihnachten
Spielerisch hatte es – mal abgesehen von der manchmal unzureichenden Absicherung bei Ballverlusten – nicht viel auszusetzen gegeben, anders als während der schwierigen Phase im Oktober, die Niko Kovac den Job kostete. Flick fand, der Sieg gegen Tottenham sei „ein Zeichen, dass wir auf diesem Weg bleiben müssen“. Für ihn war es auch der Beweis, in den vergangenen fünf Wochen nicht so schlechte Arbeit geleistet zu haben. „Wir wollten bestätigen, dass das, was wir machen, das Richtige ist“, sagte Müller. Die Mannschaft hat nun den klaren Auftrag, bis zum Weihnachtsurlaub möglichst „die Schieflage“, wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge den siebten Platz in der Bundesliga bezeichnet, zu beheben. Während in der Meisterschaft Konstanz fehlte, gab es in der Champions League bisher nichts auszusetzen.
Historisches geleistet
Die Bayern haben als einziges Team die Höchstpunktzahl erreicht und zudem die meisten Tore erzielt – keine Spur also von Abschlussschwäche. Dass die Mannschaft nebenbei Historisches leistete und als erster deutscher Klub alle sechs Vorrundenspiele in der Champions League gewann, ist zwar nicht mehr als eine weitere Bestmarke – und so ordnete Kimmich diese auch ein. „Gibt’s dafür eine Medaille?“, fragte er. „Der Rekord ist zweitrangig, aber er zeigt schon, dass wir eine gute Qualität haben.“ Die internationale Konkurrenz, ist Kapitän Manuel Neuer sicher, hat dies registriert. „Das war wichtig für uns, dass wir auch in Europa wieder richtig ernst genommen werden“, sagte er.