Extremsport
Ausgebremst
Extrem, extremer, Deichmann: Ende September 2020 war der deutsche Berufsabenteurer Jonas Deichmann in München zu seiner einsamen Weltrekordtour aufgebrochen. Sein Ziel: In 120 Triathlons um den Globus. 20.000 Kilometer Rad fahren, 5000 Kilometer Laufen, 460 Kilometer Schwimmen. Ohne Flugzeug oder irgendein motorisiertes Gefährt. Das hat vor ihm so noch kein Mensch geschafft.
Der Start war holprig, mit Dauerregen und Schnee, ab Kroatien folgten 54 qualvolle Tage Schwimmen entlang der Adriaküste bei starker Strömung, hohen Wellen, Stürmen. Einmal trieb er aufs Meer hinaus, einmal entkam er nur knapp einem Linienschiff und mehrmals stachen ihn Quallen ins Gesicht. Deichmann überlebte, setzte seine Tour motiviert fort und dachte bislang „keine Sekunde“ ans Aufgeben.
Und nun die ganze Tour rückwärts?
Doch jetzt sitzt er seit sechs Wochen in der Türkei fest. Wegen Corona, der Mutationen und weil er keine Einreiseerlaubnis für Russland erhält. Das liegt auch an den nicht gerade glänzenden deutsch-russischen Beziehungen. Über Iran, Pakistan und Indien ist derzeit auch nichts möglich. Also wartet der 33-Jährige auf ein diplomatisches Wunder, tingelt so lang mit dem Rad durch die Türkei, übernachtet an schönen Stränden oder in den Bergen und hat begonnen, Französisch zu lernen. „Wenn’s weitergeht, bin ich wenigstens ausgeruht“, erzählt er – und tüftelt an einer Alternative: Umdrehen, zurück durch Europa radeln, um dann die Welt in westlicher Richtung zu umrunden. Dafür sucht er ein Segelboot, das ihn im April von Westeuropa aus mit an die amerikanische Ostküste nimmt. Noch hat sich niemand gemeldet, aber wenn Daueroptimist Jonas Deichmann in den vergangenen Jahren etwas gelernt hat bei seinen Extremtouren auf verschiedenen Kontinenten, dann sind es Geduld und Gelassenheit.