Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Andreas Palicka: „Deutschland ist großer Favorit“

Andreas Palicka.
Andreas Palicka.

Schwedens Handball-Nationaltorhüter Andreas Palicka sieht bei der Olympia-Qualifikation in Berlin den Vorteil beim Gastgeber. Für die starke Leistung bei der WM hat der 34-Jährige eine Erklärung. Am Sonntag (16 Uhr) gastiert er mit den Rhein-Neckar Löwen bei GWD Minden.

Herr Palicka, Sie sprechen nicht gerne über Ihr Wohlempfinden, zumindest nicht im Fernsehen. Trotzdem: Wie geht es Ihnen?
Mir geht es relativ gut. Ich hatte viele Ruhephasen seit meiner Knieverletzung am 25. Oktober in Erlangen. Ich bin nicht topfit. Ich kann nicht 100 Prozent voll trainieren. Aber ich kann vernünftig spielen, wenn es nicht zu viel mit der Belastung wird. Es wird jeden Tag besser.

Mikael Appelgren fehlt

Ist das im Moment der beste Andreas Palicka, den wir sehen?
Die letzten fünf Jahre lief alles super. Da „Apfel“ (der verletzte Mikael Appelgren) und ich uns in der Saison die Spiele nicht teilen können, stehe ich alleine da. Es gab aber auch ein paar Spiele mit denen ich überhaupt nicht zufrieden bin, in denen wir als Mannschaft nicht gut waren. Ich fühle mich in guter Form. Ich fühle mich stabil, ruhig und versuche das in die Mannschaft reinzukriegen. Am liebsten hätte ich „Apfel“ an meiner Seite.

Wie sehr haben Sie sich über das Votum bester WM-Torhüter gefreut?
Ich habe mich mehr über die Mannschaftsleistung gefreut. Was wir da mit dieser unerfahrenen Mannschaft gebracht haben, war toll. Wir haben so geilen Handball gespielt. Dafür sind wir mit einer Silbermedaille belohnt worden. Völlig unerwartet, aber 100 Prozent verdient.

Positive Möglichkeiten sehen

Vielleicht können Sie es uns noch einmal erklären: Wie kam es zu dieser starken schwedischen Leistung? Kein Experte hatte das Team auf dem Zettel.
Wir haben viele junge Spieler, die schon in guten Vereine spielen und täglich dort große Rollen übernehmen. Sie spielen noch nicht bei den Klubs mit den ganz großen Namen. Und dann haben wir eine Wirbelsäule von erfahrenen Spielern: Mit mir, Jim Gottfridsson und Max Darj. Sie alle hatten den Mut, sie selbst zu sein. Und wir haben als Mannschaft gespielt, das war Mannschaftssport in Ägypten. Alle haben die positiven Möglichkeiten gesehen, nicht die Möglichkeit, zu verlieren. Das war ein geiles Erlebnis in einer dunklen Zeit.

War Dänemark im Finale cleverer?
Am Ende waren es nur Kleinigkeiten. Mit etwas Glück können wir mit plus zwei, drei Tore in die Kabine gehen. Und dann hat Niklas Landin das Spiel entschieden in der letzten Viertelstunde. Von der Breite des Kaders her war Dänemark einfach die beste Mannschaft. Außergewöhnlich gut. Da kommt keine Mannschaft mit.

Deutschland mit bester Mannschaft

Was bedeutet das alles für die Olympia-Qualifikation in Berlin?
Das bedeutet nicht viel. Ich sehe immer noch Deutschland als großen Favoriten in dieser Gruppe. Deutschland spielt zu Hause, und ich denke, sie werden die beste Mannschaft aufbieten. Dann hat Deutschland ja einen guten Kader mit viel Erfahrung. Für uns wird es mega-schwierig.

Zu den Löwen. Es ist immer schwierig, Spiele zu vergleichen. Warum war das Spiel bei den Füchsen so viel besser als die Partie in Göppingen?
Wir kämpfen immer noch mit dieser negativen Phase im Spiel. In Göppingen kam etwas in die Mannschaft, da war dann viel Frust dabei, und es kam eine ganz schlechte Mannschaftsleistung heraus. Das ist ein wiederkehrendes Problem, wir müssen viel besser mit diesen Phasen umgehen. In Berlin hatte ich immer das Gefühl, dass wir das Spiel im Griff haben.

Ist Platz drei nun das Ziel?
Ich möchte nicht über Platzierungen sprechen. Wir können jede Mannschaft der Welt schlagen, wir haben einen fantastischen Kader. Unser niedrigstes Niveau soll höher werden, dann sehe ich kein Problem, dass wir jedes Spiel gut absolvieren.

Trainer Martin Schwalb verlässt den Klub, was für einen Trainer brauchen die Löwen jetzt?
Das wird jetzt der vierte Trainer in vier Jahren. Egal, welcher Trainer kommt, er muss langfristig was Neues aufbauen. Es laufen Verträge aus, niemand weiß, wie die Mannschaft nächste Saison aussehen wird. Der neue Trainer hat eine große Chance, sein eigenen Input zu setzen. Martin hat uns viele gute Sachen beigebracht. Es ist eine Riesenenttäuschung, dass er weggeht.

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