Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Alessa-Catriona Pröpster – Von ganz unten nach ganz oben

Alessa-Catriona Pröpster spreizt Zeigefinger und kleinen Finger, was so viel heißt wie: „Ich gehöre nun zur Szene dazu“.
Alessa-Catriona Pröpster spreizt Zeigefinger und kleinen Finger, was so viel heißt wie: »Ich gehöre nun zur Szene dazu«.

Alessa-Catriona Pröpster hat bei ihrer Premiere in der Champions League eindrucksvoll ihre Zugehörigkeit zur Weltelite demonstriert. Drei Rennen gewann sie, bei drei weiteren stand sie auf dem Treppchen. Vom Finalwochenende in London kehrte die 22 Jahre alte Bahnradsprinterin vom RV Offenbach mit der Silbermedaille in der Gesamtwertung zurück.

Huhu, ich bin auch noch da – so könnte Alessa-Catriona Pröpster, die U23-Europameisterin im Sprint, die Kapitel über ihre schnellen Rennen in Palma de Mallorca, Berlin, Paris und London überschreiben. „Ich wusste, dass es eine riesengroße Chance für mich ist. Ich stehe das ganze Jahr über im Schatten von den anderen drei Deutschen. Viele nehmen gar nicht wahr, dass es in Deutschland vier starke Frauen gibt“, bilanzierte die angehende Polizeimeisterin ihre Auftritte im Sprint und im Keirin an den fünf Renntagen.

Eine andere Wahrnehmung

Aber jetzt wissen es alle. Nicht nur die Radsportfans, sondern auch die Trainer und die Konkurrentinnen. „Das sind wir zwar, aber wir verstehen uns so gut, lachen und reden total viel miteinander. Das Schönste ist, dass man mich nun als Person wahrnimmt“, sagt Alessa Pröpster. Sie spürt die andere Sichtweise auf sie, fühlt sich plötzlich wertgeschätzt. „Es ist toll, aber irgendwie auch traurig, dass so etwas erst kommt, wenn man erfolgreich ist“, sagt sie nachdenklich.

Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea-Sophie Friedrich, die großen Drei, die vier WM-Titel im Teamsprint hintereinander feierten, hatten die Champions League nicht bestritten, weil sie – zusammen mit Bundestrainer Jan van Eijden (Kaiserslautern) – mit Blick auf die Olympischen Spiele in Paris eine andere Periodisierung wählten. Sie starten schon wieder bei den Europameisterschaften im Januar in Apeldoorn und beim ersten Nations Cup in Brisbane.

Im Januar Prüfungen

Pröpster hingegen muss im Januar mit Prüfungen ihre Ausbildung bei der Bundespolizei abschließen, wird wohl aber ein fünftes Jahr dranhängen, um in den gehobenen Dienst zu kommen. Auch die Champions-League-Rennen, vor allem das erste auf Mallorca, bestritt sie im Lernstress. Bemerkenswert: Von den drei Trikotsponsoren, die sie für die Champions League auswählen durfte, ließ sie groß die Bundespolizei auf die Brust drucken.

Dass Grabosch, Hinze und Friedrich bei der Rennserie fehlten, schmälert Pröpsters Erfolg in keiner Weise. Unter den 18 Konkurrentinnen fuhren die Olympiasiegerin Kelsey Mitchell (29, Kanada) sowie die Weltmeisterinnen Emma Finucane (Großbritannien, 22) und Ellesse Andrews (23, Neuseeland) mit, die die Champions League auch gewann.

Ein schlimmer Sturz

Nach dem EM-Titel mit den großen Drei im Teamsprint im Februar und dem Nations-Cup-Sieg im Keirin in Milton stand sie im Sommer vor einer Prüfung der ganz anderen Art, die man sich und keiner anderen wünscht. Richtig schlimm war sie im Keirin-Finale bei den deutschen Meisterschaften in Cottbus auf den rauen Beton geknallt, brach sich zwar nichts, verließ die Klinik aber mit außergewöhnlich schmerzhaften Hautabschürfungen und Prellungen. Vom psychischen Knacks gar nicht zu reden. Trotzdem schlug sie vier Wochen danach bei der U23-EM in Anadia die spätere Weltmeisterin Emma Finucane. „Die Wehwehchen sind immer noch da. Die rechte Hüfte ist noch taub, die rechte Schulter schmerzt“, erzählt sie. Hinzu kamen private Probleme. „Gefühlt ging alles den Bach runter, ich war am tiefsten Tiefpunkt“, sagte sie. Ihr Kollege vom Bahnradteam Rheinland-Pfalz, Henric Hackmann, mit dem sie die Polizeiausbildung in Kienbaum absolviert, hat sie aufgerichtet. „Henric hat mir megaviel geholfen, er hat mich rausgezogen“, sagt sie.

Ziegler lobt

Ihr Heimtrainer Frank Ziegler (Otterberg), der sie in Palma, Berlin und Paris vor Ort unterstützte, zieht gerade nach dem schweren Sturz den Hut vor Pröpster: „Alessa hat sich super verkauft. Sie wird sehr viel an Erfahrung und an Selbstbewusstsein mitnehmen, und vor allem hat sie ihren Bekanntheitsgrad gesteigert.“

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