Eishockey
Adler Mannheim schlüpfen in ihre alte Rolle
Wie ist der Mannheimer Viertelfinal-Erfolg gegen die Straubing Tigers einzuordnen?
Fast wie ein „Mini-Sweep“. Natürlich, ein echter Sweep wäre ein 3:0 nach Siegen gewesen. Aber doch nur vier Partien zu benötigen in einer Serie, die klarer endete als sie war, die noch dazu mit einem Auswärtsspiel für die Adler begann, ist beachtlich. „Es war eine schwierige Serie“, betonte Trainer Bill Stewart nach dem 8:3 am Samstag und verwunderte mit dieser Aussage nur oberflächlich gesehen.
Wieso war Straubing näher am Halbfinale als es das blanke Ergebnis widerspiegelt?
Trainer Tom Pokal („Die ersten beiden Spiele hätten auch in die andere Richtung ausschlagen können“) und Verteidiger Marcel Brandt („Wir hatten die Chance, die ersten beiden Spiele zu gewinnen“) haben beide Recht. Allerdings muss auch gesagt werden, dass beim 3:2 zum Auftakt in Straubing die Adler ein gutes Play-off-Auswärtsspiel bestritten – so muss man in der entscheidenden Saisonphase in der Ferne auftreten. Mit dem 1:4 in Straubing dagegen in Spiel drei war Bill Stewart nicht nur wegen dieser katastrophalen kaum drei Minuten nach der ersten Pause samt dreier Gegentore unzufrieden. „Straubing hatte da den größeren Willen. Wir haben darüber geredet – und nun stehen wir heute hier“, stellte der Coach mit einiger Genugtuung am Samstag fest.
Welche Rolle spielten die beiden Rückkehrer?
Jeder für sich eine bedeutsame, für große Ganze sogar eine bedeutende. Nigel Dawes bereitete zwei Treffer vor, Jason Bast gelang selbst ein Tor. „Wir konnten mit beiden unsere Kadertiefe nutzen“, stellte Doppeltorschütze Tim Wohlgemuth die Bedeutung beider fürs Gesamtgefüge heraus. Zumal Mark Katic so auch wieder als Verteidiger noch wertvoller fürs Team sein konnte als zuvor als Aushilfsstürmer. Die Leidtragenden: Ruslan Iskhakov, physisch und im Defensivverhalten nicht der Stärkste, und Ilari Melart, der zuletzt seine Mannschaft durch manche Strafzeit auch schwächte, durften diesmal nur zuschauen.
Wer drückte dieser Serie den Stempel auf?
Sicher Jordan Szwarz mit drei Toren und zwei Assists. Aber auch die wiedervereinigte Sturmreihe mit Andrew Desjardins, Matthias Plachta (beide mit je 21 Minuten Eiszeit pro Partie!) und David Wolf. „Schlüsselparaden in Schlüsselmomenten“ attestierte Bill Stewart seinem Torwart Felix Brückmann. Effektiv und bissig: Nico Krämmer, der Verlängerungsmatchwinner im ersten Heimspiel.
Was erwartet die Adler nun im Halbfinale?
„Die Spiele werden noch härter“, ahnt Stewart. Kunststück, nun wartet ja auch der Titelverteidiger und Punktrundenprimus. Die Eisbären Berlin schafften gegen die Kölner Haie im Viertelfinale den richtigen „Sweep“, benötigten nur drei Spiele. „Schwere Gegner, aber wir sind nicht minder schwer“, hatte Adler-Stürmer Tim Wohlgemuth noch mit Blick auf Berlin oder München als Halbfinal-Kontrahenten festgestellt. Man darf das so interpretieren: Die zum Ende der Hauptrunde aus der Favoritenrolle gefallenen Adler sehen sich wieder als Titelaspirant. Randaspekt: Die bisherige Saisonbilanz zwischen Eisbären und Adlern ist ausgeglichen. Los geht’s am Mittwoch in Berlin, am Freitag (beide Partien ab 19.30 Uhr) haben die Adler Heimrecht. „Die Eisbären haben eine starke Hauptrunde gespielt und ihre Form in den Play-offs bestätigt“, weiß Adler-Sportmanager Jan-Axel Alavaara. Die Aufgabe werde für sein Team zu einer „Standortbestimmung, wo wir leistungsmäßig inzwischen stehen“. Klingt nach Durchreise ...
Und Corona?
Bisher in den Play-offs zum Glück gar kein Thema, bei keinem Klub. „Aber das Virus ist nicht weg, wir müssen vorsichtig sein“, warnt Bill Stewart. Spielausfälle sind ab jetzt schlichtweg Niederlagen und damit das Saison-Aus für betroffene Teams!