Eishockey
Adler Mannheim – Jungspunde mit Grund zum Jubeln
„Wir haben den Geist der letzten Woche aus Mannheim vertrieben“, befand Adler-Trainer Bill Stewart am Sonntag. Für zwei seiner Spieler war das Spiel etwas ganz Besonderes.
Die Sache mit den Pucks
Die Pucks der Deutschen Eishockeyliga stehen mittlerweile unter Beobachtung. Die herkömmlichen Hartgummischeiben sind seit dieser Spielzeit mit reichlich Elektronik versehen, erfassen während des laufenden Spiels Daten etwa über die Schussgeschwindigkeit. Aus Kostengründen soll deshalb die Anzahl der „Spielpucks“ über die gesamte Saison so gering wie möglich gehalten werden. Zuschauer sind dazu angehalten, eine Scheibe, die während der Partie über die Plexiglasscheibe fliegt, gegen einen limitierten „Retter-Puck“ einzutauschen. Dafür erhalten sie am Saisonende die Chance, ein unterschriebenes Trikot zu gewinnen.
Bitte an den Schiedsrichter
Ein Anreiz, der für Torhüter Arno Tiefensee und Angreifer Simon Thiel eher gering ist. Sie wollten unbedingt ihren originalen Puck des Spieltages behalten. Der gebürtige Mannheimer Thiel für sein erstes DEL-Tor im Trikot der Adler. Seine Mitspieler erkämpften die Scheibe dafür nach längerer Diskussion mit dem Schiedsrichtergespann. „Die wollten den erst nicht hergeben, aber jetzt habe ich ihn doch bekommen“, sagte der 21-Jährige strahlend. Und auch Torhüter Tiefensee hat ein persönliches Andenken an seinen ersten DEL-Einsatz. „Felix kam direkt nach dem Schlusspfiff und hat mir den Matchpuck überbracht“, erzählte der 20-Jährige über das Präsent von Kollege Felix Brückmann.
Randnotizen in einem Spiel, dass schon nach dem ersten Drittel entschieden war. Das rollende Adler-Überfallkommando schoss sich in 16 Minuten den Frust über die bisherige Ladehemmung von der Seele. Viel Gegenwehr kam dabei von den Gästen nicht. Denen steckte offensichtlich noch das Spiel des Vortages und eine überlange Busfahrt mit mehreren Staus in den Knochen, auch wenn Gästetrainer Tom Rowe das nicht als Entschuldigung gelten lassen wollte.
Tor nach 44 Sekunden
David Wolf nach 44 Sekunden, Nigel Dawes in Überzahl (4.) und Tim Wohlgemuth (11.) bereiteten den Boden für Thiels „Traum-Treffer“. „Von diesem Moment habe ich geträumt“, erklärte der Stürmer, der nur 31 Sekunden nach Wohlgemuth traf. „Ich habe gesehen, dass Taro (Jentzsch) den Puck holt. Da hab’ ich mich freigelaufen und habe geschrien, dass ich den Puck will und als er kam, habe ich einfach abgezogen“, beschrieb er und freute sich, dass Freunde und Familie den Premierentreffer miterleben konnten. Matthias Plachta (16.) legte noch das 5:0 nach.
Der Rest war Verwaltung mit einem weiteren Überzahltreffer durch Dawes und der Ergebniskosmetik von Daniel Schmölz (31./49.) und Dane Fox (56.). Weitere Nürnberger Treffer verhinderte Tiefensee. Und er kommentierte seine Premiere im Oberhaus nach einem „Lehrjahr“ in der DEL2 so gelassen, wie er zuvor die Pucks pariert hatte: „Die Halle ist größer, aber der Rest ist Eishockey.“