Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Adler Mannheim: Holzer lechzt nach seinem ersten Titel

Führungsfigur der Adler: Korbinian Holzer.
Führungsfigur der Adler: Korbinian Holzer.

Als es in der Endphase der Eishockey-Punktrunde nicht lief für die Adler Mannheim, sah man das auf dem Eis keinem so sehr an wie Korbinian Holzer, der seinen Frust nicht verbergen konnte – und wollte. „Ich bin halt ein ehrgeiziger Mensch“, räumt der Nationalverteidiger ein. Umso mehr setzt er Hoffnungen in den Play-off-Neustart.

Kaum zu glauben, aber wahr: Selbst ein so langgedienter und weitgereister Spitzenprofi wie Holzer hat im fortgeschrittenen Alter von 34 Jahren noch eine Rechnung offen. Er lechzt nach seinem ersten großen Meistertitel. „Das Ziel ist auf jeden Fall noch vor Augen, und dafür bin ich ja auch nach Mannheim gekommen“, sagt der gebürtige Münchner, der rund zehn Jahre in Nordamerika verbrachte, 211 Mal in der NHL zum Einsatz kam. 2012, in der unterklassigen AHL, war er mal nah dran – verlor aber mit den Toronto Marlies die Finalserie um den Calder Cup.

Adler: Stabilisiert, aber kein Topfavorit

Natürlich gibt sich ein solch erfahrener Mann aber auch keinen Illusionen hin. Die auf Tabellenrang fünf gerutschten Adler Mannheim gehen zwar unter dem neuen Trainer Bill Stewart deutlich stabilisiert und von einer „mentalen Blockade nach den Niederlagen zuvor“, wie es Holzer nennt, befreit ins am Sonntag beginnende Play-off-Viertelfinale gegen die Straubing Tigers. Titelfavorit sind sie aber (noch) nicht. Die Verlängerungsniederlage zum Abschluss gegen den freilich entfesselten Liga-Absteiger Krefeld hat noch mal Schwachstellen aufgedeckt.

„Gut, dass wir jetzt die ganze Woche dafür haben, aus diesem Spiel können wir noch einiges lernen“, betont Holzer im RHEINPFALZ-Gespräch. Stichwort: Strafzeiten. „Zwei, drei, vier kann man in einem Spiel ja ganz gut managen. Aber da haben wir uns selbst in Schwierigkeiten gebracht“, weiß Holzer. In Krefeld nahmen die Unterzahlsituationen den Adlern gerade in guten Phasen ganz viel Momentum.

Führungsfigur auf dem Eis und in der Kabine

„Manchmal muss man eben Zeichen setzen“, betont der Abwehrriese, der auch schon mal mit Härte seine Mannschaft aufzurütteln versucht. So geschehen beim deprimierenden 0:4 in Bremerhaven, wodurch er sich den Zorn des Publikums zuzog. „Ich komme damit ganz gut klar“, sagt Holzer lächelnd. Er ist eben eine Führungsfigur der Mannschaft – auf dem Eis und in der Kabine. Dort, davon ist er überzeugt, „hat jetzt jeder wieder Selbstvertrauen aufgebaut“. Etwas Neues wollen die Adler unter Bill Stewart kreieren, im Wissen, dass die drei Spiele unter dem erfahrenen Coach nach der Entlassung von Pavel Gross dazu nur sehr wenig Zeit boten. Was Holzer aber aufgesaugt hat, war die veränderte und „unglaublich tolle“ Atmosphäre in der SAP-Arena beim 4:1-Erfolg gegen Wolfsburg.

Im Gedanken auch in der Ukraine und in Russland

Im vergangenen Sommer war der Familienvater vom KHL-Team Awtomobilist Jekaterinburg nach Mannheim gekommen. Im Nachhinein vor dem Hintergrund des russischen Krieges gegen die Ukraine eine doppelt weise Entscheidung. „In jeder Hinsicht der richtige Schritt“, sagt Holzer, für den der Krieg eine „absolute Katastrophe“ ist. Er betont: „Mir tut es für die Menschen in der Ukraine leid, aber auch für viele in Russland. Meine Erfahrungen dort waren riesig, es ist ein super-schönes Land.“

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